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Digitalisierung – Arbeitszeit und Freizeit – Crowdwork

Position der WKÖ

Digitalisierung ermöglicht flexibleres Arbeiten  

Der Trend zur Digitalisierung erfordert mehr Flexibilität bei Arbeitszeit und Arbeitsort. Durch die neuen Technologien können Leistungen oft unabhängig von Ort und Zeit erbracht werden. Kunden werden anspruchsvoller, Auftragserteilung und –erfüllung werden immer kurzfristiger, das Geschäft immer internationaler. Auch Beschäftigte schätzen Flexibilität: Die Zufriedenheit nimmt mit steigender Arbeitszeitflexiblität zu. (Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Qualität der Arbeit in Europa, IW-Report 24/2017).  

Durch Smartphone, Internet & Laptop vermischen sich Arbeit und Freizeit. Mitarbeiter erledigen zuhause E-Mails, aber sie schreiben auch private E-Mails und führen private Telefonate während der Arbeitszeit.  

Privates während der Arbeit  

Tatsächlich verwenden Arbeitnehmer das Handy während der Arbeitszeit für etwa 15 Minuten täglich für Privates z.B. Telefonieren, Whats-App, sozialen Medien, SMS oder E-Mails. Zusätzlich werden Firmen-PC/-Laptop durchschnittlich 5 Minuten (z.B. surfen, online-shoppen, e-banking) und das Festnetztelefon durchschnittlich etwa 1 Minute täglich für Privates verwendet (Market Institut, Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt, November 2017).  

Geht man daher von insgesamt 21 Minuten pro Tag für Privataktivitäten während der Arbeitszeit aus, so entspricht das 9,5 Arbeitstagen pro Jahr. Andere Studien kommen auf noch höhere Werte (z.B. Market, Office report, Juni 2017: 40 Minuten täglich). Obwohl Arbeitnehmer davon wissen, dass sie grundsäztlich nur für ihre Arbeitsleistungen und nicht für Privataktivitäten entlohnt werden, haben 70% der AN keine Gewissensbisse, wenn sie Privates während der Arbeit erledigen (IMAS-Studie, Die Arbeitszeit in den Augen der erwerbsfähigen Bevölkerung). 

Erreichbarkeit in der Freizeit 

Etwa ein Drittel aller Arbeitnehmer hat ein Diensthandy und etwa die Hälfte von ihnen benutzt es auch für private Zwecke. Nur wenige der Diensthandybesitzer werden täglich in der Freizeit angerufen (8%), mehr als die Hälfte sogar seltener als einmal im Monat (Market Institut, Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt, November 2017). Viele, die auch in der Freizeit erreichbar sind, befinden sich in leitenden Positionen und/oder weisen eine überkollektivvertragliche Entlohnung auf. 

Demgegenüber werden mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer seltener als einmal im Monat in ihrer Freizeit kontaktiert. Im Durchschnitt dauern berufliche Anrufe in der Freizeit 5 Minuten pro Tag. Ein ebenso großer Anteil von Arbeitnehmern lesen nie oder sehr selten berufliche E-Mails in der Freizeit. Die Zeit, die für berufliche E-Mails in der Freizeit aufgewendet wird, beträgt ca. 5 Minuten täglich. 

Fazit: Die Anzahl der Arbeitnehmer, die während der Arbeitszeit Privates erledigen, übersteigt deutlich jene Zahl, die in der Freizeit Berufliches erledigen. Ebenso nehmen Privataktivitäten während der Arbeitszeit (21 Min.) deutlich mehr Zeit in Anspruch, als berufliche Erledigungen in der Freizeit (10 Min.). 

Crowdworker 

Im Rahmen der Share Economy können auch Crowdworker tätig sein. Crowdworker sind Personen, die die Aufträge annehmen. Auftraggeber ist eine Internet-Plattform, die die Aufträge an eine mehr oder weniger definierte Menge von Menschen (Crowd) vergibt (auch „Gig-Economy“ genannt). Beispiele sind die Erstellung von Übersetzungen und Bewertungen, Programmieren, Designen oder das Beschlagworten von Bildern. 

Beim Crowdworking ist nicht immer auf den ersten Blick klar, wer der Vertragspartner des Crowdworkers ist. Das kann die Plattform sein, wenn diese selbst der Auftraggeber ist, das kann aber auch der Auftraggeber selbst sein, wenn er sich der externen Plattform zur Vermittlung des Auftrags bedient. 

Crowdworker freiwillig und selbständig 

Die Crowdworker suchen sich ihre Aufträge freiwillig und selbst aus. Die Bezahlung erfolgt nur nach durchgeführter, vom Auftraggeber (Crowdsourcer) akzeptierter Arbeit und nicht nach Arbeitszeit. Crowdworker nicht gebunden an fixe Arbeitszeiten oder einen bestimmten Arbeitsort. Meist arbeiten sie in ihrer eigenen Wohnung oder einer selbstgewählten Arbeitsstätte außerhalb des Aufsichtsbereichs des Auftraggebers. Sie sind auch nicht in einen Betrieb eingegliedert. Zudem verfügen sie über eigene Betriebsmittel (PC, Software, Internetanschluss) Nach den von der Judikatur aufgestellten Abgrenzungsmerkmalen spricht das alles für einen Werkvertrag. Crowdworker sind also grundsätzlich Selbständige. 

Crowdworker prominent diskutiert, wenig relevant

In Deutschland gibt es ca. 1 Mio. Crowdworker. Für Ö gibt es noch keine Schätzungen. Laut einer AK-Umfrage unter lediglich 2003 Befragten gaben 18% an, Crowdworker (gewesen) zu sein. Anhaltspunkte für einen massiven Bedeutungszuwachs gibt es nicht. Nur für 2% der befragten Crowdworker stellt dies die einzige Einkommensquelle dar. Für 11% macht es mehr als die Hälfte des Einkommens aus. Crowdworking ist jedenfalls kein Massenphänomen, sondern eine sehr spezifische Erwerbsform für vereinzelte junge Menschen, häufig als Nebenbeschäftigung neben einem regulären Dienstverhältnis oder parallel zu einer (akademischen) Ausbildung. 80% der Unternehmen geben an, dass sich selbst in der Informationswirtschaft viele Inhalte schlicht nicht für die Fremdvergabe eignen (Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Arbeitswelt der Zukunft, 2016).

Soziale Absicherung gegeben - kein gesetzlicher Reglungsbedarf 

Crowdworker sind in Österreich – im Gegensatz zu anderen Ländern -  sowohl als Selbständige, als auch als Unselbständige sozial umfassend abgesichert. Selbständige sind voll in der SV erfasst (in Deutschland nicht!) und 90% haben Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn sie die Selbständigkeit aufgeben. Die Absicherung bei langer Krankheit wurde ebenso verbessert wie die Vereinbarkeit von Familie und Unternehmen. Zusätzlich wurde ein zukunftsweisendes Präventionsmodell für Selbständige in Österreich etabliert (die Halbierung des Selbstbehaltes). 

Auch jene, die keinen Gewerbeschein benötigen, um eine selbständige Tätigkeit über Werkverträge auszuführen, sind als neue Selbständige in die Sozialversicherung bei der SVA einbezogen. Eine weitere soziale Absicherung oder eine Ausweitung des Arbeitnehmerbegriffes ist daher nicht notwendig.

Neue Regelungen sind daher nicht nötig. Eine Regulierung von Crowdwork macht zudem aufgrund der Ortsungebundenheit der Crowdworker und Plattformen keinen Sinn. Bei strenger Regulierung würden die Plattformen sich einfach nicht in Ö ansiedeln bzw. keine Crowdworker aus Ö beschäftigen.

 

Dr. Ingomar Stupar

Stand: Dezember 2017

 

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