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Das bringen Handelsabkommen!

Factsheet der Wirtschaftskammer Österreich

Garant für Wohlstand und Schlüssel zu mehr Arbeitsplätzen

Als kleines Land mit knapp neun Millionen Einwohnern ist Österreich auf den Handel mit anderen Ländern angewiesen. Ein möglichst ungehinderter Zugang zu Auslandsmärkten ist für Konsumenten und Unternehmen gleichermaßen von entscheidender Bedeutung. Gerade in der jetzigen Situation ist es essenziell, über alle Kanäle Wachstumsimpulse zu erzeugen. Märkte müssen offengehalten und die Umsetzung von Regeln garantiert werden. Dazu tragen die EU-Handelsabkommen bei, indem sie helfen, den negativen Auswirkungen der Coronakrise entgegenzuwirken, Resilienz aufzubauen und Lieferketten zu diversifizieren und zu sichern. 38 % der exportierenden Unternehmen sind laut WKÖ-Wirtschaftsbarometer der Ansicht, dass eine Forcierung von Handelsabkommen ein wichtiger Impuls für die wirtschaftliche Erholung Österreichs ist.

Wie profitieren Unternehmen und Konsumenten vom Außenhandel?

Internationaler Handel ist für alle gut. Er bringt Konsumenten eine größere Auswahl an Produkten zu leistbaren Preisen, schafft neue Möglichkeiten für Produktionsprozesse und Dienstleistungen sowie Lieferketten und neue Arbeitsplätze. Internationaler Handel sichert den Zugang zu benötigten Rohstoffen zu fairen Preisen und hilft österreichischen Betrieben, wettbewerbsfähig zu bleiben. Internationaler Handel schafft bessere Regeln für ein besseres Leben.

39,5 % der Wertschöpfung

in Österreichs gewerblicher Wirtschaft werden durch Exporte von Waren und Dienstleistungen erwirtschaftet. Zusätzlich zu den Exportunternehmen im Waren- und Dienstleistungsbereich sind indirekt auch Zulieferbetriebe an Aufträgen durch Exporte beteiligt.

34,8 % der Arbeitsplätze

in Österreichs gewerblicher Wirtschaft werden durch Export-unternehmen gesichert.



Quelle: WKÖ-Schätzungen 


Praxisbeispiel: Fahrrad-Export 

Im Jahr 2020 hat Österreich 186.618 Fahrräder produziert. Ein wesentlicher Teil davon (ca. 97 %) wurde exportiert, u.a. nach Russland, Israel, Südafrika und nach Burkina Faso). Dies entspricht einem Exportvolumen in Höhe von rund 226 Mio. EUR. Für die Produktion dieser Fahrräder in Österreich mussten wesentliche Bestandteile aus dem Ausland importiert werden (rd. 81 Mio. EUR). Österreich ist daher bei der Produktion von Komplettfahrrädern wertmäßig zu ca. 34 % auf den Import von Fahrradbestandteilen aus dem Ausland angewiesen.

97 %

der im Jahr 2020 in Österreich produzierten Fahrräder wurden exportiert

Woher Fahrräder kommen
© WKÖ
Wie sieht die Struktur des österreichischen Exports aus?

WAREN

38,2 %  Maschinen, Fahrzeuge

20,2 %  Bearbeitete Waren

15,3 %  Chemische Erzeugnisse

11,3 %  Konsumnahe Fertigwaren

  6,2 %  Agrarwaren

  3,0 %  Roh-, Brennstoffe

DIENSTLEISTUNGEN (DL)

25,8 %  Sonstige unternehmensbezogene
Dienstleistungen (z.B. Forschung und Entwicklung, Rechts- und Wirtschaftsdienste, Werbung und Marktforschung, Steuerberatung, Recyling)

24,4 %  Transport

21,6 %  Reiseverkehr

13,6 %  EDV & Info-DL

  4,0 %  Finanzdienstleistungen

  3,1 %  Gebühren für Lohnveredelung


Quelle: Statistik Austria und OeNB (2020)

375.000 zusätzlicheArbeitsplätze und 21,1Prozent- Punkte zusätzliches BIP-Wachstumgab es in den 20 Jahren zwischen 1989 und 2019 aufgrund verstärkter Wirtschaftsintegration und Handelsabkommen in Österreich.

Zwischen 2014 und 2020 ist die Zahl der österreichischen Exporteure von 45.900 auf 62.700 Unternehmen gestiegen. Die im Warenexport tätigen Unternehmen sind laut Eurostat zu 97 % KMU und zu rund zwei Drittel Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern. Sie vertreiben ihre Fertig- und Zulieferprodukte beinahe weltweit und sorgen fürInvestitionen, Innovationen,WachstumundArbeitsplätze.DieOstöffnung 1989, der EU-Beitritt Österreichs 1995 und die Einführung des Euro 2002 öffneten den Weg zum Zugang der Vorteile von EU-Handelsabkommen für Österreich. Der Zugang zum EU-Binnenmarkt und zu Auslandsmärkten durch weniger Handelsbarrieren ermöglichten mehr Wertschöpfung in Österreich.

Quelle: Breuss (2013)

Nicht EU-Länder immer wichtiger für Österreichs Exporte

Drittländer wie USA, China, Russland, Indien, Brasilien oder die ASEAN-Staaten spielen eine immer wichtigere Rolle für Österreichs Außenhandel. In den letzten zehn Jahren stieg der österreichische Exportanteil in Drittländer von einem Viertel auf 32,4 %, gemessen an den Gesamtexporten Österreichs. Die österreichische Exportquote liegt seit Jahren bei über 50 %. Für 2021 soll diese laut WIFO-Prognosen 53 % betragen. Österreichs Anteil am Welthandel liegt knapp unter einem Prozent.

Mit einem besseren Zugang zu anderen Märkten – der auch mit weiteren Handelsabkommen erreicht wird – kann die österreichische Exportleistung weiter steigen und so Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze in Europa und Österreich schaffen bzw. sichern.

Österreichische Exportquote / Anteil an den Weltexporten 2000-2020

Österreichische Exportquote / Anteil an den Weltexporten 2000-2020
© WKÖ
Mit einem besseren Zugang zu anderen Märkten – der auch mit weiteren Handelsabkommen erreicht wird – kann die österreichische Exportleistung weiter steigen und so Wohlstand und Arbeitsplätze in Österreich und Europaschaffen bzw. sichern.

Warum brauchen wir Handelsabkommen?

Handelsabkommen bestimmen die Rahmenbedingungen für die internationalen Wirtschaftsaktivitäten der Unternehmen aus Österreich. Abkommen dienen dem Abbau von Zöllen und der Beseitigung von ungerechtfertigten bürokratischen Hürden im Handel. Um im Außenhandel auch künftig erfolgreich zu sein und so weiterhin Wohlstand und Arbeitsplätze in Österreich zu schaffen bzw. zu sichern, benötigen exportorientierte österreichische Unternehmen verbesserte Rahmenbedingungen auf ihren Exportmärkten. Internationale Handelsabkommen bieten diese durch:

  • Verbesserten Zugang zu Drittmärkten für Waren durch Abbau von Zöllen, ungerechtfertigten technischen Vorschriften (Normen und Standards) und Bürokratie
  • Verbesserten Marktzugang für Dienstleistungen in Drittländer
  • Verbesserten Marktzugang für Investitionen (Niederlassungen) in Drittländern
  • Verbesserten Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen in Drittländern
  • Vorhersehbarkeit (Reduktion der “Risiko”-Kosten) und Rechtssicherheit für Unternehmen aus Österreich
  • Besondere Berücksichtigung der Interessen von KMU
  • Nachhaltige und ressourcenschonende Wertschöpfungsketten für besseres Klima und saubere Umwelt
  • Zugang zu Rohstoffen und Energie zu fairen Preisen hilft österreichischen Betrieben, wettbewerbsfähig zu bleiben
  • Transparenz der Rechtsvorschriften der Drittländer, z.B. durch die Veröffentlichung oder den Austausch handelsrelevanter Vorschriften
  • Vereinfachungen von Zollverfahren
  • Schutz der geistigen Eigentumsrechte
  • Größere Auswahl an Produkten zu leistbaren Preisen für Konsumenten
  • Neue Möglichkeiten für Produktionsprozesse und Dienstleistungen sowie Lieferketten
  • Neue Arbeitsplätze – 3 % höhere Exporte bewirken 58.000 Jobs in drei Jahren
  • Besseres Leben in Europa und in Drittstaaten

Handelsabkommen bilden auch die Basis für die Exporterfolge österreichischer und europäischer Unternehmen. Von Handelsabkommen profitieren allerdings nicht nur die Direktexporteure österreichischer Waren und Dienstleistungen in Drittländer; oft werden österreichische Produkte in den EU-Mitgliedstaaten weiterverarbeitet und weltweit exportiert. Auch in den Zielländern werden neue Chancen, höhere Lebensqualität und neuer Wohlstand geschaffen. Konsumenten, Arbeitnehmer und Unternehmen in Österreich erleben gleichermaßen Vorteile durch Handelsabkommen.

Welche Arten von Handelsabkommen gibt es?

Mulilaterale Abkommen der WTO
© WKÖ
Multilaterale Abkommen der WTO

Diese Abkommen gelten für alle 164 Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation (WTO). Ihre Zielsetzung ist v.a. eine geregelte, schrittweise Öffnung der Märkte zwischen den WTO-Mitgliedern.

Plurilaterale Abkommen
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Plurilaterale Abkommen

Nur jene WTO-Länder, die diese Abkommen wollen, schließen ein Handelsabkommen z.B. über die gegenseitige Öffnung von Beschaffungsmärkten oder ihrer Märkte für Umweltgüter und
-dienstleistungen

Bilaterale EU-Handelsabkommen
© WKÖ
Bilaterale EU-Handelsabkommen

Die Präsenz von Unternehmen aus ihren Mitgliedstaaten auf wichtigen internationalen Märkten stärkt die EU mit bilateralen Handelsabkommen. Sie ergänzen das WTO-System durch Verbesserung der Rahmenbedingungen in wichtigen Schlüsselbereichen.

Mit welchen Ländern bestehen EU-Handelsabkommen?

Handelsabkommen mit Drittländern (nicht EU-Mitgliedstaaten) sind ein wichtiges Instrument der gemeinsamen EU-Handelspolitik.

Die EU hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten

46 Handelsabkommen mit 78 Drittstaaten

abgeschlossen und umgesetzt.

EU-Handelsabkommen
© WKÖ


In der jetzigen Situation ist es essenziell, über alle Kanäle Wachstumsimpulse zu erzeugen. Laufende Verhandlungen zum schrittweisen Ausbau des Marktzugangs und zur Modernisierung geltender Handelsregeln in der WTO und im Rahmen von plurilateralen oder bilateralen Handelsabkommen schaffen dafür die notwendigen Voraussetzungen.

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