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Das bringen Handelsabkommen!

Factsheet der Wirtschaftskammer Österreich

Garant für Wohlstand und Schlüssel zu mehr Arbeitsplätzen

Als kleines Land mit knapp neun Millionen Einwohnern ist Österreich auf den Handel mit anderen Ländern angewiesen. Ein möglichst ungehinderter Zugang zu Auslandsmärkten ist vor allem für Unternehmen und Konsumenten gleichermaßen von entscheidender Bedeutung. Es bestimmt die Möglichkeit, in neuen Märkten österreichische Waren und Dienstleistungen zu verkaufen, notwenigen Input für die Produktion in Österreich zu sichern, Bedürfnisse von Konsumenten zu decken und Nachhaltigkeit durch effektiven Ressourceneinsatz und Arbeitsteilung zu sichern.

Wie profitieren Unternehmen und Konsumenten vom Außenhandel?

Internationaler Handel ist für alle gut. Er bringt Konsumenten eine größere Auswahl an Produkten zu leistbaren Preisen, ermöglicht neue Produktion und Dienstleistungen und trägt zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei. Internationaler Handel sichert den Zugang zu benötigten Rohstoffen zu fairen Preisen und hilft österreichischen Betrieben, wettbewerbsfähig zu bleiben. Internationaler Handel schafft bessere Regeln für ein besseres Leben

35,2 % der österreichischen Wertschöpfung

werden laut der OECD durch Exporte von Waren und Dienstleistungen erwirtschaftet. Zusätzlich zu den Exportunternehmen im Waren- und Dienstleistungsbereich erhalten indirekt auch Zulieferbetriebe Aufträge durch Exporte.

34,5 % der Arbeitsplätze

in Österreichs gewerblicher Wirtschaft werden laut WKÖ-Schätzung durch Export-unternehmen gesichert.


Praxisbeispiel: Fahrrad-Export 

Im Jahr 2018 hat Österreich 162.300 Fahrräder produziert. Ein wesentlicher Teil davon
(ca. 84 %) wurde exportiert, u.a. in die EU, nach Russland, Israel, Südafrika und nach Burkina Faso. Dies entspricht einem Exportvolumen in Höhe von rd. 217 Mio. EUR. Für die Produktion dieser Fahrräder in Österreich mussten wesentliche Bestandteile aus dem Ausland importiert werden. Dazu gehören Elemente wie Rahmen, Gabeln, Felgen, Sättel, Pedale, Speichen sowie Bremsen und Ketten in Höhe von rd. 78 Mio. EUR. Österreich ist daher bei der Produktion von Komplettfahrrädern wertmäßig zu ca. 36 % auf den Import von Fahrradbestandteilen aus dem Ausland angewiesen.


84 %

der im Jahr 2018 in Österreich produzierten Fahrräder wurden exportiert.


Wie sieht die Struktur des österreichischen Exports aus?

WKÖ
© WKÖ

WAREN

40,1%  Maschinen, Fahrzeuge

21,9 % Bearbeitete Waren

13,3 % Chemische Erzeugnisse 11,3 %   Konsumnahe Fertigwaren  

5,4 %  Agrarwaren

3,3 % Roh-, Brennstoffe

WKÖ
© WKÖ

DIENSTLEISTUNGEN (DL)

30,9 %   Reiseverkehr

23,1 %   Transport

22,6 %   Sonstige unternehmensbezogene
Dienstleistungen

9,9 %   EDV & Info-DL

3,8 %   Finanzdienstleistungen

2,6 %   Gebühren für Lohnveredelung

1,9 %   Patente, Lizenzen, etc.

1,4 %   Bauleistungen

1,3 %    Reparaturdienstleistungen


Quelle: Statistik Austria und OeNB

375.000 zusätzliche Arbeitsplätze und 21,1Prozent-Punkte zusätzliches BIP-Wachstum gibt es seit 1989 aufgrund verstärkter Wirtschaftsintegration und Handelsabkommen in Österreich.

Zwischen 2014 und 2018 ist die Zahl der österreichischen Exporteure von 45.900 auf 61.000 Unternehmen gestiegen. Die im Warenexport tätigen Unternehmen sind laut Eurostat zu 96 % KMU und zu rund zwei Drittel Kleinstunternehmen mit weniger als neun Mitarbeitern. Sie vertreiben ihre Fertig- und Zulieferprodukte beinahe weltweit und sorgen für Investitionen, Innovationen, Wachstum und Arbeitsplätze. Die Ostöffnung 1989, der EU-Beitritt Österreichs 1995 und die Einführung des Euro 2002 öffneten den Weg zum Zugang der Vorteile von EU-Handelsabkommen für Österreich. Der Zugang zum EU-Binnenmarkt und zu Auslandsmärkten durch weniger Handelsbarrieren ermöglichten mehr Wertschöpfung in Österreich.

Quelle: Breuss (2013)

Nicht EU-Länder immer wichtiger für Österreichs Exporte

Drittländer wie USA, China, Brasilien, Russland, Indien, Südafrika oder die ASEAN-Staaten spielen eine immer wichtigere Rolle für Österreichs Außenhandel. In den letzten zehn Jahren stieg der österreichische Exportanteil in Drittländer von 26,5% auf 30,1 % gemessen an den Gesamtexporten Österreichs. Die österreichische Exportquote hat sich in den letzten beiden Jahren leicht verbessert und stieg auf 55 % des BIP. Österreichs Anteil am Welthandel liegt knapp unter einem Prozent.

WKÖ
© WKÖ

Mit einem besseren Zugang zu anderen Märkten – der auch mit weiteren Handelsabkommen erreicht wird – kann die österreichische Exportleistung weiter steigen und so Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze in Europa und Österreich schaffen bzw. sichern.

Warum brauchen wir Handelsabkommen?

Handelsabkommen bestimmen die Rahmenbedingungen für die internationalen Wirtschaftsaktivitäten der Unternehmen aus Österreich. Abkommen dienen dem Abbau von Zöllen und der Beseitigung von ungerechtfertigten bürokratischen Hürden im Handel. Um im Außenhandel auch künftig erfolgreich zu sein und so weiterhin Wohlstand und Arbeitsplätze in Österreich zu schaffen bzw. zu sichern, benötigen exportorientierte österreichische Unternehmen verbesserte Rahmenbedingungen auf ihren Exportmärkten. Internationale Handelsabkommen bieten diese durch:

  • Verbesserten Zugang zu Drittmärkten für Waren durch Abbau von Zöllen, ungerechtfertigten technischen Vorschriften (Normen und Standards) und Bürokratie
  • Verbesserten Marktzugang für Dienstleistungen in Drittländer
  • Verbesserten Marktzugang für Investitionen (Niederlassungen) in Drittländern
  • Verbesserten Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen in Drittländern
  • Vorhersehbarkeit (Reduktion der “Risiko”-Kosten) und Rechtssicherheit für Unternehmen aus Österreich
  • Besondere Berücksichtigung der Interessen von KMU
  • Nachhaltige und ressourcenschonende Wertschöpfungsketten für besseres Klima und saubere Umwelt
  • Zugang zu Rohstoffen und Energie
  • Transparenz der Rechtsvorschriften der Drittländer, z.B. durch die Veröffentlichung oder den Austausch handelsrelevanter Vorschriften
  • Vereinfachungen von Zollverfahren
  • Schutz der geistigen Eigentumsrechte
  • Schutz der österreichischen Investitionen in Drittländern, z.B. vor staatlicher Enteignung oder Diskriminierung
Icons Warum brauchen wir Handelsabkommen

Welche Arten von Handelsabkommen gibt es?

Weltkugel

Multilaterale Abkommen der WTO

Diese Abkommen gelten für alle 164 Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation (WTO). Ihre Zielsetzung ist v.a. eine geregelte, schrittweise Öffnung der Märkte zwischen den WTO-Mitgliedern.

Mitarbeiter

Plurilaterale Abkommen

Nur jene WTO-Länder, die diese Abkommen wollen, schließen ein Handelsabkommen z.B. über den Zollabbau von High-Tech-Produkten oder einigen sich über die gegenseitige Öffnung von Beschaffungsmärkten.

Euro Pfeile

Bilaterale EU-Handelsabkommen

Die Präsenz von Unternehmen aus ihren Mitgliedstaaten auf wichtigen internationalen Märkten stärkt die EU mit bilateralen Handels-abkommen. Sie ergänzen das WTO-System durch Verbesserung der Rahmenbedingungen in wichtigen Schlüsselbereichen.

Mit welchen Ländern bestehen EU-Handelsabkommen?

Handelsabkommen mit Drittländern (nicht EU-Mitgliedstaaten) sind ein wichtiges Instrument der gemeinsamen EU-Handelspolitik. Sie verbessern die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für international tätige österreichische und europäische Unternehmen, damit diese im Ausland erfolgreich sein können. Von Handelsabkommen profitieren allerdings nicht nur die Direktexporteure österreichischer Waren und Dienstleistungen in Drittländer; oft werden österreichische Produkte in den EU-Mitgliedstaaten weiterverarbeitet und weltweit exportiert. Auch in den Zielländern werden neue Chancen und neuer Wohlstand geschaffen und Konsumenten, Arbeitnehmer und Unternehmen in Österreich haben ebenfalls Vorteile durch Handelsabkommen.

Gerade in Zeiten des drohenden Protektionismus wird es umso wichtiger, die internationale Kooperation mit wichtigen bzw. neuen Handelspartnern aufrechtzuerhalten und zu stärken. Laufende Verhandlungen zum schrittweisen Ausbau des Marktzugangs und zur Modernisierung geltender Handelsregeln in der WTO und im Rahmen von plurilateralen oder bilateralen Handelsabkommen schaffen dafür die notwendigen Voraussetzungen.


WKÖ
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  1. Südafrika hat mit der EU sowohl ein Abkommen über Handel, Entwicklung und Zusammenarbeit (Trade, Development and Cooperation Agreement, TDCA) als auch ein Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Economic Partnership Agreement, EPA) als Teil des SADC (Southern African Development Community) abgeschlossen. Durch das EPA EU-SADC werden die auf Basis des TDCA bestehenden Vorzugsbestimmungen für Südafrika ergänzt und Südafrika ein verbesserter Marktzugang in die EU gewährt.




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