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Türkei: Krisenmodus statt Wirtschaftswunder

Die Türkei steht vor einer Richtungswahl. Eine Hyperinflation lässt den Wirtschaftsmotor stottern und den Unmut steigen.

Blick auf Istanbul und die Sultan-Ahmed-Moschee
© Adobe Stock/Boris Stroujko Die Wirtschaftsmetropole Istanbul fungiert als Drehscheibe zwischen den Märkten in Europa und Asien.

Der Wahltermin naht, die Versprechen werden vollmundiger: eine Superschnellzugverbindung zwischen Ankara und Istanbul, großzügige Lohn- und Rentenerhöhungen um bis zu 55 Prozent, millionenschwere Hilfsprogramme für die Erdbebengebiete, dazu Bilderfluten von Prestigeprojekten wie der Vorstellung des ersten Flugzeugträgers und ersten Atomkraftwerks des Landes. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan poliert in der Schlussphase des Wahlkampfs für die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 14. Mai sein Macherimage. Ob es für einen erneuten Wahlsieg reichen wird, gilt als unsicher. Sechs Parteien haben sich zu einem Oppositionsblock vereint, dem gute Chancen eingeräumt werden, den Langzeitpräsidenten von der Spitze des 85-Millionen-Einwohner-Staates zu stoßen. Es wäre eine Zeitenwende. 

Erdogan regiert seit zwanzig Jahren in einem zunehmend autokratischen und populistischen Stil. Nach anfänglichen wirtschaftlichen Erfolgsflügen ist das Land am Bosporus mittlerweile in einer Krise gelandet. Eine Inflation, die seit Anfang des Vorjahres von schon hohen 36 auf bis zu 85 Prozent explodiert ist und sich nur langsam wieder erholt, wuchernde Korruption und Missmanagement haben das Wirtschaftswunder der 2000er-Jahre verblühen lassen. Damals verdreifachten sich dank umfassender Reformen die Einkommen, die Türkei öffnete sich Richtung EU und rückte in den Kreis der zwanzig mächtigsten Wirtschaftsmächte auf. 

Eva Maria Weithaler
© Stephan Huger Eva Maria Weithaler
„Die Türkei fungiert als Brücke zu den Märkten im Nahen Osten, in Zentralasien und auch Afrika. Die Wachstumsaussichten sind gut.“
Eva Maria Weithaler, stv. Wirtschaftsdelegierte Istanbul


Corona-Profiteur

Auch demografisch wäre alles angerichtet, denn während westeuropäische Länder  unter einer zunehmenden Überalterung und Arbeitskräftemangel leiden, liegt der Anteil der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter in der Türkei bei 68 Prozent. Zudem konnte  man sich während der pandemiebedingten Lieferengpässe aus Asien als Alternativproduzent positionieren. Aktuell profitiert die Türkei davon, dass viele Unternehmen aus der EU in die Türkei ausweichen, um das verlorene Geschäft mit Russland und der Ukraine auszugleichen. All das wäre ein stabiles Fundament für ein Fortschreiben des Wirtschaftswunders. Stattdessen stottert der Motor. Im Windschatten der Hyperinflation sackt die Währung ab, schwächelt das Bildungssystem, wenden sich ausländische Investoren ab. Und dann bebte Anfang Februar auch noch die Erde und brachte menschliches Leid und massive Zerstörungen. Aus den Trümmern der rund 520.000 zerstörten Haushalte wurden mehr als 50.000 Tote geborgen. Der durch das Beben entstandene Schaden von 100 Milliarden Euro drückt die Wirtschaftsleistung weiter. Heuer wird ein Plus von nur 2,8 Prozent prognostiziert.

Trotz dieser Turbulenzen und der politisch oft angespannten Situation mit Österreich seien die Chancen für heimische Unternehmen mittel- bis langfristig aber gut, beruhigt Eva Maria Weithaler, stellvertretende Wirtschaftsdelegierte in Istanbul. 

  • 25,7 Prozent Plus verzeichneten die türkischen Exporte nach Österreich im Jahr 2022. Die Importe aus Österreich stiegen um 21 Prozent.
  • 21 Lira kostet ein Euro derzeit. Noch vor zwei Jahren lag der Wechselkurs der türkischen Währung bei knapp neun Lira für einen Euro.
  • 5,6 Prozent betrug das türkische Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr. 2021 lag das BIP-Wachstum noch bei 11,4 Prozent.

Marktchancen für Energie-Know-how und Paketzusteller am Bosporus

Die österreichisch-türkischen Beziehungen waren und sind auf politischer Ebene nicht immer ganz wolkenlos, wirtschaftlich aber strahlt die Sonne. So lag Österreich bei den Auslandsinvestoren in der Türkei im Zeitraum zwischen 2002 und 2022 an sechster Stelle. Allein im vergangenen Jahr wuchs das heimische Exportvolumen um 21 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro.  

Steirische Unternehmen mit eigenen Niederlassungen vor Ort sind unter anderem voestalpine Railway Systems, Anton Paar, Nahtec Nahwärmetechnologie sowie die Andritz AG, AVL List, Boehlerit und RHI Magnesita. „Die Türkei hat eine junge, relativ gut ausgebildete Bevölkerung und vor allem auch unternehmerisch denkende Menschen“, wirbt Eva Maria Weithaler vom WKO-Außenwirtschaftscenter in Istanbul. Potenzial gibt es vor allem in den Bereichen erneuerbare Energien, Umwelt- und Abfallwirtschaft, in der chemischen Industrie und Automobilindustrie. Zuletzt erwirtschaftete die österreichische Post AG zehn Prozent ihres Umsatzes von 2,5 Milliarden Euro mit ihrer türkischen Pakettochter Aras Kargo: 200 Millionen Pakete wurden transportiert. 



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