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Ziel: Die eigene Chefin sein

Die Anzahl der von Frauen geführten Unternehmen wächst stetig. Sie sind in vielen Branchen erfolgreich. Was es jetzt noch braucht, ist mehr Mut zum Geld.

Gabriela Colic, CEO von „Klarsicht.online”.
© David Gevorkian Gabriela Colic, CEO von „Klarsicht.online”.

Bereits in der Schule beschloss Gabriela Colic, später einmal selbstständig tätig zu sein. „Ich nahm damals an einer Projektwoche teil, wo Manager ihre Berufe gezeigt haben. Ich habe Meetings und Präsentationen gemacht. Das hat etwas in mir ausgelöst, ich wollte meine eigene Chefin werden”, erzählt Gabriela Colic. Jahre später hat sie es wahrgemacht. Sie gründete im Vorjahr „klarsicht.online”, eine Plattform, auf der Optiker ihr lokales Sortiment überregional anbieten können. Damit hat sie ein Bindeglied geschaffen zwischen dem Online-Handel und der stationären Beratung. Optiker können die Plattform nutzen, statt einen eigenen Webshop zu erstellen. Darüber hinaus hat sie im Sinne der Nachhaltigkeit ein Mehrweg-Versandsystem entwickelt, um Müll zu reduzieren. Sie setzt auf geteilte Wirtschaft: Man bestellt die Brillenfassung online und macht bei einem Optiker in der Nähe einen Servicetermin, der das Glas dazu verkauft. „Alle Brillen sollen durch die Hände eines Meisteroptikers gehen”, sagt die Unternehmerin.

„Frauen brauchen viel Durchhaltevermögen, um gehört zu werden. ”
Karin Schubert, Geschäftsführerin Spedition Kridtner

Finanzthemen sind keine Komfortzone

„Ich denke, Frauen sind sehr emotional in dem, was sie machen. Mir ist wichtig, dass man die Message meines Unternehmens versteht. Nach Geld zu fragen, war mir unangenehm”, erzählt Colic. Sie verließ hier ihre Komfortzone ganz bewusst, erkundigte sich etwa bei der Kammer oder den Female Founders nach Förderungen und Wegen zum Investment. Bis jetzt ist das Unternehmen komplett eigenständig finanziert. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner setzt sie nun auf Investoren für das Wachstum, denn diese seien Start-ups gegenüber offener als Banken. „Die Vorbereitungen und ersten Gespräche sind sehr anstrengend, stressig. Aber es wird mit jedem Mal besser. Ich finde es gut, wenn man sich dem Auf und Ab stellen muss, es ist in Ordnung und gehört dazu, dass man sich mal nicht wohlfühlt”, erzählt die Gründerin. Für sie war der Schritt in die Selbstständigkeit ein Schritt zu Gleichstellung, für die sie sich einsetzt. „Ich kann nicht die ganze Welt verändern, aber ich kann sagen, dass es in meinem Betrieb keinen Gender Pay Gap geben wird. Wir Start-ups sollten nicht nur innovativ in Projekten denken, sondern auch innovativ mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgehen.” Am 8. März, dem Weltfrauentag, wird sie zwei Optikerinnen ihrer Plattform vor den Vorhang holen. „Ich glaube, wir haben eine Umbruchstimmung. Die Augen sind auf die Frauen gerichtet. Wir müssen den Mut haben, an unsere Ideen glauben und über mehr Finanzen reden.” Sie sei froh, dass hier jetzt so viel Info für Frauen geboten wird. „Unternehmerinnen müssen wissen, wie man investiert, sodass man später ruhig in Pension gehen kann”, so Colic.

Gender Pay Gap bei Selbstständigen

Der Einkommensbericht 2020 des Rechnungshofs weist aus, dass selbstständige Frauen bis zu 40 Prozent weniger verdienen als selbstständige Männer. Gründe dafür sind, dass Unternehmerinnen mehrheitlich in Branchen mit geringeren Einkommensmöglichkeiten arbeiten, wie etwa im Gewerbe & Handwerk oder im Handel. Viele arbeiten auch in Mischverhältnissen, sind Unternehmerinnen im Nebenberuf. Doch nicht alle Gründe für den Einkommensunterschied sind strukturell bedingt. „Wir wissen aus vielen Gesprächen, dass Frauen oft unentgeltlich arbeiten, dass sie viel in den Betrieb stecken und sich selbst weniger auszahlen, dass sie unsicher sind und einen zu geringen Stundensatz verlangen”, sagt Margarete Kriz-Zwittkovits, Vorsitzende von „Frau in der Wirtschaft” (FiW) Wien. Eine Umfrage des Netzwerks der Wirtschaftskammer Wien ergab, dass sich Frauen in Sachen Investitionen zumindest unwohl fühlen. Ein Drittel gab an, gar nicht zu investieren. Jene, die es tun, setzen eher auf Sparbuch und Bausparer als auf risikoreichere und damit auch ertragreichere Investitionen. Daher setzt „Frau in der Wirtschaft” schon das zweite Jahr in Folge auf das Motto #Mut zum Geld und auf ein Feuerwerk an Informationen zum Thema Finanzen. Von der Sicherung der Liquidität über Kennzahlen bis zur Pensionsvorsorge. „Die Finanzen selbst im Griff zu haben ist einer der wichtigsten Schritte in die Unabhängigkeit”, weiß Kriz-Zwittkovits. Nicht zuletzt deshalb setzt sich das Netzwerk dafür ein, dass Finanzwissen schon möglichst früh an alle Kinder und Jugendlichen vermittelt wird.

In jeder Domäne erfolgreich

„Kinder kommen nicht mit einem bestimmten Rollenverhalten auf die Welt. Mädchen können in technischen Berufen sehr erfolgreich sein und mehr verdienen”, so Kriz-Zwittkovits. Daher will FiW mit Hilfe von Vorbildern Mädchen motivieren, Berufe zu ergreifen, in denen heute immer noch mehr Männer als Frauen anzutreffen sind. Eines dieser Vorbilder ist Karin Schubert. Sie führt in der fünften Generation die Spedition Kridtner. Der Transportbetrieb ist spezialisiert auf Möbeltransporte und Übersiedlungen. „Unsere Kunden wollen nicht mehr selbst alles organisieren, übertragen unserem Unternehmen die Verantwortung und verlassen sich auf unsere fachmännische Arbeit”, so Schubert. „Durch dieses Verhältnis zu den Kunden und die persönliche Betreuung ist es möglich, unsere Stammkunden zu halten und Neukunden zu akquirieren.” Seit den 1980-er Jahren arbeitet sie im Familienbetrieb. 1994 übernahm sie die Spedition von ihrer Mutter und damit auch die Geschäftsführung. Seit der Übernahme dieser Position hat sie schon viele Höhen und Tiefen erlebt und alles gemeistert. „Meine Mutter hat mir etwas Wesentliches mitgegeben: Schau, dass es allen Mitarbeitern gut geht, aber schaffe dir auch immer einen finanziellen Polster”, erzählt sie. Auch eine willensstarke, aber auch manchmal resolute Durch- und Umsetzung bei der Personalführung in der immer noch männerdominierenden Transportbranche ist nach wie vor eine Herausforderung für weibliche Unternehmensführung. Daran hat sie sich gehalten und daher wusste sie, dass trotz der Corona-Krise das Weiterbestehen der Firma gesichert ist und damit auch die finanzielle Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern. Sie schafft es bis heute.

Selbstbewusster Auftritt entscheidet

„Den Betrieben wird viel abverlangt. Vor ein paar Jahren die Auflage der Datenschutzgrundverordung, jetzt die neue Parkraumbewirtschaftung und der akute Fachkräftemangel. Da braucht man viel Durchhaltevermögen. Als Frau besonders. Obwohl man als Frau inhaltlich und fachlich dasselbe vermitteln möchte wie ein Mann, wird in den meisten Fällen einem männlichen Vorgesetzten eher zugehört und das Gehörte umgesetzt. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht geändert”, sagt Schubert. Selbstbewusstes Auftreten ist angesagt. Karin Schubert ist überzeugt, dass Frauen selbstbewusst auftreten müssen. Speziell bei Vertragsgesprächen, wie mit Banken, Firmen und auch Geschäftspartnern. Ihr Erfolgsrezept: Ein kompetentes und ausdruckstarkes Auftreten - persönlich, auf der Homepage oder in den Sozialen Medien. Sie setzt darüber hinaus auf einen Mix aus jungen und älteren Mitarbeitern, die einander gut ergänzen, wo jeder seine Stärken einbringt und jeder von jedem lernt. Die Akquise und Kundenpflege sei einer der wichtigsten Teile der Arbeit. „Ich möchte, dass jede Email so schnell wie möglich beantwortet wird”, sagt Schubert, denn der Konkurrenzkampf ist enorm. Sie wird ihren Betrieb einmal an ihren Sohn übergeben, der sich bei einem internationalen Transportunternehmen darauf vorbereitet. Welche Tipps sie ihm und angehenden Selbstständigen mit auf den Weg geben wird? „Ich glaube, dass Frauen feinfühliger sind, nicht so sehr mit dem Kopf durch die Wand wollen”, sagt Schubert. Wie am Ende allerdings die Entscheidungen auch zustande kommen, die man trifft: „Man muss dazu stehen und sich persönlich dafür einsetzen, damit letztendlich alles gut ausgeht“, weiß die erfahrene Unternehmerin. 

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© FIW/WKW

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