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Wir haben viel erreicht und wir haben viel vor

Mit der Öffnung der Anrainerparkzonen für den Wirtschaftsverkehr, einem neuen Börsensegment für Klein- und Mittelbetriebe, dem geplanten Bau einer Mega-Arena in Wien, der Position Standortanwalt und einigem mehr wurden viele Forderungen der Wirtschaftskammer Wien umgesetzt.

Erfolge
© Florian Wieser

„Unsere Beharrlichkeit und Beständigkeit hat sich ausgezahlt. Das ist für uns Ansporn und Auftrag, denn im globalen Wettbewerb muss sich der Wirtschaftsstandort Wien laufend verbessern”, sagte Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck bei der Präsentation des aktuellen WK Wien-Programms. Besonders wichtig sei dabei der Ausgleich zwischen heimischen Unternehmen und internationalen Online-Konzernen:

„Für alle Marktteilnehmer müssen die gleichen Rechte und Pflichten gelten. Wer in Österreich Geschäfte macht, soll auch in Österreich Steuern abliefern”
Walter Ruck

Ein weiterer Schwerpunkt ist heuer die Steuerpolitik. „Wir brauchen eine solide Steuerreform auch für Unternehmen. Eine schnelle Senkung der Körperschaftsteuer (KöSt) ist ein Gebot der Stunde, denn unsere Unternehmen sind im internationalen Vergleich benachteiligt. Wichtig wäre, dass die Regierung ihre Steuervorhaben für die Wirtschaft rasch konkretisiert, auch im Sinne der Planbarkeit.” Eine KöSt-Senkung schon ab dem Jahr 2020 statt 2022 würde in Wien einen Wertschöpfungseffekt von 470 Millionen Euro auslösen, wenn der Steuersatz von derzeit 25 Prozent auf 19 Prozent gesenkt wird. Auch im Bereich Bildung und Ausbildung sieht Ruck Handlungsbedarf: „Wir müssen mehr junge Menschen für Wirtschaft und Technik begeistern, vor allem auch Frauen, damit unsere Unternehmen die Arbeitskräfte bekommen, die sie benötigen.”

Bildung und Digitalisierung

Wiens Industrie konnte 2018 mehr als 600 Lehrstellen nicht besetzen, weil das Bildungsniveau der Bewerber nicht ausreichte. Wenig überraschend fordert Stefan Ehrlich-Adám, Obmann der Sparte Industrie der WK Wien, die Politik daher auf, endlich für einheitliche Bildungsstandards zu sorgen.

„Es muss sichergestellt werden, dass alle Jugendlichen, die das Schulsystem verlassen, über Mindestkompetenzen in Rechnen, Lesen und Schreiben verfügen, damit die Berufsausbildung darauf aufbauen kann.”
Stefan Ehrlich-Adám

Für die Industrie wichtig wäre auch ein stärkerer Fokus auf die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Die Industrie werde sich zudem für Verwaltungsvereinfachungen durch z.B. digitale Plattformen einsetzen, so Ehrlich-Adám.

Eventboard und Seilbahn für Wien

Markus Grießler, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der WK Wien, will die Weiterentwicklung der Eventstadt Wien durch neue Sportstätten und Sportevents vorantreiben.

„Dazu braucht es die Etablierung eines Eventboards, das neue Events nach Wien holt, und sich um die Vereinfachung der Anmeldemodalitäten kümmert.”
Markus Grießler

Das harmonische Miteinander zwischen Wienern und Touristen müsse erhalten werden. „Daher muss man jetzt Konzepte für eine Entzerrung der Touristenströme erstellen und neue Attraktionen für Touristen etablieren. Die Platzierung der neuen Eventhalle in St. Marx ist ein Schritt in die richtige Richtung”, sagt Grießler.
Auch der Kahlenberg könnte durch den Bau einer Seilbahn für Touristen interessant
werden.

Vom Lehrling zum Unternehmer

„Wir wollen weiter zeigen, dass die Lehre und die Ausbildung zur Fachkraft nicht nur die eigene Zukunft als Angestellter sichern, sondern auch die Basis für die Ausbildung zum Meister und damit zum Unternehmertum ist. Und dass diese fundierte Ausbildung der Grund für die hohe Qualität der Wiener Gewerbe- und Handwerksbetriebe ist”, sagt Maria Smodics-Neumann, Obfrau der Sparte Gewerbe und Handwerk und Abgeordnete zum Nationalrat. Auch die Chancen der Digitalisierung im Handwerk habe sie im Fokus. 

„Das Internet gibt uns neue Möglichkeiten in der Werbung, der Kommunikation und auch in der Produktion selbst. Wir werden daher für jede Branche die besten Wege zeigen, diese Chancen zu nutzen und die richtigen Anwendungen zu finden.”
Maria Smodics-Neumann

Fairness auf Wiens Straßen

„Auf Wiens Straßen muss Fairness herrschen”, sagt Davor Sertic, Obmann der Sparte Transport und Verkehr der WK Wien. 

„Wir arbeiten daher gemeinsam mit dem Verkehrsministerium an einer Novellierung des Gelegenheitsverkehrsgesetzes.”
Davor Sertic

Uber erbringt und vermittelt zwar Taxileistungen, hält sich aber nicht an grundlegende Rahmenbedingungen - beispielsweise an keine Tarifpflicht. „Hier muss sich schnellstmöglich etwas ändern”, fordert Sertic. Noch im Frühjahr sollen Ergebnisse präsentiert werden. Sertic will sich auch weiter für einen modernen Fernbusterminal einsetzen. „Alleine beim Fernbusterminal in Erdberg kommen mehr Passagiere an als am Salzburger Flughafen.” Daher müsse jetzt in Infrastruktur investiert werden, fordert Sertic.

Internetriesen hier besteuern

Die Digitalisierung verändert das Einkaufsverhalten massiv, betont Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel der WK Wien. Der Online-Handel sei ein Faktum und nicht zu verteufeln, allerdings fordert Trefelik faire Wettbewerbsbedingungen. „Die Ungleichbehandlung des stationären Handels gegenüber den großen Internetkonzernen muss ein Ende haben”, fordert Rainer Trefelik,

„Globale Internetriesen, die in Österreich werben und verkaufen, sollen auch hier ihre Steuern zahlen. Immerhin stehen zehntausende Jobs auf dem Spiel.”
Rainer Trefelik

Auch bei der Nutzung des öffentlichen Raums müsse mehr auf die Interessen des Handels geachtet werden - sei es bei Radwegen, Chaos durch E-Scooter oder Sperren wegen Demonstrationen. Denn: „Wo regionale Geschäfte verschwinden, verödet die Stadt.”

Breitband und mehr MINT

Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information und Consulting der WK Wien, setzt seine Schwerunkte in den Bereichen Infrastruktur und IT-Ausbildung.

„Bei der Versorgung mit schnellem Internet gibt es noch immer weiße Flecken in Wien - vor allem in den Randbezirken wo viele Betriebe angesiedelt sind”
Martin Heimhilcher,

„Rascher Ausbau des Breitbandnetzes sowohl über Glasfaser als auch über 5G ist ein Gebot der Stunde, den ohne schnelles Internet gibt es keine Digitalisierung”, sagt Heimhilcher. Handlungsbedarf sieht er auch bei IT-Fachkräften. Branchenübergreifend fehlen in Österreich 10.000 IT-Fachkräfte, ein Großteil davon in Wien. Davon besonders betroffen sind auch die mehr als 12.000 Wiener IT-Unternehmen.



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