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Wir brauchen auch in Zukunft Fachkräfte

Aktuell liegen die Lehrlingszahlen noch leicht über Vorjahresniveau. Wie sich die Corona-Krise aber letztlich auf den Wiener Lehrstellenmarkt auswirken wird, ist noch nicht abzusehen. Fest steht: Ausbildungsbetriebe brauchen jetzt volle Unterstützung, um ihre wichtige Arbeit fortsetzen zu können. 

Elisabeth Assad (l.) und Manfred Helnwein (r.), Restaurantleiter im „Klee am Hanslteich”. Lehrlinge gehören hier fix zum Team.
© Florian Wieser Elisabeth Assad (l.) und Manfred Helnwein (r.), Restaurantleiter im „Klee am Hanslteich”. Lehrlinge gehören hier fix zum Team.

So hatte sich die Eventbranche das wohl nicht vorgestellt: Im Februar wurde die Schaffung des neuen Lehrberufs Eventkaufmann mit 1. Mai als „Meilenstein in der Professionalisierung der Branche” bejubelt. Dann kam Corona und brachte die gesamte Branche zum Erliegen - de facto bis heute. Betriebe, die die neue Lehrausbildung gefordert und auf sie gewartet hatten, kämpfen jetzt um ihre Existenz. An die Nachwuchsausbildung ist derzeit nicht zu denken. Bis dato gibt es in Wien keinen einzigen angehenden Eventkaufmann. Von der Eventbranche alleine - die sicher zu den am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Wirtschaftszweigen zählt - lässt sich zwar nicht auf die generelle Lehrstellensituation schließen. Dass das Virus aber Spuren auf dem Lehrstellenmarkt hinterlässt, ist aber unbestritten. Wie sehr, lässt sich wohl erst im Herbst genauer sagen. Denn der wochenlange Stillstand ab Mitte März hat auch Bewerbungs- und Recruitingprozesse verzögert, wie auch aus dem BiWi - dem Berufsinformationszentrum der Wirtschaftskammer Wien - berichtet wird

Ausbildungsbetriebe brauchen jetzt Unterstützung.”
Walter Ruck

Ende Juli lagen die Lehrlingszahlen in den Wiener Betrieben noch leicht über jenen des Vorjahresmonats. Gleichzeitig hat sich aber die Lehrstellenlücke deutlich vergrößert: Das Arbeitsmarktservice Wien hatte zu diesem Zeitpunkt um ein Drittel weniger offene Lehrstellen, aber um 20 Prozent mehr Lehrstellensuchende registriert als vor einem Jahr. Einer der Gründe dafür ist, dass Lehrstellen in Handels- und Tourismusbetrieben in Wien eine wichtige Rolle spielen, diese Sektoren hier aber von Corona stärker betroffen sind als in anderen Bundesländern, weil das Fehlen der Touristen entscheidend ist für ihre Geschäftslage.  Auch gibt es in Wien demographisch bedingt einen höheren Anteil an Jugendlichen, die Ausbildungsplätze suchen.

Lehrlinge von heute sind die Fachkräfte von morgen

Rückmeldungen aus den Wiener Ausbildungsbetrieben zeigen jedenfalls kein einheitliches Bild, was ihre Kurzfrist-Pläne in Sachen dualer Ausbildung anbelangt: Jenen Unternehmen, die heuer weniger Lehrlinge als sonst aufnehmen wollen, stehen annähernd gleich viele gegenüber, die die Zahl ihrer Lehrplätze heuer sogar aufstocken wollen. Der überwiegende Teil der Wiener Betriebe dürfte seine Ausbildungsintensität trotz Corona unverändert beibehalten. Als Ausbildungsanreiz hat die Regierung einen neuen Lehrlingsbonus geschaffen: Betriebe erhalten 2000 Euro für jeden seit Mitte März neu aufgenommenen Lehrling, Kleinbetriebe zusätzlich einen Aufschlag. Ein Zeichen der Anerkennung und Motivation, das vor allem für kleine und mittlere Ausbildungsbetriebe wichtig ist, sagt Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien. „Die Nachwuchsausbildung gehört zu den Grundfesten der Wirtschaft. Ich appelliere an die Wiener Unternehmen, jetzt dranzubleiben. Denn die Lehrlinge von heute sind die Fachkräfte von morgen, und diese braucht die Wirtschaft auch in Zukunft.”

Legen Wert darauf, die Jugend zu unterstützen

Das „Klee am Hanslteich” ist ein beliebtes Ausflugsrestaurant am Hernalser Stadtrand zum Wienerwald. Geführt wird es von den Brüdern Werner und Manfred Helnwein, unterstützt von ihrer Schwester Elisabeth Assad. „Wir haben immer Lehrlinge gehabt, weil wir Wert darauf legen, junge Menschen zu unterstützen”, sagt sie. Wegen Corona heuer von diesem Prinzip abzugehen, wurde gar nicht in Betracht gezogen - auch wenn es derzeit nicht einfach sei für die Branche, wie Assad einräumt.Insgesamt 19 Lehrlinge erhalten derzeit im Klee und in der Spelunke, einem weiterem Lokal unter Führung der Gastro-Geschwister, eine Ausbildung als Koch, Servicefachkraft oder Konditor. Alleine seit dem Lockdown wurden in beiden Lokalen fünf neue Lehrlinge aufgenommen, und man sei immer auf der Suche nach weiteren, sagt Assad. Jugendliche zu finden, die in der Gastronomie eine Lehre machen wollen und dann auch durchhalten, sei nämlich nicht leicht. „Wir haben eine ständige Anzeige beim AMS für Jugendliche”, so Assad. Auch Mundpropaganda helfe. Im Betrieb werde darauf geachtet, die Lehrlinge von Beginn an gut zu schulen und in den Betrieb einzubinden, „damit sie bald eine tragende Rolle spielen können. Das ist für beide Seiten effizient”, findet Assad.

Duale Ausbildung ist Mehrwert für den Betrieb

Britta Schindler, Ausbildungsverantwortliche bei A1 Telekom Austria (M.), mit vier der insgesamt 15 Jugendlichen, die am Montag im Unternehmen ihre Lehrausbildung zum Einzelhandels- oder E-Commerce-Kaufmann begonnen haben
© Florian Wieser Britta Schindler, Ausbildungsverantwortliche bei A1 Telekom Austria (M.), mit vier der insgesamt 15 Jugendlichen, die am Montag im Unternehmen ihre Lehrausbildung zum Einzelhandels- oder E-Commerce-Kaufmann begonnen haben

Lehrlingsausbildung hat bei A1 Telekom Austria eine acht Jahrzehnte dauernde Geschichte, sagt Alfred Mahringer, Personalchef des Kommunikationsanbieters. „Wir sehen im dualen Ausbildungssystem einen großen Mehrwert für unseren Betrieb.” Mahringer weiß besonders gut, wovon er spricht, hat er doch selbst seine Karriere bei A1 Telekom Austria als Techniklehrling begonnen. Das Unternehmen bildet 130 Jugendliche zu Fachkräften aus - in den Berufen Elektronik (Schwerpunkt Information und Telekommunikation), Einzelhandel und E-Commerce-Kaufmann. 51 davon haben ihre Lehre soeben begonnen oder starten in wenigen Tagen. „Corona hat nichts an unserer Philosophie geändert, unser Weg bleibt der selbe”, betont Mahringer. Nur das Recruiting erfolgte überwiegend digital. Die Zahl der Interessenten war heuer besonders hoch - wohl wegen der allgemeinen Unsicherheit, wer heuer überhaupt Nachwuchskräfte aufnimmt. Den Lehrlingsbonus begrüßt Mahringer als sinnvolle Investition, „aber für uns war er nicht ausschlaggeben”, betont er. Die Lehre habe in den letzten Jahren an Wertschätzung gewonnen, da sei einiges gelungen, ist er überzeugt. „Ich wünsche mir, dass man da dranbleibt und diesen Kommunikationsweg fortsetzt.”

In den Betrieben wird fleißig geschnuppert

Andreas Philipp, BiWi-Leiter
© Foto Weinwurm Andreas Philipp, BiWi-Leiter

Das BiWi - die Berufsinformation der Wiener Wirtschaft - ist eine Serviceeinrichtung der Wirtschaftskammer Wien, die Jugendliche bei der Berufswahl unterstützt sowie Betrieben Hilfestellung bei der Auswahl von Lehrlingen bietet. Was das Coronavirus dort verändert hat, berichtet BiWi-Leiter Andreas Philipp.

  • Welche Auswirkungen hatte der Lockdown im BiWi?
    Bis Anfang Mai hatten wir geschlossen. Danach haben wir Telefonberatung angeboten, etwa ab Ende Mai auch wieder Präsenzberatungen - mit Maske und Abstand, maximal zu dritt im Beratungsraum und mit Plexiglaswänden als zusätzlichem Schutz .
  • Wie ist derzeit die Nachfrage nach den BiWi-Services?
    Die Beratungen haben sich in den Sommer und wahrscheinlich auch Herbst verschoben. Die Schulabgänger kommen jetzt erst zu uns, um sich zu informieren. Auch die Betriebe hatten das Recruiting ausgesetzt, dafür haben wir jetzt viele Anfragen, z.B. zu Start-up-Checks. Ich sehe also durchaus Interesse der Wirtschaft an der Lehrlingsausbildung. In den Unternehmen wird auch fleißig geschnuppert.
  • Und wie wird es im Herbst weitergehen? 
    Wir hoffen, dass die Schulklassen wieder zu uns kommen. Derzeit arbeiten wir auch an einem virtuellen Beratungsangebot. Ob es heuer noch Branchenpräsentationen geben wird, ist dagegen fraglich. Anfang September ist auch der BiWi-Umbau beendet: Der Kundenbereich ist dann größer, alles hell, modern und einladend. Bestehen bleibt unser bewährtes Angebot.

Der neue Lehrlingsbonus   

  • Betriebe, die zwischen 16. März und 31. Oktober 2020 einen neuen Lehrling aufnehmen oder aus einer überbetrieblichen Ausbildungseinrichtung übernehmen, erhalten 2000 Euro Bonus - zusätzlich zu sonstigen Förderungen. Kleinbetriebe erhalten einen Zusatzbonus (bis 9 Mitarbeiter 1000 Euro, 10 bis 49 Mitarbeiter 500 Euro).

  • Zwei Auszahlungsvarianten: Je eine Hälfte nach Eintragung des Lehrvertrags und nach der gesetzlichen Probezeit oder den Gesamtbetrag nach der Probezeit.

  • Ausbildungsbetriebe stellen am besten einen Generalantrag für den Bonus. Die Auszahlung erfolgt dann automatisch für jeden in Frage kommenden Lehrvertrag.


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