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Wien muss jetzt handeln, um 2030 eine wirkliche Smart City zu sein

Interview mit Davor Sertic, Obmann der Sparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer Wien

© wkw

Was sind die drängendsten Probleme und dringendsten Themen Wiens bei Transport, Verkehr und Logistik?

Das bei meinem Antritt als Spartenobmann dringendste Problem habe ich zum Glück schon lösen können. Das war das Fehlen von direkter Kommunikation zwischen der Stadt und unserer Branche. Jetzt gibt es einen Jour Fixe mit Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou einmal im Quartal zu Fragen der Transport- und Logistikwirtschaft. Damit kann man für unsere Themen sensibilisieren. So haben wir z.B. die Öffnung der Anwohnerparkzonen von 8 bis 16 Uhr vorbereitet. Im Bereich Infrastruktur gibt es natürlich einige Projekte - wie den Lobautunnel, die dritte Piste am Flughafen in Schwechat oder einen modernen zentralen Fernbusterminal in Wien, die sich seit Jahren hinziehen und die nun bald auf Schiene gebracht werden müssen. Mit dem Bau des Lobautunnels hätte die Stadt schon vor 15 Jahren beginnen müssen, dann wäre Wien eine Vorzeigestadt.

Warum braucht Wien den Lobautunnel und einen neuen Fernbusterminal?

Den Lobautunnel, um den Verkehr flüssig zu machen und um Wien herum zu führen. Damit wird auch der CO2 Ausstoß in Wien reduziert. Und ein moderner Fernbusterminal gehört eben auch zu einer Smart City. Mein Standort-Favorit dafür ist der Verteilerkreis, weil da die Zufahrt von und zur Autobahn kurz ist. Und natürlich ist er auch der erste Eindruck, den mit dem Bus reisende Touristen von unserer Stadt bekommen.

Sie sind auch ein großer Befürworter von E-Mobilität. Weshalb? Und was muss in Wien geschehen, damit E-Mobilität rascher wächst als derzeit?

Wenn wir es schaffen, den Verkehr in der Stadt mit Elektromo ilität abzuwickeln, senken wir den CO2-Ausstoß und können unsere Klimaziele erreichen. Ich möchte, dass Wien bis 2030 wirklich eine Smart City ist. Daher erarbeiten wir derzeit auch gemeinsam mit Niederösterreich ein Logistikkonzept 2030+ für den Großraum Wien. Wir wollen die Frage klären, wo wir 2030 stehen wollen und welche Schritte dafür nötig sind. Einer davon ist z.B. die Ergänzung von vorhandenen Logistikzentren mit neuen rund um Wien, wo Lkw Waren anliefern und kleinere Elektrofahrzeuge dann die Verteilung in der Stadt übernehmen. Das hat noch den weiteren Vorteil, dass es auch wieder Wertschöpfung nach Wien bringt. Denn jetzt wird ja auch die letzte Meile von ausländischen Lkw, die bis in die Stadt fahren dürfen, abgewickelt. Damit so etwas Realität werden kann, muss bereits jetzt die Infrastruktur für E-Fahrzeuge gebaut werden - Ladestationen wie es zum Beispiel in Oslo schon gemacht wurde. Hier ist die Stadt Wien ein Konzept schuldig. Man kann nicht alles in öffentlichen Verkehrsmitteln transportieren, muss den Verkehr der Zukunft also jetzt planen und Infrastrukturmaßnahmen setzen. Infrastruktur für E-Mobilität könnte ja auch ein Geschäftsmodell für die Stadt werden.

Was sagen Sie zu den Plänen der Europäischen Union, Kabotage weiter zu erleichtern? Demnach sollen Lkw ausländischer Frächter statt drei Fahrten innerhalb einer Woche beliebig viele Fahrten innerhalb von fünf Tagen nach Grenzübertritt durchführen dürfen.

Wir müssen unseren Markt schützen, aber das wird keine langfristige Lösung sein. Der Markt ist offen und ich denke, das wird kommen. Worauf ich aber Wert lege, sind gleiche Rahmenbedingungen für alle.

In der Stadt entstehen immer mehr Begegnungszonen. Was halten Sie davon?

Ich bin grundsätzlich für Begegnungszonen, aber ehe man sie einrichtet, sollte sich die Politik mit allen Stakeholdern zusammensetzen und ein Konzept erstellen. Mit einem straffen Zeitplan von einigen Monaten, denn das muss nicht Jahre dauern. So wird das z. B. vorbildlich in Schweden gemacht.

Findet die Branche genug qualifizierte Mitarbeiter?

Auch in unserer Branche ist die Digitalisierung weit fortgeschritten, es gibt viele automatisierte Prozesse. Logistik ist heute zu 80 Prozent Büroarbeit und nur mehr zu 20 Prozent körperliche Arbeit. Die Branche ist dadurch auch für Frauen interessanter geworden. In meinem Unternehmen Unitcargo sind z.B. 50 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Logistik bietet große Chancen für Mädchen und Burschen. Um gute Mitarbeiter zu finden, müssen die Betriebe den Beruf aber auch attraktiver machen und ein modernes Wertesystem in Bezug auf Mitarbeiter haben. Qualität, Umwelt, Ethik, Kommunikation sind die Themen in unserer Branche.

Die Kleintransporteure haben ein neues Qualitätssiegel. Bringt das etwas?

Ja, denn es zeigt Kunden, wer Qualität bietet. Wenn ich z.B. ein Angebot abgebe, dann muss ich es auch halten. So ein Qualitätssiegel könnte ich mir auch für Taxis in Wien vorstellen, um Kunden zu zeigen, wer gewisse Standards einhält und Qualität anbietet. Ebenso ein einheitliches Erscheinungsbild für Taxis. Und bis 2030 sind hoffentlich alle Taxis Elektroautos.

 

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