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Wer bei welcher Rechtsform haftet

Ob die gewählte Rechtsform zu einem Unternehmen passt, hängt nicht zuletzt von der Haftungsfrage ab. Ein Überblick.

Gesellschaftsrecht
© pathdoc/Shutterstoc

Ob die gewählte Rechtsform zu einem Unternehmen passt, hängt nicht zuletzt von der Haftungsfrage ab. Ein Überblick:

  1. Einzelunternehmer
    Der Einzelunternehmer haftet uneingeschränkt mit seinem
    gesamten Privatvermögen für alle Schulden des Einzelunternehmens. Diese Haftung kann nicht beschränkt werden. 
  2. Offene Gesellschaft (OG)
    Die Gesellschafter haften persönlich, das heißt mit dem gesamten Betriebs- und Privatvermögen. Sie haften unbeschränkt ohne Betragsbeschränkung. Sie haften solidarisch, das heißt nicht anteilsmäßig, sondern jeder für die ganze Schuld, und sie haften primär, das heißt der Gläubiger kann sich sofort an einen der Gesellschafter wenden, ohne vorher die Gesellschaft klagen zu müssen. Diese Haftung der Gesellschafter kann nicht ausgeschlossen werden. 
  3. Kommanditgesellschaft (KG)
    Die Haftung des Komplementärs entspricht jener eines OG Gesellschafters. Der Kommanditist haftet nur bis zur Höhe seiner Haftsumme, die der Höhe nach frei gestaltbar und im Firmenbuch ersichtlich ist. 
  4. Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
    Grundsätzlich haftet nur die Gesellschaft mit ihrem gesamten Gesellschaftsvermögen, das heißt, es besteht keine direkte oder persönliche Haftung der Gesellschafter. Die Gesellschafter haften nur für die Aufbringung des im Gesellschaftsvertrag vereinbarten Stammkapitals. Davon ausgenommen kommt in folgenden Fällene ine Haftung des handelsrechtlichen Geschäftsführers gegenüber Gesellschaftsgläubigern in Betracht:
    • Grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen,
    • Vornahme von Zahlungen nach dem Zeitpunkt des Insolvenzeintrittes (Gläubigerbegünstigung),
    • nicht rechtzeitige Stellung eines Antrags auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens,
    • für den Bund hinsichtlich Abgabenforderungen vorsätzliche Finanzvergehen und für den Sozialversicherungsträger hinsichtlich Beiträge bei schuldhafter Verletzung von Pflichten der Vertretung der GmbH,
    • bei nach den Rechnungslegungsvorschriften prüfpflichtigen GmbHs im Falle der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens: Die Nichtbeantragung des Reorganisationsverfahrens trotz vermutetem Reorganisationsbedarf sowie die Nichtaufstellung bzw. Nichtprüfung des Jahresabschlusses.  
  5. Aktiengesellschaft (AG)
    Grundsätzlich haftet nur die Gesellschaft mit ihrem gesamten Gesellschaftsvermögen, das heißt, es besteht keine direkte oder persönliche Haftung der Aktionäre. Die Verpflichtung der Aktionäre zur Leistung der Einlagen wird durch den Ausgabebetrag der Aktien begrenzt. Die Vorstandsmitglieder haben bei ihrer Geschäftsführung die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters anzuwenden. Über vertrauliche Angaben haben sie Stillschweigen zu bewahren. Vorstandsmitglieder, die ihre Obliegenheiten verletzen, sind der Gesellschaft zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens als Gesamtschuldner verpflichtet. 
  6. GmbH & Co KG
    Die Komplementär-GmbH haftet unbeschränkt und primär mit ihrem gesamten Gesellschaftsvermögen, jedoch besteht keine direkte oder persönliche Haftung der Gesellschafter der GmbH. Die Gesellschafter haften nur für die Aufbringung des im Gesellschaftsvertrag vereinbarten Stammkapitals. Der Kommanditist der GmbH & Co KG haftet beschränkt bis zur Höhe der im Firmenbuch eingetragenen Haftsumme. 
  7. Genossenschaften
    Genossenschaften können mit unbeschränkter oder mit beschränkter Haftung ihrer Mitglieder errichtet werden. Bei einer unbeschränkten Haftung der Mitglieder haftet jeder Genossenschafter für die Verbindlichkeiten der Genossenschaft solidarisch mit seinem ganzen Vermögen. Bei der beschränkten Haftung haften die Genossenschafter nur bis zu einem bestimmten, im Voraus festgesetzten Betrag. Bei Genossenschaften, die bestimmte Zwecke verfolgen, z.B. Konsumvereine, kann die Haftung unter bestimmten Voraussetzungen auf den Geschäftsanteil beschränkt werden.

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