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Weiterbildung in Zeiten der Veränderung: Barbara Kluger-Schieder im Gespräch

Ist Bildung der Schlüssel zur Welt? Ja, sagt Barbara Kluger-Schieder, Leiterin der Bildungseinrichtungen der Wirtschaftskammer Wien, und blickt im Gespräch auf die Trends, die Erwachsenenbildung prägen. Für sie zählen nicht nur berufliche Karrieren oder Positionen, die erreicht werden, es geht um persönliche Kompetenzen, die in Zukunft die zentrale Rolle spielen.

Barbara Kluger-Schieder
© Florian Lierzer

Kein Zweifel, in Zeiten der Veränderung wird es immer wichtiger, sich beruflich fortzubilden. Frau Kluger-Schieder, in welche Richtung bewegt sich die Weiterbildungslandschaft?

Barbara Kluger-Schieder: Aktuell ändern sich die Berufsprofile und die Anforderungen an die ArbeitnehmerInnen stark. Die Digitalisierung reicht weit in die Arbeitswelt hinein. Das hat nicht nur eine technische Seite – es geht nicht nur um Wissen und Können, sondern beinhaltet auch Aspekte wie das Führen im digitalen Raum oder den Umgang mit virtuellen Teams. Das Maß der verlangten sozialen Kompetenzen steigt damit an. Zusätzlich werden manche Tätigkeiten durch die Digitalisierung und Automatisierung überflüssig. ArbeitnehmerInnen lassen sich umschulen und entwickeln sich zum Beispiel in Richtung Dienstleistungs- und Pflegebereich. Hier sind natürlich verstärkt Kommunikations-Skills gefordert. Eine WKO-Studie zum Thema Bildung der Zukunft hat prognostiziert, dass bei Berufstätigen bis 2030 nicht nur fünfzig Prozent mehr technologische, sondern auch über 25 Prozent mehr soziale und emotionale Fähigkeiten gefragt sein werden. Dazu kommt: Schon jetzt passiert Lernen immer und überall. Für die Zukunft bedeutet das, dass individuell und flexibel genau die Inhalte auf genau die Art angeboten werden müssen, die der aktuellen Lebensrealität der Lernenden entsprechen. Fazit: Nicht nur Lernen ändert sich grundlegend, auch Lehren passiert auf neuen Wegen. Betrachten wir noch die verschiedenen Themenbereiche, die in Zukunft eine stärkere Rolle spielen werden, so erwarten wir eine zunehmende Nachfrage in den Bereichen Innovation und Unternehmertum, Controlling und Finanzmanagement, Kompetenz- und Skills-Management, Digitalisierung und Gesundheit. Vor allem dieser letzte Bereich hat aufgrund der Corona-Krise, die bei vielen Menschen zu einem Umdenken geführt hat, an Bedeutung gewonnen.

Wie lernen Menschen 2022 – und in Zukunft? Ist Blended Learning der Weisheit letzter Schluss?

Barbara Kluger-Schieder: Wenn sich die Arbeitswelt, die Lernwelt, die Umwelt und damit auch die Anforderungen an und die Bedürfnisse der Lernenden verändern, müssen sich auch Lernformen und -prozesse wandeln. Eine offene Lernkultur und individualisierte Lehr- und Lernmöglichkeiten sind für Lernende unabdingbar. Menschen möchten lernen, wann sie Zeit und Lust haben. Sie brauchen virtuelle Lernplattformen bzw. die Möglichkeit, E-Learning- und Präsenzphasen je nach Bedarf unterschiedlich gewichten zu können. Aber auch mobilere Lernräume, in denen es beispielsweise statt einer fixen Klassenbestuhlung Sessel mit Rollen gibt und wo man Boden und Wände beschreiben kann. Beim E-Learning steht Qualität – besonders aufgrund der Erfahrungen aus der Corona-Krise – im Fokus. Heute wissen wir, dass es nichts nützt, wenn man auf eine Lernplattform ein How-To Video hochlädt und die Lernenden weder davor noch danach unterstützt. Lernplattformen müssen ein begleiteter Weg des Lernens sein, inklusive Präsenzphasen. Beliebt sind Peergroups, um sich auszutauschen, nicht nur in den Persönlichkeitsbildungs-, sondern auch den fachlichen Programmen. Sehr realistisch ist es, dass Lernende zukünftig etwa 50 Prozent ihrer Lernzeit in einem virtuellen Format verbringen. Ganz ohne reale Sozialkontakte wird Lernen aber schnell einsam, trotz aller top online Tools. Lernen braucht soziales Miteinander und Emotionen. Die virtuelle Welt kann unser soziales Netzwerk in der Realität nur ergänzen, nicht ersetzen. Auch das hat uns Corona gelehrt.

Lebenslanges Lernen – sind wir alle gefordert oder ist es vor allem ein Thema von Führungskräften?

Barbara Kluger-Schieder: Bei rund 15 Prozent der berufstätigen Erwachsenen sprechen wir von lebenslangem Lernen. Meist sind es die Führungskräfte, die längere, modulartig aufgebaute Lehrgänge besuchen. Das ist vielleicht eine Frage der besseren finanziellen Mittel. Ich beobachte aber auch, dass die Einstellung, seine Kompetenzen laufend erweitern zu wollen, in bestimmten Positionen üblicher ist. Eine starke Motivation ist obendrein Voraussetzung für lebenslanges Lernen, denn im Normalfall passiert Weiterbildung berufsbegleitend. Das ist fordernd. Ich würde lebenslanges Lernen aber nicht auf Führungskräfte begrenzen – es gibt zahlreiche andere Berufsbilder mit permanentem Weiterbildungsbedarf. So tragen etwa Brandschutzbeauftragte, Aufzugswarte oder andere Sicherheitsfachkräfte eine hohe Verantwortung und müssen sich immer wieder neu zertifizieren lassen. Apropos Fachkräftemangel: Alle hochqualifizierten Fachkräfte müssen sich lebenslang weiterbilden, um am Arbeitsmarkt mithalten zu können.

Gibt es eine zentrale Schlüsselkompetenz für modernes Lernen?

Barbara Kluger-Schieder: In einer immer komplexer werdenden Welt spielen neue Kompetenzen, wie z.B. das Denken in Zusammenhängen, Veränderungsbereitschaft, Gestaltungswille, Führen und Teamarbeit in der virtuellen Welt, eine große Rolle. Die zentrale Schlüsselkompetenz für modernes Lernen ist der Umgang mit Fehlern. Aneignen können sich Lernende diese Kompetenz, wenn sie sichere Freiräume zum Lernen und Üben vorfinden und wissen, dass Fehler eine Lernchance darstellen. Dann entsteht die Bereitschaft, sich zu verändern, auf neue Situationen einzulassen, neue Dinge auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen. Erfahrungslernen und Kreativität sind im Lernen der Zukunft zentral, so eignen sich Lernende das „Können“ und nicht nur das theoretische „Wissen“ an.

Wie stehen Ihrer Einschätzung nach Unternehmen zu Weiterbildung?

Barbara Kluger-Schieder: Die Weiterbildungsbereitschaft der Unternehmen ist in Österreich erstaunlich hoch. 88 Prozent der Unternehmen finden berufliche Aus- und Weiterbildung wichtig und bieten diese an. Der Trend geht in Richtung individualisierter Bildungsangebote. Firmen wenden sich mit ihren Wünschen an die Erwachsenenbildungsinstitutionen und bekommen maßgeschneiderte Schulungen für ihre Teams, die entweder beim Anbieter oder direkt im Betrieb stattfinden. Das funktioniert bei Management-Trainings genauso wie bei Staplerkursen für Logistikunternehmen. Unternehmen, die sich in Sachen Weiterbildung ihrer MitarbeiterInnen engagieren, profitieren ganz klar davon: Es geht um den Wettbewerbsfaktor. Versierte MitarbeiterInnen erhöhen die Chancen des Unternehmens, sich am Markt gut zu positionieren. Die Investition in die Weiterbildung ist mit dem Wunsch verbunden, dass sie diese, speziell für sie qualifizierten, Beschäftigten im Unternehmen halten können. Den Unternehmen ist durchaus bewusst, dass die MitarbeiterInnen ihr größtes Kapital sind. Doch die tüchtigste Arbeitskraft bringt nichts, wenn sie nicht ins Portfolio passt. Es ist wichtig, mit den richtigen Methoden nach der richtigen Belegschaft zu suchen und sich bewusst zu sein, dass MitarbeiterInnen zwar gute und faire Entlohnung wollen, aber die Arbeitsplatzsicherheit einen höheren Stellenwert hat als die Karriere. Neben Faktoren wie Work-Life-Balance, flexible Arbeitszeiten und eine wertschätzende Unternehmenskultur werden vor allem persönliche Entwicklungsmöglichkeiten sehr geschätzt. Weiterbildungsangebote zählen damit zu den Top-Benefits.

 

Wirtschaftskammer Wien: 65.000 Bildungsinteressierte profitierten 2021 vom Bildungsangebot

Die Wirtschaftskammer Wien ist Österreichs größter privater Bildungs­anbieter und setzt auf wirtschaftsorientiertes, praxisnahes Lehren und Lernen. Die raschen Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft verlangen einen vielseitigen, flexiblen und offenen Bildungsmarkt. Die Angebote der WK Wien sind so vielfältig wie die Wirtschaft selbst:

  • Das WIFI Wien mit den Marken WIFI Management Forum und Werbe Akademie bildet das Herzstück der Bildungseinrichtungen. 50.000 TeilnehmerInnen nutzen jedes Jahr das breite Kursangebot mit mehr als 3.000 Veranstaltungen.
  • UnternehmerInnen und Top-Führungskräfte werden am Hernstein Institut für Management und Leadership in ihren Management- und Leadership-Kompetenzen gestärkt.
  • Die FHWien der WKW bietet eine ganzheitliche und praxisbezogene akademische Ausbildung für über 2.800 Bachelor- und Master-Studierende.
  • Junge Menschen erhalten im Berufsinformationszentrum der Wiener Wirtschaft (BiWi) einen praxisnahen Einblick in die Berufswelt.
  • Die Gastgewerbefachschule Judenplatz, die Tourismusschulen Modul und die Vienna Business School führen SchülerInnen zum Erfolg.
  • An in der Wirtschaft gefragte Fachkräfte richten sich die Angebote der BAUAkademie Wien, der Gebäudereinigungsakademie und weiterer Branchen-Ausbildungsstätten.
  • Die Meisterprüfungsstelle qualifiziert mittels Meister-, Befähigungs-, Unternehmer- und Ausbilderprüfungen Fachkräfte zu neuen Wiener UnternehmerInnen.


 

 

 

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