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Trotz Corona halten Wiener Betriebe an Lehrlingsausbildung fest

Wiener Ausbildungsbetriebe können Lehrlingszahlen gegenüber Vorjahr halten – Tourismussektor jedoch mit erwartetem Minus – WK Wien fordert Refundierung der Kommunalsteuer für Ausbildungsbetriebe und Lehrlingsstipendien für ältere Lehrlinge

Lehre
© zerocreatives/Westend61/picturedesk.com

Ende September bildeten die Betriebe der gewerblichen Wirtschaft Wiens 13.462 Lehrlinge aus – das sind nur marginal weniger als vor einem Jahr (- 0,44 Prozent oder 60 Lehrlinge). Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation aufgrund Corona-Pandemie sei das ein mehr als respektables Ergebnis, sagt Wiens Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck.

„Es zeigt vom Verantwortungsbewusstsein der Wiener Ausbildungsbetriebe, sie kämpfen um jeden Lehrling. Gerade in der Krise ist es wichtig, auch nach vorne zu schauen und die Weichen für die Zeit danach zu stellen. Und Nachwuchsarbeit ist eine Investition in die Zukunft, weil Fachkräfte immer gefragt sind. Daran ändert auch Corona nichts.
Walter Ruck

In den meisten Sektoren gab es unter dem Strich sogar mehr Lehrlinge als im Vorjahr. Die größten prozentuellen Zuwächse verzeichnen Banken und Versicherungen (+ 8,8 Prozent) sowie die Wiener Industrie (+ 6,1 Prozent). Auch das Gewerbe und Handwerk, der mit 4653 Lehrlingen wichtigste Ausbildungssektor, bildet aktuell um 1,3 Prozent mehr Nachwuchskräfte aus als vor einem Jahr. Im Tourismussektor ist die Zahl der Lehrlinge dagegen um knapp 14 Prozent niedriger als im Vorjahr. Überraschend kam das nicht, der Städtetourismus leidet seit Ausbruch der Corona-Pandemie enorm. Die Gastronomie und der Freizeitbereich ächzen unter den Corona-Maßnahmen, viele Hotels sind mangels Gästen überhaupt geschlossen. Der Sektor bildet aber aktuell noch immer 1440 Jugendliche aus. „Das ist angesichts der momentanen Situation in einer Branche, in der viele Betriebe um ihre Existenz kämpfen, eine achtbare Leistung“, so Ruck.

Lehrlingsausbildung und Lehre müssen einfacher und attraktiver werden

Deutlicher zeigen sich die Corona-Auswirkungen bei den Lehranfängern: Heuer haben in den Wiener Betrieben der gewerblichen Wirtschaft 3.793 Jugendliche ihr erstes Lehrjahr begonnen – das sind um 12,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Ganz wesentlichen Anteil daran hat erneut der Tourismus, der traditionell in Wien ein wichtiger Ausbildungssektor ist. Ein nachhaltiger Knick in den Lehrlingszahlen muss jedoch verhindert werden, weil er fatale Folgen für die ohnehin angespannte Fachkräfte-Situation hätte, sagt Ruck. „Deshalb brauchen Ausbildungsbetriebe jetzt eine Entlastung. Es geht darum, sie zu bestärken, ihnen Anerkennung auszudrücken und die Nachwuchsarbeit zu erleichtern.“

Die Wirtschaftskammer Wien hat dazu konkrete Forderungen

  • Refundierung der Kommunalsteuer für Ausbildungsbetriebe durch die Stadt Wien

  • Lehrlingsstipendium für erwachsene Lehrlinge, um diese Zielgruppe stärker für die Lehre zu gewinnen: Ein Zuschuss des Staates zum Lehrlingsgehalt (bis zur Höhe des Mindest-KV-Entlohnung), um den älteren Auszubildenden ihr finanziell eigenständiges Leben zu ermöglichen.

  • Mehr Geld bei Übernahme eines Lehrlings aus überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen (ÜBA): 50 Prozent der Kosten, die sich die öffentliche Hand ¬¬bei Übernahme eines ÜBA-Lehrlings erspart, sollen an den übernehmenden Betrieb gehen. Damit würden Anreize für Lehrbetriebe geschaffen und gleichzeitig die Kosten für die Ausbildung in der ÜBA reduziert – eine klassische Win-Win-Situation.

  • Runter mit der Bürokratie: statistische Meldepflichten reduzieren und Auflösung von Lehrverhältnissen auch unterjährig und ohne formalistische Vorab-Meldepflichten ermöglichen.


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