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Trefelik: Die Konsumenten entscheiden, wie die Stadt künftig aussieht

Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Wien, skizziert, wie Wiens Händler im Spannungsfeld zwischen persönlicher Kundenbetreuung und Digitalisierung erfolgreich bleiben können und welche Rahmenbedingungen der Wiener Handel künftig braucht.

© wkw


Nach langen Verhandlungen wurde nun ein neuer Rahmen-Kollektivvertrag für den heimischen Handel abgeschlossen. Ein Meilenstein?

Es ist gut, dass es den neuen Vertrag endlich gibt. Dafür möchte ich mich auch bei unseren Verhandlern Helmut Schramm und Günter Rossmanith herzlich bedanken. Der Vertrag enthält viele große Schritte - die Vereinheitlichung der Beschäftigungsgruppen zum Beispiel. Mit dem Begriff des Meilensteins würde ich dennoch vorsichtig sein. 


Warum? Was fehlt im neuen Regelwerk?

Die Neuregelung des Zuschlagswesens. Gerade aus Wiener Sicht ist das aktuelle System dringend reformierungsbedürftig, weil es in dieser Form einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Es gibt hier aber die Zusage der Verhandlungspartner, umgehend in Gespräche einzutreten und das zu lösen. Darauf baue ich.


Erwarten Sie nun auch bei den Tourismuszonen eine rasche Lösung?

Ich hoffe es. Wir sprechen hier ja über etwas, das es in acht Bundesländern schon gibt, man muss das Rad nicht neu erfinden. Dass auch Wien touristische Highlights und entsprechende Gästeströme hat, ist Fakt. Wir müssen es daher endlich auch den Wiener Betrieben ermöglichen, am Sonntag aufzusperren - ohne Zwang. Das Immer-weiter-Verschieben dieses heiklen Themas muss ein Ende haben. Jetzt brauchen wir die Gewerkschaft als Verhandlungspartner, um inhaltlich zu diskutieren und eine Lösung zu erarbeiten.


Ebenfalls ein heikles Thema sind DemoZonen, mit denen Sie vor allem die Ringstraße entlasten wollen. Wie realistisch ist die Verwirklichung?

Ins Grundrecht der Versammlungs- und Meinungsäußerungsfreiheit einzugreifen, will absolut keiner. Aber seien wir ehrlich: Derzeit geht das Inhaltliche bei Ringstraßen-Demos in der Öffentlichkeit oft unter. Was transportiert wird, ist nur das Verkehrschaos. Wir müssen daher einen Weg finden, wie wir den Demonstranten Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit für ihr Anliegen verschaffen, aber Chaos vermeiden. Eine Demo-Zone am Schwarzenbergplatz würde beides schaffen. Dafür braucht es nun aber die Offenheit aller politischen Gruppen, pragmatisch und nicht dogmatisch darüber zu diskutieren. 


Zur Konjunktur: Im ersten Halbjahr gab es ein reales Umsatzplus von gut einem Prozent. Wie ist die Stimmung im Handel derzeit?

Jedes Anzeichen eines Aufwärtstrends ist positiv zu sehen. Ein Grund zum Sich-Zurücklehnen ist das aber nicht. Die Herausforderungen für den Handel sind groß, vor allem in jenen Branchen, die derzeit das Straßenbild prägen. Die Kundenfrequenzströme verändern sich. Hier muss man auch neue technische Wege gehen, um rascher bessere Informationen zu bekommen und schneller reagie-ren zu können. 


Wie kann der stationäre Handel stärker am Online-Boom partizipieren?

Wir müssen die Konsumenten sensibilisieren, dass jeder mit seinem Kaufentscheid, mit jedem Klick beim Online-Einkauf, auch mitbestimmt, wie die Stadt künftigaussieht. Wenn ich als Konsument eine lebendige Einkaufsstadt haben möchte, dann muss ich sie auch nutzen, sprich: lokal einkaufen. Andrerseits müssen auch die Händler ihre Hausaufgaben machen. Sie müssen schauen, dass ihr Angebot mit der Online-Konkurrenz mithalten kann und sie müssen verstärkt Einkaufserlebnisse bieten. Ich bin überzeugt, dass heute jedes Unternehmen eine Online-Präsenz braucht. Nicht unbedingt einen Online-Shop, aber eine Visitenkarte im Netz. Mit unserer Workshop-reihe ‚Go online’, die im Herbst erneut startet, unterstützen wir die Händler dabei. Im Herbst wird es auch eine Kampagne für die Wiener Unternehmer geben, die die Idee der Echtshopper-Kampagne des Modehandels vom Vorjahr aufgreift. 


Mit welchen Strategien kann der stationäre Handel künftig Erfolg haben?

Die Welt klafft auseinander: Das ist einerseits die Preisschiene mit dem Trend zu immer billiger, andrerseits der Trend zu Qualität. Dazwischen muss sich der Handel zurechtfinden. Der Faktor Mensch ist der wirkliche USP (unique selling point; Alleinstellungsmerkmal, Anm. d. Red.) im Handel. Den erlebbar zu machen, darin liegt großes Potenzial. Generell sind wir permanent gefordert nachzulegen. Aber das ist ja auch das Salz in der Suppe. Herausforderungen machen das Unternehmertum spannend. 


Sehen Sie auch Änderungsbedarf bei den Rahmenbedingungen für die Händler?

Durchaus. Wien ist eine schöne Stadt, um einzukaufen. Um das zu erhalten, brauchen die Geschäfte aber auch Unterstützung. Etwa durch eine Verkehrsinfrastruktur, die ihre Erreichbarkeit gewährleistet. Individuelle Mobilität und Kaufkraft hängen untrennbar zusammen, dafür braucht es mehr Verständnis der Politik. Auch bei der Gestaltung und Nutzung des öffentlichen Raums wünsche ich mir mehr Sensibilität. Was lassen wir im öffentlichen Raum zu, wer darf was - das braucht exekutierbare Spielregeln, besonders an den Hotspots. Sonst geht das Ambiente verloren. Die lokalen Geschäfte brauchen ein attraktives Umfeld, wo die Kunden sich wohlfühlen.

 

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