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Test-Strategie gegen die Pandemie

Wiens neueste Waffe gegen das Coronavirus sind Gurgeltests - vorerst für Unternehmen, dann für alle Wiener, so ist der Plan.

Covid
© Javvani/Shutterstock

Testen ist aktuell das wichtigste Werkzeug, um der Corona-Pandemie Herr zu werden. Damit gehen nicht nur Mediziner, Virologen und Politik d’accord. Solange die Corona-Impfungen noch nicht auf die gesamte Bevölkerung ausgerollt sind, sind flächendeckende Tests besonders für die Wirtschaft ein wichtiger Schritt, um weitere Schließungen zu vermeiden und möglichst sicher und bald in den Unternehmensalltag zurückkehren zu können.

Projekt „Alles gurgelt”: Ein PCR-Test für zuhause, der als Eintrittstest gilt

Wien hat die Test-Kapazitäten in den letzten Wochen massiv ausgebaut. Mittlerweile gibt es acht Teststraßen. Zusätzlich bieten rund 190 Wiener Apotheken kostenlose Schnelltests an. Ab März sollen zudem Gratis-„Wohnzimmertests” über die Apotheken an die Bevölkerung abgegeben wer-den - maximal fünf Stück pro Person und Monat.

„Bei sechs Wochen Schließung verliert der Wirtschaftsraum Wien 2,1 Milliarden Euro beim Bruttoregionalprodukt.”
Walter Ruck

Als Ergänzung startet die Stadt Wien mit der Wirtschaftskammer Wien und dem Start-up Lead Horizon das Projekt „Alles gurgelt”: Mit einem einfachen und kostenlosen Gurgeltest, den jeder zuhause oder am Arbeitsplatz durchführen kann, sollen Betriebe, ihre Mitarbeiter und alle Wiener die Möglichkeit erhalten, ihren Gesundheitsstatus laufend überprüfen zu lassen. Der Unterschied zu anderen Selbsttests: Der PCR-Test ist so konzipiert, dass er als Eintritts-test - etwa für körpernahe Dienstleister - anerkannt wird. Weiterer Vorteil: Im Unterschied zu Antigentests können PCR-Tests bereits geringe Viruskonzentrationen nachweisen. Ein negatives Testergebnis ist damit mehr als eine Momentaufnahme. Es zeigt an, dass die Testperson auch noch Stunden danach nicht ansteckend ist. Richtwert sind maximal 72 Stunden. Im Rahmen eines Pilotprojekts konnten bereits 60.000 Mitarbeiter von Wiener Betrieben und Organisationen im Gesundheits- und Sozialbereich samt deren Familienangehörigen zwei Mal wöchentlich diesen PCR-Selbsttest absolvieren. Das Resümee ist durchwegs positiv, deshalb soll das Angebot nun Schritt für Schritt auf weitere Branchen und später auf die gesamte Wiener Bevölkerung ausgerollt werden. Die Kosten für das Projekt trägt der Bund.

Regelmäßig testen gibt Sicherheit im Betrieb und im Alltag

Eines der Unternehmen, die in der Pilotphase mit dabei waren, ist die Wiener iSi Group, ein Betrieb mit langer Geschichte, der Druck-gasbehälter erzeugt und damit heute weltweit führend ist. „Als Unternehmen sehen wir uns auch als Schnittstelle in der Gesellschaft, die viele Menschen erreichen und etwas bewirken kann”, sagt Allegra Pochtler, HR-Verantwortliche der iSi Group, auf die Frage, warum man bei dem Testlauf mitgemacht habe. Zudem habe iSi seit Beginn der Pandemie nach Wegen esucht, den Mitarbeitern Sicherheit zu geben und gleichzeitig das Weiterarbeiten zu ermöglichen. „Wir haben auch immer Kontakt zu Behörden und Forschungsstellen gehalten und sind so in das Pilotprojekt reinkommen”, so Pochtler. Mehr als 500 iSi-Mitarbeiter und ebenso viele Angehörige testen nun seit Ende Jänner zweimal wöchentlich. Das Handling ist einfach: Die Testkits werden an den beiden iSi-Standorten ausgegeben, die Testproben dann an bestimmten Tagen dort wieder eingesammelt und ans Labor geschickt. Bei den Mitarbeitern komme das Projekt gut an, resümiert Pochtler. „Man erhält dadurch Sicherheit im Unternehmen und im Alltag.” Auch Christian Kölbl, Chef des Tattoo-Studios „Haut und Liebe” in der Leopoldstadt, zeigt sich begeistert über das Projekt „Alles gurgelt”: „Meine Mitarbeiterin und ich müssen uns jetzt natürlich regelmäßig testen lassen. Das Projekt klingt toll, das wird uns sehr entlasten”, erzählt Kölbl, der mit seinem Betrieb zwar nicht Teil der Pilotphase war, aber sobald es möglich ist an der Aktion teilnehmen möchte.

Essenzielles Mittel gegen Covid-19

Stadt Wien und Wirtschaftskammer Wien bezeichnen dieses Testangebot als weiteren Baustein in der Strategie zur Eindämmung der Pandemie. „Regelmäßige und rasche Tests sind ein essenzielles und wirkungsvolles Mittel bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie. Wir wollen damit - bis wir die notwendigen Impfstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung haben - eine Art Schutzschild für die Bevölkerung etablieren”, so Bürgermeister Michael Ludwig. Für WK Wien-Präsident Walter Ruck liegt in diesem Testangebot auch „eine Riesenchance, die wirtschaftlichen Einschränkungen durch die Pandemie so gering wie möglich zu halten. Denn ein Lockdown sei richtig teuer: „Bei sechs Wochen Schließung verliert der Wirtschaftsraum Wien 2,1 Milliarden Euro beim Bruttoregionalprodukt.” Dazu kommen noch 850 Millionen Euro als Rückgang bei Steuern und Abgaben. Gleichzeitig werden 500 Millionen an direkten Zuschüssen - zum Beispiel Kurzarbeit oder Härtefallfonds - ausbezahlt. „Unser oberstes Ziel muss es daher sein, weitere Schließungen zu vermeiden. Eine beschleunigte Aus-rollung der Impfungen und flächendeckende Corona-Tests sind dafür nötig”, so Ruck. Beim Projekt „Alles gurgelt” kommen PCR-Tests zum Einsatz, die durch ihre einfache Anwendung einen niederschwelligen Zugang für Jung und Alt ermöglichen. Gegurgelt wird unter Video-Anleitung und mit einer WebApp vor dem Computer oder Smartphone. Eine digitale Dokumentation stellt sicher, dass Tests eindeutig einer Person zugewiesen werden können Damit bildet die Bestätigung des negativen Testergebnis-ses auch das „Eintrittszertifikat” für den Besuch beim Kosmetiker oder Friseur. Die Proben werden über BIPA-Filialen oder die teilnehmenden Firmen gesammelt und von der Post in das Lifebrain Covid-Labor transportiert, wo die Auswertung erfolgt. Die Testpersonen werden binnen 24 Stunden digital über das Ergebnis informiert. Bei Fragen oder Problemen können sich die Testpersonen an ein Service-Telefon wenden. Das Service steht auch mehrsprachig zur Verfügung. 

Patentierte Technologie

Das verwendete Testkit ist ein patentiertes und behördlich anerkanntes Verfahren, das vom Wiener Start-Up Lead Horizon entwickelt wurde und seit Frühsommer 2020 im Einsatz ist. „Ziel und große Herausforderung war es von vorne herein, dass die Tests von der breiten Masse - von Jung bis Alt - genutzt werden können, also bei der Anwendung so einfach und unkompliziert wie möglich sind”, erklärt Christoph Steininger, Virologe, Infektiologe und Mitgründer von Lead Horizon. „Die Testbox, die die Leute nach Hause mitnehmen, sieht einach aus, aber jedes Detail wurde genau durc-dacht und bis zum letzten Handgriff optimiert.” Denn nur durch einen solchen hohen Grad an Nutzerfreundlichkeit werden die Tests breiten-wirksam angewendet, so der Mediziner. Damit das auch so bleibt, werden die Testkits ständig weiterentwickelt und optimiert. „Die Entwicklung geht immer weiter, weil sich die Bedürfnisse der User stetig verändern und man mit der Erfahrung auch merkt, wo man Ressourcen einsparen kann, um auch die finanzielle Barriere zu minimieren”, schildert Steininger.

Wissen aus Wien für die ganze Welt

Das wissenschaftliche Fundament für das Konzept rund um die Wiener Teststrategie „Alles gurgelt” - die Kombination aus Gurgeln zu Hause, Poolen und anschließender PCR - stammt von der „Vienna Covid-19 Diagnostics Initiative” (VCDI). Michael Wagner Leiter des Zentrums für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft an der Universität Wien, ist Teil dieser Initiative. „Die VCDI wurde im Frühjahr 2020 aus einer Gemeinschaft von 21 Wiener Forschungsinstituten gegründet, um einen Beitrag im Kampf gegen die Pandemie zu leisten und Konzepte zu entwickeln, die dringend gefehlt haben”, erklärt er. Ziel sei es, das Wissen aus der Grundlagenforschung weiterzugeben, um Strategien - wie sie jetzt von Wien umgesetzt werden - schnell auf die Beine stellen zu können. „Wien hat damit einmal mehr bewiesen, Wissenschaftsstadt und internationales Forschungszentrum zu sein”, erklärt er und betont, dass die gewonnenen Erkenntnisse aus den Studien und Pilotprojekten auch international beispielgebend waren. „In Kanada und Deutschland wird nun auch schon seit längerem gegurgelt”, so Wagner.

 

Interview mit Michael Wagner - Mikrobiologe und Mitglied der Vienna Covid-19 Diagnostics Initiative (VCDI)
„Durch flächendeckende Tests können wir die Verbreitung von Covid-19 und seinen Varianten kontrollieren.”
© Universität Wien „Durch flächendeckende Tests können wir die Verbreitung von Covid-19 und seinen Varianten kontrollieren.”

Welchen Vorteil bieten PCR Tests gegenüber Antigen Tests?

Wagner: PCR-Tests - ob aus Abstrichen oder Grugelproben - können bereits kleine Viruskonzentrationen nachweisen. Das heißt, wenn sich jemand ansteckt, keine Symptome hat und die Viruszahl noch sehr gering ist, schlägt der PCR-Test bereits an. Beim Antigentest kann das Virus aber nur ab einer bestimmten Viruskonzentration nachgewiesen werden - er ist viel unempfindlicher und birgt das Risiko, dass man trotz eines negativen Ergebnisses ansteckend ist. PCR-Tests liefern damit einen wesentlichen Anhaltspunkt beim Contact-Tracing. Denn auch wenn jemand nur eine geringe Viruslast vorweist, muss er es irgendwo bekommen haben - hier kann man beim Contact-Tracing ansetzen.

Was versteht man unter „Pooling“?

Wagner: Statt jede Probe einzelnen zu testen, werden bei den Gurgeltests mehrere Proben - zum Beispiel innerhalb eines Teams - zusammen-geschüttet und getestet. Ist der Gemeinschaftstest negativ, hat man viel Ressourcen eingespart. Bei einem positiven Ergebnis werden nochmal alle anhand von Rückstell-proben einzeln überprüft, um den positiven Fall zu identifizieren.

Kann man beim Gurgeltest etwas falsch machen?

Wagner: Bereits während unserer Pilotstudie mit elf Wiener Schulen im Juni 2020 haben wir bemerkt, dass der Test sogar mit Volksschülern einwandfrei funktioniert. Jeder, der gurgeln kann, kann auch den Test machen. Ratsam ist es, den Test gleich am Morgen nach dem Aufstehen und noch vor dem Frühstück und dem Zähneputzen zu machen.

Warum sind Tests im Kampf gegen COVID- 19 so essenziell?

Wagner: Testen ist derzeit - neben den Impfungen - ein wichtiges Werkzeug, um das Virus in den Griff zu bekommen. Durch flächendeckende Tests können wir die Verbreitung von Co-vid-19 und seinen Varianten kontrollieren.

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