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Strompreise: Vorbereiten für Winter

Ohne Strom geht nichts mehr. Der Preis klettert in ungeahnte Höhen. Alle – Betriebe wie Haushalte - werden aufgefordert, ihren Verbrauch zu drosseln. Haushalte werden bereits finanziell entlastet, Hilfe für Betriebe steht noch aus.

Strom
© Marc Stephan/Shutterstock

Die steigenden Energiepreise haben sich bereits gegen Ende 2021 abgezeichnet. Durch Lieferkettenprobleme und die starke Nachfrage nach Gütern stiegen die Energiepreise und dadurch die Inflation. Im Februar 2022 marschierte Russland in die Ukraine ein, die Europäische Union setzte Wirtschaftssanktionen gegen Russland, das wiederum mit einem Lieferstopp von Gas erst drohte und dann tatsächlich Leitung Nordstream 1 zudrehte. Die Drohung allein katapultierte die Preise an der Strombörse in die Höhe. Dazu kam die lange Trockenheit in vielen Teilen Europas, die Reduktion der Verfügbarkeit von Atomkraft in Frankreich und weniger Stromerzeugung in Nordeuropa. Laut Eco Austria lag der Preis für eine Megawattstunde Strom in den Jahren vor 2021 bei rund 74 Euro, im August 2022 lag er bei 540 Euro. Das Institut rechnet damit, dass die Preise noch weiter ansteigen werden. Die Wissenschaftliche Leiterin, Monika Köppl-Turyna erwartet beträchtliche Auswirkungen dieser Entwicklung auf Beschäftigung und Investitionen. „Die real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte gehen nicht nur wegen der Reallohnentwicklung, sondern auch wegen der schwächeren Beschäftigungsentwicklung zurück”, so Köppl-Turyna.

„Energieintensive Branchen brauchen jetzt Entlastung.”
Walter Ruck

Strom sparen als Gebot der Stunde

Die langfristigen Auswirkungen sind noch nicht abzusehen, da sie unter anderem mit der geopolitischen Entwicklung zusammenhängen. Genauer - wie lange der Krieg in der Ukraine noch andauert und wie der Kreml in weiterer Folge agieren wird. Und das lässt sich nicht vorhersagen. Fakt ist allerdings, dass wir von russischem Gas abhängig sind und dieses Gut ist knapp. Das Beste, was jetzt getan werden kann, da sind sich alle Experten einig, ist, Strom zu sparen. „15 Prozent unseres Stroms wird aus Gas produziert. Die Speicher sind gut gefüllt. Wenn es gelingt, dort einzusparen, wo es keine großen Investitionen braucht, hilft das aktuell am meisten”, sagt Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Österreichs Energie. Die Interessenvertretung der Österreichischen E-Wirtschaft setzt sich für einen Markteingriff auf europäischer Ebene ein: „Die steigenden Großhandelspreise in vergangenen Monates sind weder für Haushalte noch für Kunden tragbar - Strom muss wieder leistbar werden”, so Schmidt. Zudem müsse man nun den Energieverbrauch so weit möglich reduzieren. „Wir müssen nun die vielen einfachen Sparmaßnahmen auf den Boden bringen, die zwar jeder kennt, bislang aber nicht umgesetzt hat.” Denn private Haushalte verbrauchen rund 29 Prozent des Stroms, der produzierende Bereich und der Verkehr zusammen verbrauchen rund 50 Prozent.

Ursula Horak
© Sissi Furgler
„Europa muss zusammenhalten, auf Putins Gas verzichten
Ursula Horak, Unternehmensberaterin
Christoph Schuh
© Caro Burger
„Aktive Teilhabe am Energiesystem hilft, Energie zu sparen.”
Christoph Schuh, Sprecher Austrian Power Grid
Barbara Schmidt
© Regina Hügli
„Energie muss wieder leistbar werden.”
Barbara Schmidt, Generalsekretärin Österreichs Energie

Betriebe brauchen Unterstützung

Sparpotenzial ist vorhanden, dennoch brauchen Betriebe angesichts des Grades der Preissteigerungen finanzielle Hilfe. Seit Wochen fordert Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck eine Unterstützung für energieintensive Betriebe. „Betriebe, bei denen sich Energie und Stromkosten inklusive Treibstoffverbrauch auf mindestens drei Prozent des Produktionswertes belaufen, müssen dringend unterstützt werden”, so Ruck. Auch die Experten sind sich einig, dass es zur Sicherung des Standorts einerseits und für die Abfederung sozialer Auswirkungen andererseits, für Betriebe finanzielle Hilfe geben muss. Allein wie sie aussehen soll, muss gut überlegt sein. Köppl-Turyna hält ein Modell für kleine Betriebe ähnlich jenem für Haushalte für denkbar. Allerdings müsste es treffsicher sein und großen Anreiz zum Energiesparen geben. Betriebe können ihre höheren Produktionskosten nur bedingt an Kunden weitergeben, hier braucht es also beides, Energiesparen und finanzielle Unterstützung, um ein Zusperren zu verhindern. Als letzten Schritt sollte man laut Experten über die Neuregelung des Strommarktes nachdenken. „Die Nebenwirkungen von Markteingriffen sind enorm. Wenn das zielführend sein soll, dann muss es gesamteuropäisch passieren”, so Schmidt.

Akzeptanz für Erneuerbare steigt

„Oesterreichs Energie” registriert eine deutliche Bewegung in Richtung mehr Akzeptanz für erneuerbare Energien. „Im Bereich Photovoltaik hat sich die installierte Kapazität von 2020 auf 2021 verdoppelt. Sie wird sich 2022 noch einmal verdoppeln”, so Schmidt. Wird die aktuelle Netzstruktur dem Stand halten? Oder sind hier Stromausfälle vorprogrammiert? Das Gespenst Blackout geistert schon seit längerem durch die Medienlandschaft. „Entscheidend ist, dass das Gesamtsystem Strom - Netze, Speicher, Produktion, Reserven bzw. digitale Plattformen - synchron entwickelt wird”, so Christoph Schuh, Sprecher von Austrian Power Grid, dem Übertragungsnetzbetreiber des österreichischen Höchstspannungsnetzes. Aktuell sei es so, dass durch nahezu tägliche Eingriffe in die Fahrpläne - so genanntes Redispatching - die fehlenden Netzkapazitäten durch Kraftwerkseinsätze wettgemacht werden müssen. Mit Kosten von rund 10 Millionen Euro pro Monat für den Österreichischen Steuerzahler. Daher müsse das Stromnetz ausgebaut werden. Betriebe könnten aktiv durch Flexibilitätsmanagement und mittels digitaler Plattformen dazu beitragen, Stromausfälle zu vermeiden. Die Strompreisbremse hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf das Stromnetz: „Die Energiepreisbremse ist eine monetäre Unterstützung und hat unmittelbar mit der Versorgungssicherheit nichts zu tun. Das Gebot der Stunde energieseitig für uns alle ist: Energie- und Stromsparen wo es geht und alle Möglichkeiten zusätzlicher Produktion an Strom nutzbar zu machen”, sagt Schuh.

Unternehmer sind auch Konsumenten

Ursula Horak ist Unternehmensberaterin in Wien. Sie sieht ebenfalls Einsparungspotenzial bei Betrieben. „Am Land ist es einfacher, eine Photovoltaikanlage einzubauen. In Wien gehört einem das Haus, in dem man arbeitet, selten”, so Horak. „Wir wären schon viel weiter, wenn auf jedem neu gebauten Haus Sonnenkollektoren verpflichtend wären und die Umweltverträglichkeitsprüfung für Investitionen in erneuerbare Energien entfallen könnte”, so die Beraterin weiter. Preissteigerungen müssten selbstverständlich an die Kunden weitergegeben werden. Vorher sollte man jedoch alle genau durchkalkulieren und alle Einsparungspotenziale nützen. Nicht nur bei der Energie, sondern überall. „Wer organisiert ist, der hat alle Kennzahlen griffbereit im Computer oder in der Schublade. Leider mache ich oft die Erfahrung, dass die Unternehmer ihre Zahlen nicht allzu gut kennen”, so Horak. Ihre Tipps: Wissen, was man für Telefonie, fürs Heizen, für den Wareneinsatz ausgibt. Alles optimieren, vom Routenplan für einen handwerklichen Einsatz mit dem Lieferwagen über die Lagerhaltung der Produkte bis hin zu Lieferantenkrediten oder Steuern. Mit gutem Beispiel vorangehen, das sei jetzt ebenfalls ein Gebot der Stunde: „Jeder kann sich in diesen schwierigen Zeiten auch persönlich einschränken – bewusst einkaufen, weniger Auto und mehr Öffis nutzen und vieles mehr. Jeder Unternehmer ist ja auch Konsument”, sagt Horak.

Kommunikation ist der Schlüssel

Alle Maßnahmen, die man ergreift, müssten gut und rechtzeitig kommuniziert werden. Langjährige gute Geschäftspartner lassen einander in Krisensituationen nicht im Regen stehen. Kunden verstehen, dass in diesen schwierigen Zeiten der Preis nicht stabil bleiben kann und auch die Mitarbeiter tragen Sparmaßnahmen im Unternehmen mit, wenn sie wissen warum. Wenn das Ziel erreicht ist, ist das ein Grund zum Feiern. „Als Unternehmer kann man sich Schockzustände nicht leisten. Und den Kopf in den Sand zu stecken, ebenfalls nicht”, sagt die Beraterin. Es gibt viele Räder, an denen man drehen kann. Was aus ihrer Sicht auf gar keinen Fall geht, ist dem Treiben des russischen Präsidenten nachzugeben. „Europa muss jetzt zusammenstehen und auf Putins Gas verzichten. Dieses Druckmittel müssen wir unbedingt beibehalten”, sagt Horak.

Stromverbrauch
© Quelle: E-Control, Österreichs Energie

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