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Quälendes Warten auf schnelles Internet

Fast 40 Prozent der Wiener Unternehmen sind mit ihrer Internet-Anbindung nicht zufrieden. Selbst in Betriebsgebieten ist die Versorgung schlecht.

Breitband
© jamesteohart/Shutterstock

Hier gab es nie eine gescheite Breitbandversorgung”, sagt Christian Koller, Chef des Wiener Großhandelsunter-nehmens WISI mit elf Mitarbeitern im Industriegebiet Liesing. Seit 28 Jahren ist der Unternehmer hier am Standort - und hofft, wie viele andere Betriebe in der Gegend, seit Jahren auf schnelles und stabiles Internet. „Die Breitband-Versorgung ist bei uns im Betriebsgebiet seit Jahren ein Top-Thema. Alle berichten das gleiche Drama”, sagt Koller. Sein Betrieb, der auf den Vertrieb von TV-Satellitentechnik spezialisiert ist, sei derzeit mit einer Download-Geschwindigkeit von 10 bis 20 Mb/s (Megabits pro Sekunde) und einer Upload-Geschwindigkeit von 1 bis 3 Mb/s versorgt - lächerlich wenig im Vergleich zu vielen normalen Haushalten in Wien. Die Folge sind im Schnitt 20 Fehlermeldungen pro Tag bei der Übertragung von Daten. „Die laufenden Unterbrechungen verursachen Mehrarbeit”, so Koller. „Dass das Internet stabil rennt, wäre uns das Wichtigste”, sagt Koller. Mit einer baldigen Besserung der Situation rechnet der Unternehmer nicht. Ein Angebot für die Verlegung eines Breitband-Anschlusses bis zu seinem Betrieb hat er sich zwar schon kommen lassen.

„Wenn das Internet nicht mithalten kann, kann uns das Aufträge kosten.”
Verena Kuen, 1030 Innovation Consulting

Doch: Sowohl die Herstellungskosten als auch die laufenden Kosten seien für sein kleines Unternehmen viel zu hoch. „Ich bin schon bereit, 200 Euro pro Monat für Breitband zu zahlen, aber nicht mehr als 900 Euro”, stellt Koller klar. Die Schuld an der schlechten Breitband-Versorgung der Wiener Unternehmen sieht er in der Politik: „Man hat bei den Breitband-Förderungen hunderte Millionen Euro an Steuergeld verschwendet, weil man nicht bedacht hat, dass es wichtiger wäre, zuerst die Unternehmen zu versorgen und dann die privaten Haushalte”, sagt Koller. Viele Private seien zu niedrigen Kosten sehr gut angebunden, weil da viele Abnehmer auf kleinem Raum auf einmal erschlossen werden können. Betriebsgebiete seien für die Anbieter dagegen unattraktiv. Er fordert daher, dass die hohen Anschluss- und laufenden Kosten gefördert werden, damit auch kleine Betriebe Zugang zu Breitband bekommen. „Unternehmen sollten zu einem fairen Preis zu einem vernünftigen Internet kommen”, sagt Koller.

Massive Probleme auch in Hietzing

Große Versorgungsprobleme gibt es auch außerhalb der Betriebsgebiete, etwa in Hietzing, dem Bezirk in Wien mit den meisten Unternehmen, die über schlechtes Internet klagen. Darunter ist auch Verena Kuen, die mit ihrem Unternehmen 1030 Innovation Consulting in der Altgasse angesiedelt ist. „Wir sind mit unserem international ausgerichteten Business besonders betroffen”, sagt die Unternehmerin, die mit ihrer Innovationsagentur einen zeitgemäßen Datenhighway dringend braucht. „Wenn parallel Break-out Sessions laufen, in denen drei Moderatoren in unterschiedlichen virtuellen Räumen eingeloggt sind, an drei verschiedenen virtuellen Whiteboards arbeiten und diese teilen, dann ist unser Internet-Anschluss schnell überlastet. Wir brauchen stabile 100 Mb/s und haben nur 17 Mb/s”, klagt Kuen. Sie behelfe sich derzeit mit zwei Anschlüssen unterschiedlicher Provider. „Das ist aber nur eine Zwischenlösung. Langfristig brauchen wir ein Glasfaserkabel”, sagt Kuen. Für die Zukunft ihres Geschäfts sieht sie große Probleme auf sich zukommen: „Unsere Kunden erwarten von einer professionellen Agentur, dass die Technik funktioniert. Früher war es ok, wenn ein Video mal holprig gelaufen ist.

„Breitband ist ein wichtiger Teil einer funktionierenden Infrastruktur.”
Martin Heimhilcher, Spartenobmann Information & Consulting

Das hat sich geändert. Wer unsere Leistungen zukauft, will einen reibungslosen Ablauf. Wir können so professionell sein, wie wir wollen, wenn dann das Video puffert, dann sieht niemand mehr, wie gut das Video war”, sagt Kuen. Das Problem verschärfe sich zunehmend, weil sich auch die eingesetzten Trainingswerkzeuge rasant weiterentwickeln: „Wenn der Internetanschluss da nicht mithalten kann, kann uns das Aufträge kosten.” Dabei gebe es bereits ein Glasfaserkabel in der Straße. „Es wäre nicht so schwer, das in unser ebenerdiges Büro zu legen. Doch die Anbieter priorisieren sehr stark. Sie gehen lieber in Gebiete, wo sie mit einem Kabel 50 Haushalte erreichen können”, vermutet die Unternehmerin.

Mehr Zusammenarbeit gefordert

„Unternehmen sind in Wien bereits heute gut versorgt”, sagt hingegen Michael Seitlinger, Leiter der Abteilung Regulatory & European Affairs beim Internet- und Mobilfunkanbieter A1. Mit dem mobilen Breitband 5G erreiche man in Wien bereits eine Netzabdeckung von mehr als 80 Prozent. Zusätzlich gebe es das A1-Glasfaser-netz, das rund 60 Prozent aller Wiener Haushalte versorgt, sowie individuelle Lösungen. „Die digitalen Anforderungen der Unternehmen steigen jedoch laufend”, sagt Seitlinger. Das Glasfasernetz werde daher in enger Abstimmung mit der Stadt Wien in allen Bezirken ausgebaut. „Eine Herausforderung in Wien sind sicher die alten Gebäude und deren Inhouse-Verrohrung bzw. Verkabelung”, berichtet Seitlinger. Es wäre natürlich eine Riesenhilfe, wenn Gebäudeeigentümer ihre Gebäude „glasfaserfit” machen würden. Gut wäre es auch, wenn der Breitbandausbau bei allen Maßnahmen der Betreiber und der Stadt mitgedacht werden würde. „Zusammenarbeit ist ein wichtiges Schlagwort in Wien: Wir sind laufend in Kontakt, um Genehmigungen zu vereinfachen, Neubauten und Industriegebiete anzubinden und beispiels-weise Mitlegungen zu ermöglichen”, sagt Seitlinger. Als größer Infrastruktur- und Gebäudeeigentümer in Wien habe die Stadt einen großen Hebel, beim Ausbau unterstützend zu wirken, indem sie eigene Flächen oder Wege bereitstellt oder eine Zusammenarbeit bei stadteigenen Baumaßnahmen aktiv anbietet.

Maßnahmenbündel für Verbesserung

In dieselbe Kerbe schlägt auch Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information & Consulting der Wirtschaftskammer Wien. Vor kurzem ließ er 2500 Wiener Unternehmen aller Branchen zu ihrer Zufriedenheit mit ihrer Internet-Anbindung befragen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Fast 40 Prozent zeigten sich mit ihrem Anschluss unzufrieden, bei jedem Fünften ist das Internet im vergangenen Jahr mehr als zehnmal ausgefallen. „Eine gute Breitband-Anbindung ist ein wesentlicher Teil einer funktionierenden Infrastruktur in einer Metropole wie Wien”, sagt Heimhilcher und fordert eine wesentliche Beschleunigung des Breitbandausbaus durch ein ganzes Bündel an Maßnahmen - von schnelleren Verfahren bis hin zu alternativen Verlege-methoden.

grafik
© wkw

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