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Noch besser werden, um weiter gut zu bleiben

Dass das Konzept der dualen Berufsausbildung in Österreich prinzipiell gut funktioniert, zeigen die jüngsten Erfolge heimischer Nachwuchskräfte bei internationalen Wettbewerben. Aber um das System auch zukunftstauglich zu machen, muss es nachjustiert werden. Die Wirtschaftskammer Wien hat dafür konkrete Vorschläge entwickelt.

Bildung
© Westend61/picturedesk.com

„Mit einer Lehre kann man alles erreichen, was man möchte”, bricht Mario Galler eine Lanze für die duale Berufsausbildung. Aus Überzeugung, begann doch der Direktor des Hotels „Das Capri” in der Leopoldstadt seine Karriere einst selbst als Lehrling. Für ihn ist sie die ideale Basis für einen erfolgreichen Berufsweg. Klar, dass er auch als Führungskraft weiter auf das Konzept Lehre setzt: Fünf seiner insgesamt 30 Mitarbeiter im Hotel sind Lehrlinge. „Fachkräfte werden gebraucht, und es ist der beste Weg, sie selbst auszubilden”, betont Galler.

„Ich weiß aus eigener Erfahrung: Mit einer Lehre ist alles möglich.”
Mario Galler, Hotel „Das Capri”

Auch in der Liesinger Bäckerei Szihn ist die Lehrlingsausbildung fixer Teil der Firmenphilosophie. Alexandra Szihn führt den 80 Mitarbeiter starken Familienbetrieb mit acht Filialen und vier mobilen Verkaufsfahrzeugen gemeinsam mit ihrem Mann Stefan Szihn in zweiter Generation. „Wir brauchen Fachkräfte, also kommen wir an der Lehrlingsausbildung nicht vorbei”, sagt sie. Derzeit werden im Betrieb vier Nachwuchskräfte ausgebildet - drei im Verkauf, einer in der Bäckerei. Vor allem in der Backstube würde man gerne mehr Jugendliche ausbilden, jedoch sei die Lehrlingssuche nicht ganz einfach. „Der Ruf der Lehre ist generell nicht der Beste”, meint Szihn. Imagearbeit greife nur langsam. Konzepte wie Lehre mit Matura seien grundsätzlich zu begrüßen, jedoch: „Diejenigen, die sich das in diesem Alter antun, bleiben dem Handwerk vermutlich nicht erhalten”, ist sie überzeugt.

Erfolgsmodell mit Verbesserungspotenzial

Die Ausbildung in Schule und Betrieb - Kern des Konzepts der dualen Berufsausbildung - findet Szihn grundsätzlich gut. Verbesserungspotenzial gebe es dennoch. Die Unternehmerin würde beispielsweise einen generell geblockten Berufsschulunterricht für alle Berufe vorziehen. „Das erleichtert den Betrieben die Arbeitsplanung, und auch die Lehrlinge könnten sich besser auf die Schule einstellen”, ist sie überzeugt. Kritik übt Szihn auch an den derzeit geltenden Auflösungsbestimmungen für Lehrverhältnisse. „Viel zu bürokratisch.” Eine unterjährige Auflösungsmöglichkeit für Betriebe würde auch den Jugendlichen entgegenkommen, sagt sie. Denn wenn es nicht passe, sei es für beide Seiten besser, das Ausbildungsverhältnis rasch beenden zu können.

Lehre soll für Betriebe und Jugendliche attraktiver werden

Prinzipiell funktioniere das Konzept der dualen Berufsausbildung zwar gut, betont Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck. Das zeigen auch die Erfolge unserer Jung-Facharbeiter bei den Berufsweltmeisterschaften 2019, die Österreich als erfolgreichstes EU-Mitgliedsland beendete. Die Lehrlingszahlen sind zuletzt auch wieder gestiegen. Ende August gab es in Wien 15.435 Lehrlinge, ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.Trotzdem müsse man jetzt nachjustieren, um die Lehre weiterhin attraktiv zu halten - nicht zuletzt auch, um den Facharbeitermangel entgegenzutreten, so Ruck. „Eine moderne Berufsausbildung ist ein wichtiger Standortfaktor.” Die WK Wien hat dafür neun Vorschläge erarbeitet (siehe Info-Kasten rechts). Einer davon ist die unterjährige Auflösungsmöglichkeit von Lehrverhältnissen, wie Unternehmerin Szihn sie befürwortet. Die jetzige Regelung, wonach die Betriebe Lehrverhältnisse nur zum Ende des ersten und des zweiten Lehrjahrs und nach rechtzeitiger Vorab-Verständigung der Lehrlingsstelle auflösen können, sei besonders für Klein- und Mittelbetriebe viel zu formalistisch, sagt auch Maria Smodics-Neumann, die als Obfrau der Wiener Sparte Gewerbe und Handwerk für die Hälfte aller 3200 Wiener Ausbildungsbetriebe spricht. Lehrbetriebe sollten außerdem die Kommunalsteuer für ihre Lehrlinge refundiert bekommen, wie es etwa Eisenstadt oder Gleisdorf bereits vormachen. Mehr Fördergelder für Unternehmen, wenn sie Jugendliche aus überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen übernehmen (z.B. die Hälfte der Jahreskosten für einen überbetrieblichen Ausbildungsplatz), seien ein weiterer wichtiger Schritt, um Steuergeld einzusparen und Ausbilder zu motivieren, so Smodics-Neumann.

Bildungsstandards erreichen statt Schulpflicht abzusitzen

„Um den Jugendlichen einen guten und fairen Ausbildungsstart zu ermöglichen, braucht es ein einheitliches Bildungsniveau”, so die Spartenobfrau weiter. Die WK Wien-Forderungen nach einem verpflichtenden Unterrichtsfach Wirtschaft in allen Schultypen ab der 5. Schulstufe und der Einführung von Mindest-Bildungsstandards seien aktueller denn je. „Ganz wichtige Schritte, um die Ausbildungsreife der Jugendlichen bei Verlassen des Schulsystems zu gewährleisten”, betont Smodics-Neumann. Um die duale Berufsausbildung als gleichwertige Alternative zu weiterführenden schulischen Ausbildungen zu stärken, muss das System Lehre auch für die Jugendlichen attraktiver werden. Die WK Wien macht sich daher für moderne Lehrberufe, flexible Lernformen in der Berufsschule sowie digitale Lernmöglichkeiten und Inhalte in jedem Beruf stark. Nicht zuletzt wäre auch die Erhöhung des Förderangebots für Lehrlinge ein wichtiger Impuls zur Stärkung der Lehre.

 

Die Forderungen der Wirtschaftskammer Wien, um die duale Ausbildung fit für die Zukunft zu machen

A) für Betriebe

  • Refundierung der Kommunalsteuer für Ausbildungsbetriebe: Ersparnis für die Wiener Ausbildungsbetriebe: rund vier Millionen Euro.
  • Ausbau und Sicherung der Förderungen für Ausbildungsbetriebe.
  • Auflösung von Lehrverhältnissen erleichtern: Unterjährige Auflösung ermöglichen, weniger Bürokratie.
  • Mehr Wirtschaftswissen im Schulunterricht: Pflichtfach
    Wirtschaft ab der fünften Schulstufe, Ausbau von Berufsinformation und Bildungsberatung.
  • Bildungspflicht statt Schulpflicht: Einführung von Mindest-Bildungsstandards, die Schüler erreichen müssen, ehe sie das Schulsystem verlassen.

B) für Lehrlinge

  • Mehr Mittel für Lehrlings- und Fachkräftemobilität aus dem EU-Förderprogramm Erasmus+, zusätzlich ergänzen durch Bundesförderungen. Ziel: Mehr Lehrlingen Auslandspraktika zu ermöglichen.
  • Zukunftsorientierte Lehrberufe: Neue Lehrberufe etablieren,
    Modernisierung der bestehenden Lehrbilder fortsetzen, Einbau digitaler Inhalte in alle Ausbildungen.
  • Lehrlings-Stipendium für erwachsene Lehrlinge durch einen Zuschlag zur Lehrlingsentschädigung (z.B. aus dem Topf des Fachkräftestipendiums), damit ältere Lehrlinge leichter ihren Lebensunterhalt bestreiten können.
  • Berufsschule modernisieren:
    Flexibilisierung des Unterrichts durch E-Learning- und Online-Kurse, bauliche Modernisierung aller
    Berufsschulstandorte, flächen-deckende Ausstattung mit digitalen Lernmöglichkeiten.

 


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