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Neue Zielgruppen für Crowdinvesting

Crowdinvesting vollzieht eine rasante Entwicklung. Das Finanzierungsinstrument wird zunehmend beliebt und auch für KMU immer interessanter.

© Florian Wieser v.l.: Paul Pöltner, Martin Heimhilcher, Wolfgang Deutschmann

Kaum eine Finanzierungsform entwickelt sich derzeit so schnell wie Crowdinvesting. Das Aufstellen von Eigenkapital über eine Masse von Menschen wird immer beliebter. Das wurde auch auf der Informationsveranstaltung „Crowdinvesting – The Power oft the Crowd“ der Wirtschaftskammer Wien und der Wiener Sparte Information und Consulting deutlich. „Die heimischen Crowdinvesting-Plattformen haben 2016 über 22,7 Millionen € gesammelt. Das ist mehr als das Doppelte der Summen aus den Jahren 2014 und 2015. 71 Projekte von Unternehmen wurden dadurch finanziert“, sagte Susanne Manauer, Geschäftsführerin der Fachgruppe Finanzdienstleister Wien, auf der Veranstaltung. Wesentlicher Antrieb für diese rasante Entwicklung ist auch das Alternativfinanzierungsgesetz AltFG. Es trat mit 1. September 2015 in Kraft und regelt unter anderem Crowdinvesting. Wesentliche Erleichterungen für die Plattformen sind damit verbunden. „Österreich hat hier eine Vorreiterrolle in Europa eingenommen“, sagte Paul Pöltner, Chef der Crowdinvesting-Plattform Conda und Vorsitzender des Fachausschusses der österreichischen Crowdinvesting-Plattformen.

Die heimischen Crowdinvesting-Plattformen haben 2016 über 22,7 Millionen € gesammelt. Das ist mehr als das Doppelte der Summen aus den Jahren 2014 und 2015. 71 Projekte von Unternehmen wurden dadurch finanziert“
Susanne Manauer, Geschäftsführerin der Fachgruppe Finanzdienstleister Wien

Drei Millionen Euro für Rapid

Conda hat etwa für den Schankanlagenhersteller Beerjet rund 591.000 Euro eingesammelt. Die größte Crowinvesting-Kampagne bisher in Österreich, hat der Fußballverein SK Rapid durchgeführt. Drei Millionen € wurden dabei eingesammelt.  Für Martin Heimhilcher, Obmann der Wiener Sparte Information und Consulting, ist Crowdinvesting „ein additives Produkt“. Heimhilcher: „Wir Unternehmerinnen und Unternehmer wissen, dass es nicht immer leicht ist, eine Bankfinanzierung, sprich einen Kredit, zu bekommen. Crowdinvesting kann durch das Bereitstellen von Eigenkapital den Weg zu einem Kredit wesentlich erleichtern.“Wie sagen Bankenvertreter dazu? „Ich sehe diese Entwicklung sehr positiv, auch weil der österreichische Kapitalmarkt sehr schlecht funktioniert“, sagte Georg Kraft-Kinz, Generaldirektor-Stellvertreter der Raiffeisen Landesbank Niederösterrreich-Wien: „Dabei möchte ich schon betonen, dass Banken das Geld von Kunden verleihen, die sehr risikoavers sind.“

Nicht nur Start-ups

Fest steht jedenfalls, dass sich Crowdinvesting nicht nur rasant entwickelt, sondern auch seine Zielgruppen erweitert. Mittlerweile stehen nicht mehr nur Start-ups im Fokus. Auch für KMU und Old-Economy-Unternehmen wird das gemeinsame Finanzieren von Unternehmen durch die Crowd interessanter. „Wir konzentrieren uns auf den Mittelstand, auf Unternehmen mit Historie, auf Unternehmen mit guter Bonität“, sagt Reinhard Hönig, Chef der Plattform Finnest. Sie hat beispielsweise für den Nahrungsergänzungsmittel-Hersteller Biogena rund zwei Millionen € eingesammelt.

„Ich sehe diese Entwicklung sehr positiv, auch weil der österreichische Kapitalmarkt sehr schlecht funktioniert, dabei möchte ich schon betonen, dass Banken das Geld von Kunden verleihen, die sehr risikoavers sind.“
Georg Kraft-Kinz, Generaldirektor-Stellvertreter der Raiffeisen Landesbank Niederösterrreich-Wien

Was alle Vertreter der Crowdinvesting-Plattformen betonen: Die Unternehmen müssen eine Geschichte erzählen können. Denn die Vermarktung läuft stark über Social Media und Online. „Das funktioniert wenn es eine gute Geschichte gibt. Wichtig ist auch, dass die Unternehmen mit den Investoren kommunizieren“, sagte Wolfgang Deutschmann, Chef der Rockets Holding. Sie hat sich auf die Green Economy, Immobilienentwickler und klassische Unternehmen spezialisiert. Entstanden ist die Plattform durch Bürgerbeteiligungsmodelle von Fotovoltaik-Anlagen.

Eine Risikofinanzierung

Klar ist auch, dass Crowdinvesting eine Risikofinanzierung ist. Kraft-Kinz: „Investoren müssen sich über das Risiko klar sein und dieses auch nehmen.“ Im schlimmsten Fall ist mit einem Totalausfall des Investments zu rechnen. Die Plattformen wählen deshalb die zu finanzierenden Projekte und Unternehmen sehr genau aus, wie Pöltner, Hönig und Deutschmann betonten. Die Story muss passen, die Geschäftszahlen aber auch, eine Vielzahl von Kriterien müssen erfüllt sein, damit die Plattformen ein Projekt annehmen.

Präsentationen Crowdinvesting – The Power oft the Crowd




Fotogalerie: Crowdinvesting – The Power oft the Crowd

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