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Mit Jahresbeginn ändert sich für Unternehmen viel

In knapp sieben Wochen geht das Jahr zu Ende. Für viele Unternehmen lohnt sich nun der Blick auf ihre Finanzen. Was können sie tun, um heuer noch Steuern zu sparen? Und was ändert sich für Unternehmen mit dem neuen Jahr im Steuerrecht? Auf diese zentralen Fragen gaben Experten beim Steuerabend der Wirtschaftskammer Wien umfassend Antwort.

Walter Ruck
© Florian Wieser Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck fordert von der künftigen Regierung die Umsetzung der nächsten Steuerreform-Schritte.

Kleinunternehmer-Paket bringt ab Jänner spürbare Entlastung

Die erste Etappe der Steuerreform ist bereits beschlossen und ab 1. Jänner 2020 wirksam. Profitieren werden vor allem Kleinunternehmer, und zwar durch folgende Maßnahmen:

  • Kleinunternehmer-Pauschalierung: Wer als Einnahmen-Ausgaben-Rechner nicht mehr als 35.000 Euro Umsatz im Jahr macht, kann künftig diese Pauschalierung nutzen. Sie bringt eine deutliche Verwaltungsvereinfachung, weil man dem Finanzamt anstatt einer Steuererklärung nur wenige Daten für die Veranlagung mitteilen muss und unterjährig kein Wareneingangsbuch und Anlagenverzeichnis mehr führen muss. Anschaffungsbelege sollte man dennoch aufheben, auch wenn man sie für die Einkommensteuer nicht mehr braucht.
  • Bei Produktionsbetrieben sind 45 Prozent des Umsatzes pauschal als Betriebsausgabe absetzbar, bei Dienstleistern 20 Prozent. Zusätzlich kann man die Sozialversicherungsbeiträge absetzen und den Gewinnfreibetrag (Grundfreibetrag) nutzen. Im Produktionsbereich kommt man dadurch kaum in den Steuerzahlerbereich. Auch für Dienstleister ist das Pauschale attraktiv. Aber: Man muss sich immer die konkrete Ausgabenstruktur des Betriebs ansehen und sieht dann, ob man mit oder ohne Pauschale besser aussteigt. Das Pauschale kann man erstmals mit der Veranlagung für 2020 in Anspruch nehmen, und zwar auch dann, wenn man die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung nicht nutzt. Die Grenze für letztere wird mit Jänner auf ebenfalls 35.000 Euro angehoben.
  • Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG): Abgesehen von einer kleinen Anpassung im Zuge der Euro-Einführung wurde die GWG-Grenze seit 1982 nicht angepasst. Mit Jänner 2020 erfolgt die Verdoppelung von 400 Euro auf 800 Euro. Auf die Liquidität des Betriebs kann das beträchtliche Auswirkungen haben, weil dann eine Ausgabe im Jahr der Anschaffung als Betriebsausgabe zur Gänze abgezogen werden kann. Die Aufteilung auf mehrere Jahre entfällt.
  • Krankenversicherungsbeitrag: Alle Selbstständigen - egal wie hoch ihr Einkommen ist - zahlen ab 2020 um 0,85 Prozentpunkte weniger Krankenversicherungsbeitrag. Die Erleichterung kommt sofort mit der ersten Vorschreibung.

Für die nächsten Schritte der Steuerreform erwartet die WK Wien die Erhöhung der GWG-Grenze auf 1500 Euro, die Ausweitung des Grundfreibetrags im Rahmen des Gewinnfreibetrags auf 100.000 Euro, die Senkung der Einkommensteuertarife, die Abschaffung der „kalten Progression” sowie die Senkung des Körperschaftsteuer (KöSt)-Satzes.

Erste Bank Österreich-Vorstandsvorsitzender Peter Bosek kritisierte die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).
© Florian Wieser Erste Bank Österreich-Vorstandsvorsitzender Peter Bosek kritisierte die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Änderungen bei der Umsatzsteuer

Wichtige Änderungen gibt es für all jene, die innerhalb des EU-Binnenmarkts mit Waren handeln. So kommt es beispielsweise bei Reihengeschäften zu einer Harmonisierung. Andererseits kommt es aber zu Verschärfungen. Ein ausführlicher Bericht zu diesem Änderungspaket folgt in der nächsten WIENER WIRTSCHAFT.

Neu ab 2020 ist auch der Vorsteuerabzug für betrieblich genutzte E-Bikes sowie der ermäßigte, zehnprozentige Steuersatz auf E-Books und Hörbücher, die dann gleich besteuert werden wie gedruckte Bücher. Außerdem müssen große Vermittlungsplattformen wie Airbnb Vermietungsdaten dem Finanzamt übermitteln. Nach Schätzungen nutzen zirka 770.000 Gäste in Österreich das Airbnb-Angebot pro Jahr, der Großteil der Einnahmen wird dem Finanzamt nicht gemeldet. Das verzerrt den Wettbewerb und schadet dem Staat. 2020 wird das vorbei sein. Dafür hat sich die Wirtschaftskammer Wien jahrelang eingesetzt.

Spätestens 2021 folgt dann auch noch die Abschaffung der Umsatzsteuerbefreiung für Einfuhren mit einem Warenwert von unter 22 Euro aus Drittstaaten. In der EU entsteht durch diese Steuerfreiheit ein Schaden von rund vier Milliarden Euro pro Jahr, in Österreich sind es 120 Millionen Euro. 97 Prozent der 7,5 Millionen Pakete aus China sind bisher
steuerfrei.

Tipps der Experten, wie man heuer noch Steuern sparen kann

Experten der Steuerberatung TPA sagten beim Steuerabend der WK Wien, worauf man noch in diesem Jahr achten sollte. Hier ein Auszug:

  • Gewinnfreibetrag: Bis zu einem Betrag von 30.000 Euro können 13 Prozent des Gewinns steuerfrei gestellt werden. Wer mehr Gewinn hat, kann noch mehr sparen, wenn er noch heuer in bestimmte Wirtschaftsgüter oder in Wertpapiere investiert. Den Gewinnfreibetrag können nur natürliche Personen nutzen.
  • Investitionen: Wer heuer noch Büroausstattung oder einen Computer anschafft, kann eine Halbjahresabschreibung machen und so den Gewinn reduzieren. Anschaffungen zwischen 400 und 800 Euro sollte man besser erst im nächsten Jahr umsetzen, weil sie dann gleich zur Gänze abesetzbar sind.
  • Einnahmen-Ausgaben-Rechner: Wer heuer mit einem sehr hohen Gewinn rechnet, sollte die Honorare für November und Dezember besser erst im Jänner stellen.
  • SVA-Nachzahlung: Wenn eine solche erwartet wird, dann am besten heuer noch freiwillig vorauszahlen, um den Gewinn zu senken. Bestimmte Ausgaben wie z.B. die Miete kann man für das heurige und das nächste Jahr gleich auf einmal zahlen und heuer voll abesetzen.
  • Rechtsform-Check: Passt die Rechtsform noch? Vielleicht wäre eine Personengesellschaft steuerlich besser, wenn man als Einzelunternehmer z.B. den Ehepartner angestellt hat, oder vielleicht wäre eine GmbH besser, wenn der Gewinn schon recht hoch ist. Ein kurzer Check lohnt sich.
  • GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer: Hier sollte man das Betriebsausgabenpauschale bestmöglich nutzen. Die Rückstellung für Pensionszusagen an den Gesellschafter-Geschäftsführer wirkt sich in der GmbH steuermindernd aus.
  • E-Auto: Wenn man es betrieblich oder für die Mitarbeiter anschafft, kann man die Vorsteuer geltend machen. Bis zu einem Anschaffungswert von 40.000 Euro sind sie voll vorsteuerabzugsfähig. Auch für E-Bikes kann man die Vorsteuer abziehen, und man kann sie ohne Sachbezugbesteuerung auch privat nutzen.
  • Sachbezugbesteuerung: Sie setzt beim ursprünglichen Pkw-Anschaffungswert an, auch bei gebrauchten Fahrzeugen. In der Lohnverrechnung werden 2,0 Prozent berücksichtigt bzw. 1,5 Prozent, wenn der CO2-Ausstoß niedrig ist. Diese Sätze können halbiert werden, wenn das Auto laut Fahrtenbuch nicht mehr als 6000 Kilometer im Jahr privat genutzt wird. Wenn der Mitarbeiter einen Kostenbeitrag leistet, sinkt der Sachbezugswert. Gesellschafter-Geschäftsführer mit mehr als 25 Prozent Beteiligung können zwischen einer Verrechnung nach der Sachbezugsverordnung oder Einzelaufstellung wählen.
  • Substanzverluste bei Kapitalvermögen: Einkünfte aus Kapitalvermögen können mit etwaigen Verlusten aus Kapitalvermögen gegenrechnen werden.
  • Sonstiges: Sonderausgaben wie freiwillige Versicherungen oder Spenden sind dem Finanzamt zu melden. Unternehmer müssen den Familienbonus im Rahmen der Steuererklärung aktiv beantragen.

NoVA und Werben

Mit 2020 wird die Normverbrauchsabgabe (NoVA), die bei der erstmaligen Zulassung eines Autos zu bezahlen ist, anders berechnet als bisher. Ursprünglich hätte diese Änderung eine massive Preissteigerung zur Folge gehabt. Durch die Intervention der Wirtschaftskammer wurde diese aber deutlich abgeschwächt.

Neu ist auch die Abgabe auf Online-Werbung bei großen Plattformen wie Google oder Facebook. Ab 1. Jänner 2020 verteuert sie diese dort um fünf Prozent. Auf Werbung in Printmedien sowie im Hörfunk und Fernsehen und auf Plakaten gibt es eine solche Abgabe schon lange - und ebenso lange fordert die WK Wien ihre Abschaffung. Formal ist die neue Abgabe („Digitalsteuer”) von den Leistungserbringern zu bezahlen, also von den Plattformen. Betroffen sind nur große Anbieter. Nur ihre in Österreich erbrachten Leistungen werden besteuert; abgestellt wird dabei auf die IP-Adresse des Nutzers, der die Werbung empfängt. Real werden die werbenden Unternehmen die Kosten zur Gänze tragen; dies ist auch bei der bisherigen Werbeabgabe so.

Bei der Werbeabgabe gibt es eine weitere Änderung: Bisher konnte die monatliche Entrichtung der Werbeabgabe unterbleiben, wenn die Selbstberechnung einen Wert von unter 50 Euro im Monat ergeben hat. Künftige Regelung: Sie kann unterbleiben, wenn die Bemessungsgrundlage im gesamten Jahr 10.000 Euro unterschreitet. Dadurch gibt es eine neue Freigrenze: Wer im Jahr weniger als 10.000 Euro für Werbung ausgibt, zahlt keine Werbeabgabe.

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