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"Je mehr Corona zirkuliert, desto eher gibt es Mutationen“

Der Wiener Facharzt für Virologie, Lukas Weseslindtner, von der MedUni Wien erklärt im Interview, warum die verkürzte Test-Gültigkeit sinnvoll ist, Österreich eine noch höhere Impfquote braucht und ein 1G-Zugang derzeit noch kein Allheilmittel ist.

Lukas Weseslindtner
© MedUni Wien/feelimage

Welche weitere Corona-Entwicklung ist im Herbst aus heutiger Sicht zu erwarten?

Weseslindtner: Prognosen sind immer schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Wahrscheinlich wird es durch die hohe Ansteckungsfähigkeit der Deltavariante weiterhin zu einem starken Anstieg der SARS-CoV-2 Infektionen kommen. Da es noch immer zu viele Nicht-geimpfte in Österreich gibt, könnte das Gesundheitssystem wieder stark belastet werden, vor allem dann, wenn sich in kurzer Zeit viele Nicht-geimpfte anstecken. Da die Geimpften vor schweren Krankheitsverläufen gut geschützt sind, werden die Krankenhauseinweisungen proportional zu den Infektionen nicht mehr so stark steigen, wie wir das von der Vorimpfära kennen.  

Inwiefern begünstigt eine hohe Zahl an Infizierten die Mutationsbildung?

Weseslindtner: Virusvermehrung und Mutation sind gekoppelt. Je stärker SARS-CoV-2 zirkulieren kann, desto wahrscheinlicher werden Mutationen, die dem Virus einen evolutionären Vorteil bringen z.B. eine höhere Vermehrungs- oder Ansteckungsfähigkeit oder Mutationen, die die Erkennung durch das Immunsystem verschlechtern. Auch wenn die derzeit verfügbaren Impfstoffe nicht immer vor einer Infektion schützen, so zeigt eine aktuelle Studie aus Israel, dass die Wahrscheinlichkeit, mit der Geimpfte das Virus an andere weitergeben, signifikant reduziert ist. Auch deswegen sollten so viele Menschen wie möglich bei Anrollen der Deltawelle geimpft sein.   

Wien verkürzt mit September die Gültigkeitsdauer von Corona-Tests. Eine sinnvolle Maßnahme gegen die Verbreitung von Corona?

Weseslindtner: Unbedingt. Denn die Geschwindigkeit, mit der die Viruskonzentration der Deltavariante in einer infizierten Person ansteigt, ist im Vergleich zu den Vorgängervarianten stark beschleunigt. Das bedeutet, das eine negativ getestete Person in einem kürzeren Zeitraum nach dem Test ansteckend werden kann (innerhalb von 48 Stunden). Besonders betrifft dieses Problem die Antigenschnelltests, die im Vergleich zur PCR wesentlich weniger sensitiv sind.   

Warum ist eine hohe Impfquote sinnvoll und wie hoch sollte sie aus medizinischer Sicht sein?

Weseslindtner: Hier wurde immer die Herdenimmunität als Ziel ausgerufen. Dies wäre ein Zustand, in dem die Viruszirkulation durch so viele Immune so stark abfällt, dass auch das Risiko für Nicht-immune deutlich sinkt. Durch die höhere Ansteckungsfähigkeit der Deltavariante gehen Modelle hier von einer erforderlichen Durchimpfungsrate von 80-90% aus. Wahrscheinlich ist die Herdenimmunität gegen die Deltavariante aber gar nicht zu erreichen. Der Grund ist einfach: Man bräuchte diese hohen Schutzraten über einen längeren Zeitraum hinweg und über die Bevölkerung gleichmäßig verteilt. Dadurch, dass die Immunität nach der Infektion oder Impfung wieder abfällt und Nicht-geimpfte sozial und lokal gruppiert sind, ist das kaum zu schaffen.

Ist der zurzeit diskutierte 1G-Zugang (nur für Geimpfte) zu Freizeiteinrichtungen aus medizinischer Sicht sinnvoll oder sorgen getestete Personen für genauso wenig Verbreitungsrisiko?

Weseslindtner: Beim Vergleich der beiden Sicherheitskonzepte entsteht derzeit viel Verwirrung. Lassen Sie mich den Unterschied so erklären: Sind bei einer Veranstaltung alle Anwesenden vollimmunisiert, aber nicht getestet, bleibt ein sehr kleines Restrisiko, dass die Deltavariante dort vereinzelt vorkommt. Aber selbst bei einer Übertragung hätte dies keine wesentlichen Folgen mehr, da sich die Infektion bei den Teilnehmern nur mehr mit milder und kurzer Symptomen manifestieren würde. Solange aber außerhalb der Veranstaltung noch zu viele Nicht-geimpfte herumlaufen, können wir uns aus medizinischer Sicht nicht leisten, dass ein paar wenige infizierte Geimpfte nach der Veranstaltung Nicht-geimpfte anstecken, die in der Folge das Virus wieder massiv verbreiten und schwere Krankheitsverläufe entwickeln können. Anders gesagt: Da noch immer nicht genug Menschen in Österreich geimpft sind, kommen wir um aufwendige PCR-Screening-Testungen nicht herum. Aus virologischer Sicht ist das Problem hierbei aber das Zeitfenster. Nur ein PCR Test am selben Tag der Veranstaltung würde wirklich Sicherheit gewährleisten, das ist aber nur schwer durchführbar.     

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