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Hohe Inflation befeuert Lösungssuche

Was waren und sind die Treiber der Inflation und würden uns Maßnahmen gegen die Teuerung noch teurer zu stehen kommen?

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Der Wiener Wirtschaftskreis lud zur Diskussion mit Wifo-Chef Gabriel Felbermayr. Laut der aktuellen Schnellschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts wuchs die Inflationsrate im Juni weiter auf 8,7 Prozent an - und erreichte damit den höchsten Wert seit 1975. Der Wiener Wirtschaftskreis, Denkfabrik der Wirtschaftskammer Wien, diskutierte daher mit Wifo-Chef Gabriel Felbermayr über die vordergründigen Auslöser der Inflation, die tieferen Hintergründe dafür sowie über mögliche Szenarien, um die Inflationsspirale wieder zu verlangsamen.

Weltweites Rekordhoch bei Inflationsrate

Die Inflation ist extrem hoch - in allen großen Ländern der Welt - mit einigen wenigen Ausnahmen
Gabriel Felbermayr

Nicht nur die Erdölpreise steigen, auch Verbraucherpreise seien betroffen, wie die Kerninflation beweise - so der Experte. Denn: Die gestiegenen Rohstoffpreise wirken sich in weiterer Folge auch auf andere Bereiche aus - das spürt der Verbraucher schließlich beim Einkauf im Supermarkt. „In Österreich und im Euroraum zeigen sich ziemlich ähnliche Entwicklungen mit ein paar Unterschieden, die interessant sind: Die deutliche Steigerungsrate bei Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken etwa hat in der restlichen Eurozone schon im Juli und Dezember begonnen. Man hat hier schon deutliche Preiseffekte im Lebensmittelhandel gesehen, während das in Österreich erst im Jänner/Februar ankam”, schildert er. Interessant sei auch, dass in Österreich seit Anfang Mai 2021 besonders bei Restaurants und Hotels eine hohe Preissteigerungsrate zu beobachten war - ebenso beim Verkehr - während die Faktoren Wohnung, Wasser und Heizen hier weniger als in der Eurozone zum Preisauftrieb beigetragen haben. 

Warnsignale waren bereits früh bemerkbar

Grundlegende Ursache der Inflation sei die ultraexpansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Die Geldmenge sei massiv angewachsen, der schwächelnde Euro hätte zum Inflationsgeschehen beigetragen. „Der Euro war in den letzten zwölf Jahren eine schwache Währung. 60 Prozent der Importe, die wir nach Europa holen, werden nicht in Euro fakturiert, sondern das meiste davon in Dollar”, skizziert Felbermayr die Problematik.

Bereits Anfang 2021 deuteten die hohen Wachstumsraten des PPI auf einen baldigen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus hin. „Schon Anfang 2021, als der Produzentenpreisindex über den Verbraucherpreisindex (VPI) hinauswuchs, hätte man erkennen oder erahnen müssen, dass der Preisdruck längerfristig da sein wird”, so Felbermayr, der davon ausgeht, dass der Anstieg des PPI auch in den nächsten Monaten für weiteren Inflationsdruck sorgen wird.

Konkreter Auslöser der Inflationsdynamik sei neben dem Ukrainekrieg auch die Coronakrise, so der Experte: „Zum einen, haben wir einen Angebotsschock, weil Importe sehr viel teurer werden - das treibt die Kosten nach oben und wir haben auf der Angebotsseite bindende Beschränkungen - manche Sachen kriegt man nicht, Arbeitskräfte sind knapper geworden - in den USA haben wir zum Beispiel den Big Quit, der auch bei uns zu spüren ist.” Gleichzeitig habe man in Österreich aufgrund der massiven Wiederbelebung des Dienstleistungssektors nach Corona Nachfrageschocks. „Vor allem im Tourismus und in der Gastronomie war die Nachfrage groß, die Teuerung in Österreich ist stark aus diesem Sektor gekommen.”

Der Wirtschaftskrieg startete schon früher

Der Ukrainekrieg und damit einhergehend Rohstoffengpässe, Lieferkettenprobleme und Unsicherheiten, haben einen wesentlichen Anteil an der Inflationsdynamik. Und das schon länger, als man vielleicht vermuten würde - so Felbermayr: „Der Angriffskrieg hat im Februar seinen Anfang genommen, der Wirtschaftskrieg hat aber schon im Sommer 2021 begonnen. Denn es sind schon damals durch die Nicht-Füllung von Speichern die Märke in Angst und Schrecken geraten und das hat damals schon zu enormen Preisschüben geführt”, erklärt er. 

Niedrige Exporterlöse und Engpässe bei Arbeitskräften

Eine wichtige Kennzahl für das Inflationsgeschehen in Österreich sind zudem die sogenannten „Terms of Trade” - der Preis der Exporte relativ zum Preis der Importe. „Was wir exportieren wird relativ zu dem was wir importieren gerade sehr viel günstiger. Das ist aber gerade für den Standort keine gute Nachricht, denn am Ende heißt das, dass Wohlstandsverluste entstehen, weil wir für die Waren, die wir im Ausland verkaufen, im Vergleich zu dem was wir importieren müssen, weniger erlösen”, schildert Felbermayr die negative Entwicklung.

Auf der Suche nach möglichen Lösungen

Dass eine ultimative Lösung in der Geldpolitik des Euroraums zu finden sei, bezweifelt der Experte. „Wir haben eine unglaubliche Heterogenität innerhalb des Euroraums: In Frankreich haben wir eine Inflationsrate von 5,8 Prozent, in Estland liegen wir bei 21 Prozent. Der Unterschied zwischen dem niedrigsten und dem höchsten beträgt zurzeit 14 Prozentpunkte.”

Energie sparen und Merit-Order-Prinzip anpassen

Handlungsspielraum sieht der Wifo-Chef beim Thema Energiesparen. Erhebliche Einsparungsmöglichkeiten gebe es in vielen Betrieben, vor allem aber auch bei privaten Haushalten. „Hier könnte man noch stärker mit Anreizen  - etwa mit einem Energiesparbonus - arbeiten, damit kostbares Gas am Ende nicht verschwendet wird”, erklärt er. Auch beim Merit-Order-Prinzip, das aktuell dazu führt, dass die Strompreise explodieren gibt es Handlungsbedarf. „Hier wäre es sicher sinnvoll, die Gaspreise für die Verstromung zu deckeln - das müsste aber europaweit umgesetzt werden.” Das Merit-Order-Prinzip (im Großhandel) besagt, dass die Grenzkosten des letzten Kraftwerks, das zur Deckung des Strombedarfs benötigt wird, den Preis bestimmt. Da Österreich seinen Strombedarf nicht zu 100 Prozent erneuerbar erzeugt, ist dies meist ein Gaskraftwerk. Aufgrund der hohen Gaspreise erhöhen sich so auch die Strompreise.”

EU-weite Zusammenarbeit nötig

Gemeinschaftliche, europaweite Lösungen brauche es nun in vielerlei Hinsicht, ist Felbermayr überzeugt. „Wichtig wäre es jetzt, sich gemeinsam auf die Gasmangellage vorzubereiten, gemeinsam Gas einzukaufen und gemeinsam zu überlegen, wo schaltet man ab, wenn es knapp wird - anstatt das - wie es jetzt passiert - separat zu machen.” Als kurzfristige Maßnahme, um der Inflationsentwicklung entgegenzuwirken, schlägt der Experte die Abschaffung von Importzöllen vor, sowie die Schließung von Lücken im Gasnetz. Hilfreich seien aktuell auch Unterstützungsmaßnahmen wie das Antiteuerungspaket - obwohl sie die Inflation noch weiter antreiben. „So lange die Dinge so sind wie sie sind, verschiebt man die Last nur - aktuell ist es wichtig, den Wirtschaftsstandort über die Runden zu bringen,” betont er. Ansonsten seien Österreich und insbesondere Wien aufgrund der genannten nicht beeinflussbaren Faktoren die Hände gebunden: „Die Geldpolitik wird nicht in Wien gemacht, der Wechselkurs zum Dollar wird nicht in Wien beeinflusst und die Entscheidung darüber, was in der Ukraine passiert, liegt leider auch nicht bei uns.”


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