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Heißes Eisen Parkpickerl

Die Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung auf ganz Wien macht dem bisherigen „Park-Fleckerlteppich” ein Ende. Die Wirtschaftskammer Wien fordert aber eine Erweiterung der Servicekarte für Betriebe.

Parkraumbewirtschaftung
© Florian Wieser

Wien Floridsdorf, ein Dienstagvormittag beim Wasserpark. Eine durchaus beschauliche Wohngegend in unmittelbarer Nähe der Alten Donau und mit guter Öffi-Anbindung. Weniger beschaulich wird es, wenn man hier einen Parkplatz sucht. Die Straßen sind dicht verparkt, Stoßstange reiht sich an Kühlergrill. Ein Blick auf die Kennzeichen lässt vermuten: So mancher Nicht-Wiener stellt hier sein Fahrzeug ab, um für die Fahrt ins Zentrum auf das öffentliche Wiener Verkehrsnetz umzusteigen. Möglich, solange Floridsdorf noch kein Parkpickerl hat. Dass Parkplätze hier heiß begehrt und damit immer knapp sind, ist nicht nur für die Anwohner ein Ärgernis, sondern auch für die ansässigen Betriebe. „Es ist ein Krampf”, sagt Richard Lender, der seit gut 30 Jahren in der Schöpfleuthnergasse einen Installateurbetrieb führt. Der Familienbetrieb mit vier Mitarbeitern ist auf Service, Reparatur und Austausch von Gasheizgeräten spezialisiert. Einen firmeneigenen Parkplatz für die fünf Servicefahrzeuge des Unternehmens gibt es nicht, Lender ist auf öffentliche Parkplätze angewiesen. Jedes Mal eine Herausforderung, wie der Unternehmer sagt. „Die Techniker kommen um 16 Uhr vom Kunden zurück, da haben sie kaum eine Chance, in der Nähe eine Parklücke zu finden”, bestätigt auch Lenders Sohn Dominik, der den Betrieb im Lauf dieses Jahres übernehmen wird.

Park-Vorrang für Servicefahrzeuge

Mit dem flächendeckenden Parkpickerl, das ab März für ganz Wien - und damit auch für Floridsdorf - gilt, erwartet Installateur Lender eine deutliche Entspannung der Parksituation in seinem Grätzel. Trotzdem steht er dem Ganzen auch kritisch gegenüber. Der Unternehmer beklagt die Bürokratie und Kosten, die das Parkpickerl für seine fünf Firmenfahrzeuge verursacht. „Das wird sich in den Kundenpreisen niederschlagen müssen”, fürchtet er. Was ihn aber am meisten stört: „Das Parkpickerl ist ja keine Garantie, dass ich beim Kunden dann einen Parkplatz finde.” Gerade für seine Branche sei es wichtig, die Serviceautos immer ganz in der Nähe zu haben. „Unsere Werkzeugtaschen wiegen oft gut 20 Kilo. Weite Fußwege sind damit nicht zumutbar.” Er sehe ja ein, dass Parken in der Stadt etwas kostet. Für Firmen wie seine, die darauf angewiesen sind, in unmittelbarer Nähe ihres Einsatzortes parken zu können, müsse es aber einen Ausgleich geben, meint der Unternehmer. Sein Wunsch: Weil die Parkplätze wienweit immer weniger werden, sollten Servicebetriebe bei der Nutzung des öffentlichen Parkraums Vorrang erhalten.

„Die Servicekarte+ verhindert klimaschädliche Leerfahrten.”
Davor Sertic, Obmann Transport & Verkehr

Wirtschaft fordert Servicekarte+

Ein differenziertes Urteil zur flächendeckenden Parkraumbewirtschaftung fällt auch Davor Sertic, Obmann der Sparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer Wien. Prinzipiell sei es gut, dass eine einheitliche und flächendeckende Parkraumbewirtschaftung eingeführt wird. Sertic beklagt aber, dass bei dem geplanten Modell die Wirtschaft vergessen wurde. „Für die vielen klein- und mittelständischen Betriebe bedeutet die neue Regelung auch mehr Kosten und Aufwand, dazu oft noch klimaschädliche Leerkilometer.” Denn: Bisher haben viele Unternehmen - vom Behindertentransport bis zum Abschleppunternehmen- ihre Fahrzeuge direkt im Einsatzgebiet abgestellt. „Mit der neuen Parkraumbewirtschaftung ist das Parken aber nur noch im Bezirk des Betriebsstandorts möglich”, erklärt Sertic. Müssen die Fahrzeuge täglich an den Firmenstandort zurückkehren und von dort wieder starten, verursache das viele unnötige Leerfahrten. Die WK Wien fordert daher die Einführung einer Servicekarte+ für transportierende Betriebe. Mit dieser könnten Unternehmer und Mitarbeiter die Firmenfahrzeuge überall dort parken, wo sie benötigt werden, ohne auf die Höchstparkdauer achten zu müssen und auch über Nacht. Denn eigentlich will die flächendeckende Kurzparkzone ja genau das vermeiden: Mehr Verkehr, Staus und höheren CO2-Ausstoß. Das von der WK Wien geforderte Modell der Servicekarte+ ist laut Sertic die „einfachste und fairste Möglichkeit für Unternehmen, weiterhin wienweit und bestmöglich zu arbeiten”.

Servicekarte+
© wkw

Leerfahrten werden zur Tagesordnung

Bestmöglich arbeiten - das würde Günter Bauer auch gerne. Der Betriebsleiter der T1 ABW Abschleppdienst GmbH mit Standort im 22. Bezirk sieht auf sich und seine Branche große Probleme zukommen. Das Unternehmen ist seit Jahrzehnten im Abschlepp- und Pannendienst tätig. „Wir parken aus Effizienz- und Umweltgründen unsere Fahrzeuge außerhalb der Betriebszeiten direkt in den jeweiligen Einsatzgebieten. Dadurch kann auf Einsätze schneller reagiert und unnötige und für alle Beteiligten unzumutbare Leerfahrten können verhindert werden”, so Bauer. Der Ablauf im Unternehmen sei derzeit für alle klar und überschaubar: Die Fahrer sind so eingesetzt, dass sie im Süden und Westen von Wien nach Dienstschluss mit ihrem Abschlepp-/Pannenfahrzeug stehen bleiben, um am nächsten Tag in der Früh gleich einsatzbereit zu sein - ohne vorher in die Firma fahren zu müssen, um ihr Fahrzeug zu holen. „So können sie dem täglichen Mega-Stau auf der Südosttangente sowie im 22. Bezirk stadteinwärts entgehen.” „Nach Dienstende stehen die Lkw vier Nächte lang in der Nähe des Fahrers wegen der Parkscheinregelung bis 19 Uhr oder in Bezirken ohne Parkraumbewirtschaftung”, sagt Bauer. Zudem müssen schwere Lkw laut Straßenverkehrsordnung zwischen 22 und 6 Uhr in mehr als 25 Meter Entfernung von Wohnhäusern geparkt werden. Am Freitag werden die Abschleppfahrzeuge dann zum Heimatstandort zurückgebracht. „Ab 1. März müssen nun alle unsere Fahrer aus den diversen Bezirken von daheim in die Firma fahren, um dort das Dienstfahrzeug bzw. den Lkw abzuholen und mit dem morgendlichen bzw. dann auch abendlichen Staus ihre Einsätze zu erledigen. Das kostet enorme Zeit und der Verkehr wird zusätzlich belastet”, erklärt Bauer. Das nächste Problem seien die Bereitschaftsdienste nach 18 Uhr und am Wochenende, bei denen Fahrer bisher mit dem Lkw daheim in Bereitschaft warten, bis ein Einsatz an sie vergeben wird. „Zukünftig müssen dann diese Fahrer zuerst in die Firma kommen und ihr Einsatzfahrzeug abholen, um dann den Auftrag zu erledigen. Danach, sofern nicht gleich wieder ein neuer Auftrag an ihn weitergegeben wird, sollte der Fahrer wieder nach Hause fahren und warten, bis irgendwann wieder ein neuer Einsatz nötig ist. Das ist für Werktage, wo die flächendeckende Kurzparkzone gilt, eine nicht effiziente Lösung, da sowohl Verkehr als auch Umwelt zusätzlich belastet werden.” Bauer befürchtet, dass viele der Fahrer aufgrund der neuen Regelung kündigen oder von anderen Branchen abgeworben werden. „Auch in unserer Branche gibt es einen Mangel an Lenkern, die über den Führerschein C verfügen müssen. Ob das alle mitmachen, dass sie früher aufstehen müssen und später nachhause kommen, ist fraglich”, betont er. Er wünscht sich daher ein Parkpickerl für transportierende Wiener Unternehmen, das in allen Wiener Bezirken gilt. „Die Servicekarte+ wäre somit für uns eine gute Lösung, um das zu tun, was wir gerne tun, unseren Job”, ist Bauer überzeugt.

Ausnahmeregelungungen sind dringend notwendig

Dass die Mitarbeiter umständliche und zeitaufwändige An- und Abfahrtswege nicht mehr mitmachen, befürchtet auch Thomas Haller, Geschäftsführer von Haller Mobil. Das Unternehmen bietet mit 120 Fahrzeugen Kranken-, Schüler- und Behindertentransporte an. Die Lenker der Kleinbusse bis 3,5 Tonnen wurden so eingeteilt, dass sie in der Nähe des Einsatzgebietes wohnen und schnell beim Kunden sein können. „Was ist nun, wenn der Kunde im 3. Bezirk wohnt und der Lenker bei jedem Einsatz den Kleinbus in der Früh vom Firmenstandort im 22. Bezirk abholen und am Abend wieder leer zurückbringen muss?”, fragt sich der Unternehmer. Das sei eine unzumutbare Situation für die Mitarbeiter. „Die müssen dann in ihrer Privatzeit noch stundenlang quer durch Wien fahren. Und der Job ist physisch als auch psychisch fordernd genug”, so Haller, der darüber hinaus befürchtet, dass die Maßnahme ohne Ausnahmeregelung dem Unternehmen laut eigenen Berechnungen jährlich zwischen 200.000 und 250.000 Euro kosten wird. Ein weiteres Argument sei der Klimaaspekt und dass für die zu befördernden Kunden längere Wartezeiten entstehen - und natürlich würden die Transporte dann auch teurer werden. „Wir, und da spreche ich für alle Fahrtendienste, brauchend dringend eine Ausnahmeregelung wie die Servicekarte+. Sonst haben wir den absoluten Supergau aus ökonomischer, menschlicher und klimatechnischer Sicht.”

Wirtschaft drängt auf Nachbesserung

Die WK Wien will daher noch Nachbesserungen im Sinn der Wirtschaft erreichen - möglichst bis zum 1. März - und setzt dafür auf intensive Gespräche mit der Stadtverwaltung. Es gehe jetzt darum, eine gute und praktikable Lösung für jene Branchen zu finden, denen das flächendeckende Parkpickerl in der geplanten Form ihre Arbeit unnötig und über Gebühr erschweren würde, betont Sertic: „Die Servicekarte+ für die Unternehmen ist eine einfache, pragmatische Lösung, damit die neue flächendeckende Parkraumbewirtschaftung nicht gleich zur klimaschädlichen Umweltbelastung durch sinnlose Leerkilometer wird. Wir sind in Kontakt mit der Stadt, um hier Lösungen zu finden.”

Parkraumbewirtschaftung
© wkw

 

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