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Drogerien:Gutes für Körper, Geist, Seele und mehr

Kleine können neben großen Ketten erfolgreich bestehen, wenn sie sich als Spezialisten positionieren

© Österr. Drogistenverband

Eveline Schilling öffnet ein Glas mit frischen Kümmelkörnern. „Da müssen Sie dran riechen. Mit einem abgepackten Produkt ist das nicht zu vergleichen”, sagt die Seniorchefin der „Drogerie Eveline” in der Landstraßer Wassergasse, gegründet 1949 von ihrem Vater. Gewürze, Kräuter und Tees lagern hier in großen Gläsern und Laden und werden für die Kunden nach Bedarf eingewogen. „Wir führen aber auch Nahrungsergänzungsmittel, Chemikalien, Insektizide und Spezialkosmetika”, sagt Andrea Schilling, die die Drogerie am 1. April von ihrer Mutter übernommen hat. Schon als Kind war sie von dieser Welt der Kräuter, Essenzen, Salben, Kosmetika und Tinkturen fasziniert.

„Ich wusste schon mit elf Jahren, dass ich Drogistin werde”
Andrea Schilling, Drogerie Eveline”

Ohne Umwege hat sie diesen Berufswunsch auch realisiert und vom Beginn der Lehrzeit bis zum heutigen Tag immer im Familienunternehmen gearbeitet. Die Drogerie habe viele treue, aber auch laufend neue Kunden. „Wir haben vieles, was sonst niemand hat”, verrät Schilling eins ihrer Erfolgsgeheimnisse. Tiroler Steinöl-Produkte etwa, oder Schafmilchkosmetika und andere Spezialprodukte für Haut, Haar und Schönheit. Wie ihre Mutter weiß sie genau um deren Wirkung und Anwendung Bescheid und nimmt sich Zeit, ihre Kunden ausführlich zu beraten. „Dafür sind geprüfte Drogisten auch ausgebildet”, betont sie.

Mehr Geschäfte, weniger Betriebe

Als Jungunternehmerin ist Andrea Schilling in der Branche eher die Ausnahme. Wien sei zwar gut versorgt mit Drogerien, die Zahl der Geschäfte steigt sogar leicht, sagt Branchensprecher Helmut Bogner. „Das ist aber ausschließlich auf die Expansionspolitik der großen Filialisten dm und Müller zurückzuführen”. Auf sie entfällt mehr als ein Drittel der knapp 300 Drogeriegeschäfte in Wien. Die dahinter stehenden Unternehmen werden dagegen immer weniger. Zwischen 2001 und 2006 sank ihre Zahl von 114 auf 77, bis Ende des Vorjahres weiter auf 47. Größte Konkurrenten der klassischen Drogerien, wie sie bis in die 1980er Jahre gang und gäbe waren und wie sie Andrea Schilling noch betreibt, sind die Supermärkte, die neben Kosmetika und Reinigungsmitteln mittlerweile auch Reformkost und Bioware anbieten.

„Als Kleinbetrieb darf man sich auf keinen Preiskampf einlassen”
Gerhard Fischler,  Chef der Drogerie Wilhelm Neuber’s Enkel

„Die Kleinen behaupten sich am besten als Spezialisten”, sagt Bogner. Florierende Drogerien seien heute Nischenplayer, in einem Teilsegment wie Gesundheit und Ernährung, oder mit Produkten abseits der Massenware wie Schilling. Neben Spezialisierung sei auch die kompetente Beratung eine Stärke der Kleinen, sagt auch Gerhard Fischler, Chef der Drogerie Wilhelm Neuber’s Enkel in der Linken Wienzeile. „Auf einen Preiskampf darf man sich dagegen nicht einlassen”, betont der Bundes- und Wiener Gremialobmann des Parfümerie- und Drogerie-Einzelhandels. Schnell drehende Massenprodukte, die über den Preis verkauft werden, solle man daher besser den Supermärkten und Drogeriemarktketten überlassen. Mit 19 Mitarbeitern zählt Fischlers 152 Jahre altes Unternehmen nicht mehr zu den ganz kleinen Drogerien. Spezialisiert ist man aber auch hier, vor allem im Bereich Chemikalien. „Dafür sind wir bekannt”, sagt er. 1500 Chemikalien liegen in den Lagerräumen des Unternehmens, darunter echte Raritäten wie das Naturharz Drachenblut oder Schellacke. Nicht minder spezialisiert, aber in einem ganz anderen Segment ist Anda Dinhopl, Chefin der Kräuterdrogerie in der Josefstädter Kochgasse. Das Geschäft existiert bereits seit 1793, Dinhopl kam vor 30 Jahren hierher, um vegetarisch kochen zu lernen, wie sie sagt. „Und bin geblieben.” Sie absolvierte die Drogistenlehre, 2009 übernahm sie den Betrieb. Mit neun Mitarbeitern verkauft sie hier vor allem Tees, Kräuter, Gewürze und Nahrungsergänzungsmittel, aber auch ätherische Öle und Naturkosmetika. Auch gekocht wird in der Kräuterdrogerie - es gibt täglich einen gesunden Mittagsimbiss. Ihre Kunden - vier Fünftel davon Frauen - sind „Menschen, die bewusst und nachhaltig einkaufen wollen und sich für Heilpflanzen interessieren”, sagt Dinhopl. Ein sorgfältig ausgewähltes, vielfältiges Angebot und gute Beratung nennt sie als ihre wichtigsten Erfolgsfaktoren. Und Authentizität. „Ich führe und empfehle keine Produkte, die ich nicht wirklich schätze. Das gilt auch für meine Mitarbeiter”, betont die Unternehmerin.

Ich führe nichts, was ich selbst nicht wirklich schätze”
Anda Dinhopl, Chefin der Kräuterdrogerie in der Josefstädter Kochgasse

Die Fachkompetenz hervorheben

Neben Bio-Supermärkten sieht Dinhopl ihre größte Konkurrenz mittlerweile im Online-handel. Fachberatung gibt es dort allerdings nicht. Gerade die sei aber in der Drogerie das Um und Auf, sagt Bogner, und verweist auf die umfangreiche Ausbildung während der dreijährigen Lehrzeit: Arzneimittel-, Chemikalien-, Drogenkunde, Botanik und Ernährungslehre - all das gehört zum Lehrplan. Wer selbst eine Drogerie führen möchte, muss dazu eine Befähigungsprüfung ablegen. Den Kunden sei oft nicht bewusst, was der Drogist alles wisse, klagt Bogner. „Der Beruf ist unterbewertet, unser Fachwissen wird unterschätzt.” „Drogisten wissen mehr” heißt deshalb der aktuelle Werbeslogan der Berufsgruppe, zu dem es auch eine eigene Info-Homepage gibt An Lehrlingen mangelt es der Branche übrigens nicht: Derzeit werden in Wien 109 Drogistenlehrlinge ausgebildet - die meisten in der Drogeriekette dm, der Bogner und Fischler dafür großes Lob zollen. „Die leisten wirklich viel für den Fachkräftenachwuchs.”

Branchenfakten

  • Der Drogerie-Einzelhandel ist ein reglementiertes Gewerbe, die selbstständige Ausübung an einen Befähigungsnach weis gebunden

  • Ende 2016 gab es in Wien 47 Drogeriefachbetriebe mit knapp 300 Standorten.

  • Derzeit gibt es in Wien 109 Drogistenlehrlinge, die meisten davon (92) in der Drogeriekette dm.


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