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Genuss ist mit dem Vor-Ort-Erlebnis verbunden

Kleine Betriebe, die Besonderes bieten, werden auch künftig gute Marktchancen haben, ist Wiens Gremialobfrau Margarete Gumprecht überzeugt. Kulinarische Genusserlebnisse könne man sich nicht übers Internet holen.

Gumprecht
© Praxmedia Robert Prax

Von großen Supermarktketten mit vielen Filialen über Fachhändler bis zu kleinen Greißlern: Der Wiener Lebensmittelhandel ist nicht nur in seinem Angebot, sondern auch strukturell breit aufgestellt. Für das Landesgremium als seine Interessenvertretung durchaus eine Herausforderung. Obfrau Margarete Gumprecht betont das Verbindende. „Nahversorgung und Genuss sind die Themen, die uns alle betreffen.”

„Die Menschen wollen ehrliche Produkte genießen.”
Margarete Gumprecht, Gremialobfrau

Aufgabe des Gremiums sei es, die Betriebe im Alltag zu unterstützen. Angeboten werden Gratisschulungen zu Hygiene, Allergenen und Erster Hilfe, Beratung in Rechtsfragen und Begleitung bei Behördenwegen. Dazu gibt es immer wieder Marketingaktionen wie Gratis-Tragetaschen für die Mitglieder oder das regelmäßig erscheinende Genuss-Magazin, das die Betriebe an ihre Kunden weitergeben können. Ebenso wichtig ist laut Gumprecht die Interessenvertretungsarbeit, etwa die Mitsprache bei Gesetzen. Dabei gehe es oft darum, praktikable Ausnahmen für kleine und Kleinst-Betriebe zu erreichen.

Eine Strategie, die allen nützt

Die Koexistenz von groß und klein funktioniere in der Branche ganz gut, sagt Gumprecht. „Die großen Ketten können zum Beispiel die Spezialisten-Ecke weniger gut bespielen. Hier ist die Chance für kleinere.” Das Gremium hilft bei der Profilierung als Spezialist - etwa mit der B2B-Messe  „Genuss statt Masse”, bei der kleine Spezialitätenerzeuger aus Österreich auf Wiener Lebensmittelhändler treffen. Damit schaffe man laut Gumprecht eine Win-win-Situation für alle: Die Erzeuger können ihre Vertriebskanäle ausbauen, die Händler ihr Angebot um Besonderheiten erweitern, die es im Supermarkt nicht gibt - und damit konsumentenseitig genau den Nerv der Zeit treffen. Denn: „Die Menschen wollen ehrliche Produkte genießen, möglichst regional erzeugt,” sagt die Obfrau. Für Jänner 2020 ist die dritte Auflage der „Genuss statt Masse”-Messe geplant. Ihr sei es wichtig, für die Betriebe und die gesamte Branche etwas bewegen zu können. Dass Lebensmittel bald nur noch online geordert werden und alle Kleinbetriebe mittelfristig auf der Strecke bleiben, fürchtet Gumprecht nicht. „Das haptische Genusserlebnis beim Einkauf - Sehen, Riechen, Schmecken, auch die persönliche Beratung, kann man sich nicht übers Internet holen.” Mit den Chancen der Digitalisierung solle sich dennoch jeder Betrieb beschäftigen. Hier sieht Gumprecht Nachholbedarf, räumt aber ein: „Vielen unserer Mitglieder fehlt im Alltag schlicht die Zeit dazu.”

Branche bildet viele Lehrlinge aus

Mit 1700 Lehrlingen ist der Lebensmittelhandel ein wichtiger Ausbilder, wobei besonders die großen Betriebe dazu wichtige Arbeit leisten, wie die Obfrau betont. Das Gremium unterstützt mit Gratis-Lernmaterialien und Prüfungsvorbereitungskursen. Besonders gute Absolventen sowie engagierte Ausbildungsbetriebe werden belohnt. „Lehrlinge, Fachkräfte und Betriebe bekommen von uns volle Unterstützung”, betont Gumprecht.



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