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Für die Tourismusbetriebe geht es um die Existenz

Dass Wien nun vielerorts als Corona-Risikogebiet gilt, ist für die Tourismusbetriebe eine Katastrophe. Dazu kommen Verschärfungen für Gastronomie und Events.

Reisewarnungen : Für die Wiener Stadthotellerie sieht es jetzt düster aus. Ohne Hilfe geht vielen Betrieben - und hier vor allem den kleineren Privathotels - demnächst wohl endgültig der finanzielle Atem aus.
© Dmitry Kalinovxky/Shutterstock Reisewarnungen : Für die Wiener Stadthotellerie sieht es jetzt düster aus. Ohne Hilfe geht vielen Betrieben - und hier vor allem den kleineren Privathotels - demnächst wohl endgültig der finanzielle Atem aus.

Zuerst die Schweiz, dann Deutschland, Belgien, Dänemark, die Niederlande: Mit blankem Entsetzen reagierte die Wiener Tourismuswirtschaft, als in den letzten Tagen gleich mehrere Länder wegen der steigenden Corona-Erkrankungen Reisewarnungen für Wien oder gleich ganz Österreich ausgesprochen haben. Eine Stornowelle in den ohnehin schwach gebuchten Stadthotels war die Folge. Seit dem Wiedereröffnen nach dem Corona-Lockdown waren Touristen aus deutschsprachigen Ländern die wichtigste Zielgruppe. Für die Hotellerie ist diese Entwicklung existenzbedrohend. Fachgruppenobmann Dominic Schmid spricht vom „Todesstoß” für die Branche Große Hotels wie das „Sacher” bauen bereits Mitarbeiter ab. Für Gastronomie, Eventbranche und Tanzschulen sind die wegen des Anstiegs der Corona-Fälle verhängten neuen Beschränkungen ein empfindlicher Rückschlag Dazu dürfte auch die Ballsaison heuer komplett dem Coronavirus zum Opfer fallen. Für die Nachtwirtschaft, die mit 4300 Betrieben und 24.000 Mitarbeitern ein nicht zu vernachlässigender wirtschaftlicher Faktor in Wien ist, fehlt weiterhin jegliche konkrete Perspektive. Reisebüros, Fremdenführer, Fiaker - die Einschränkungen im Reiseverkehr treffen noch viele weitere Branchen aufs Empfindlichste.

Spartenobmann warnt vor den Langzeitfolgen

„Die gesamte Branche der Tourismus- und Freizeitwirtschaft ist getroffen, von Hotellerie über Gastronomie bis zu den Eventveranstaltern oder den Fremdenführern und Tanzschulen - es gibt keine Lichtblicke. Und wenn es welche gab, sind sie durch die letzten Entwicklungen wieder erloschen”, bilanziert auch Markus Grießler, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. Und er warnt auch vor den Langzeitfolgen.

„Wir werden unsere Hotelbetten wieder benötigen, nicht nächstes Jahr, aber irgendwann wieder. Denn wenn wir diese Kapazitäten nicht mehr haben, fallen viele Gäste weg - und damit auch der Umsatz in anderen Branchen, wie Gastronomie oder Kunst und Kultur.”
Markus Grießler

Als erstes wäre, so Grießler, Wiens Status als führende Kongress-Destination akut gefährdet. „Die Betriebe sind unverschuldet in diese tiefe Krise geraten. Wir brauchen die solidarische Unterstützung von Politik und Bevölkerung, um die Tourismusbranchen zu retten”, lautet der Appell des Tourismus-Obmanns.

Hotellerie: „Das ist der Todesstoß”

Dominic Schmid, Obmann der Wiener Fachgruppe Hotellerie
© Florian Wieser Dominic Schmid, Obmann der Wiener Fachgruppe Hotellerie

„Bis jetzt war die Wiener Hotellerie in einer wirtschaftlichen Krise, jetzt ist es eine Katastrophe”, macht der Obmann der Wiener Fachgruppe Hotellerie, Dominic Schmid, deutlich. Die Stadthotellerie litt unter dem Ausbruch der Corona-Pandemie generell stärker als die Ferienhotels. Während Häuser in ländlichen Tourismusregionen im Sommer gut ausgelastet waren, lag die Auslastung der Wiener Hotellerie im Juni unter zehn Prozent. Die Hälfte der Häuser hatte überhaupt geschlossen. Für Herbst und Winter begann sich gerade eine leichte Besserung abzuzeichnen. „Der Wegfall der deutschen Gäste ist nun der Todesstoß”, sagt Schmid. Er schätzt, dass 80 Prozent der vorhandenen Buchungen jetzt storniert werden. Die ohnehin schon angeschlagene Branche könne das nicht durchstehen, vielen Hotels drohe jetzt das endgültige Aus, sagt Schmid. „Die Rücklagen sind aufgebraucht.” Er weist auf die Folgen für ganz Wien hin: „Am Tourismus in Wien hängen 90.000 Arbeitsplätze und vier Milliarden Euro Wertschöpfung.” Die Hotellerie fordert daher vehement den Fixkostenzuschuss Phase II, dessen Start derzeit noch an der fehlenden Genehmigung durch die EU scheitert, und ein taugliches Kurzarbeitsmodell ohne die vorgesehene Mindestarbeitszeit. „Denn anders hilft uns die Kurzarbeit nicht, wenn die Hotels mangels Gästen geschlossen sind”, so Schmid.

Gastronomie: „Für uns wie der zweite Lockdown”

Peter Dobcak, Obmann der Fachgruppe Gastronomie
© Florian Wieser Peter Dobcak, Obmann der Fachgruppe Gastronomie

Seit Anfang dieser Woche gelten wieder verschärfte Corona-Schutzmaßnahmen in der Gastronomie. Nicht nur die Servicemitarbeiter, auch die Gäste müssen Mund-Nasen-Schutzmasken tragen, ausgenommen am eigenen Sitzplatz. Dazu kommt die Beschränkung von privaten Feiern auf maximal zehn Personen und die Untersagung des Barbetriebs. „Natürlich tragen wir die erneuten Maßnahmen aus gesundheitlichen Gründen mit, aber für uns sind die erneut verschärften Regeln wie ein zweiter Lockdown”, macht Gastro-Obmann Peter Dobcak klar. Herbst und Winter sind für die Branche die stärksten Saisonen mit Weihnachtsfeiern und Ganslessen, „das kann man jetzt vergessen.” Mit der Beschränkung der Gästezahl auf zehn Personen sterbe auch die Hoffnung auf Privatfeiern. Die Verlängerung der Schanigartenregelung über den Winter sei eine kleine Hilfe, „die besorgniserregende Lage wird es jedoch nicht ändern.” Nicht als große Entlastung sieht Dobcak die Verlängerung der Mehrwertsteuersenkung auf fünf Prozent. „Was nützt das, wenn keine Umsätze gemacht werden?” Das Ausbleiben der deutschen Touristen werden die Gastrobetriebe in der City zusätzlich spüren. „Ich habe das Gefühl, dass die Krise auf dem Rücken des Tourismus ausgetragen wird. Dann wird es einmal heißen: Operation gelungen, Patient tot”, fürchtet Dobcak.

Eventagenturen: „Gemeinsam einen sicheren Rahmen finden”

Elisabeth Brandl, Sprecherin der Wiener Eventbranche
© Florian Wieser Elisabeth Brandl, Sprecherin der Wiener Eventbranche

„Die derzeitigen Einschränkungen bezüglich Veranstaltungen begünstigen das Abdriften von Zusammenkünften in nicht einsehbare Räume”, sagt Elisabeth Brandl, Sprecherin der Wedding-Planer und Eventagenturen in der Wiener Fachgruppe der Freizeit- und Sportbetriebe. Gefeiert und zusammengekommen werde trotz Beschränkungen - „jetzt eben nicht mehr nachvollziehbar, menschlich aber zutiefst verständlich.” Sie möchte jetzt den Fokus auf die Professionalität der Eventagenturen lenken. „Professionelle Agenturen sind in der Lage, berufliche und private Feiern verantwortungsvoll durchzuführen. Wir kennen die Spielregeln und halten sie ein.” Brandls Wunsch: Gemeinsam mit der Branche einen Rahmen schaffen, um Feiern wieder stattfinden zu lassen und dabei maximale Sicherheit zu gewährleisten. „Eine einheitliche Regelung, gültig für alle Zusammenkünfte zu schaffen, wäre ein erster Schritt.”

Tanzschulen: „Kein rentabler Betrieb möglich“

Bei den Wiener Tanzschulen herrscht völliges Unverständnis über die auch für sie geltende Zehn-Personen-Beschränkung pro Kurs: Der Betrieb einer Tanzschule könne sich so niemals rechnen. Gibt es hier keine Änderung, werde ein Großteil der Wiener Tanzschulen die Herbstsaison wirtschaftlich nicht überleben und zusperren müssen, macht Branchensprecherin Karin Lemberger klar. Sie fordert eine Verlängerung der Vorschriften der letzten Monate: Zehn Quadratmeter Fläche pro Tanzpaar und Tanzen mit Mund-Nasen-Schutz, wenn Paare nicht zusammen leben. Das habe sich bewährt und die meisten Tanzsäle sind groß genug, so Lemberger.



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