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Erfolgreich vom Start weg

Ein Unternehmen zu gründen, ist die eine Sache. Es danach über Jahre auch erfolgreich zu führen, eine andere. Was Jungunternehmer in der ersten Zeit brauchen.

Theresa Imre gründete mit markta kein klassisches Start-up sondern ein Social Enterprise. Heuer gewann Imre den Unternehmerinnen Award von „Frau in der Wirtschaft”.
© Pamela Russmann Theresa Imre gründete mit markta kein klassisches Start-up sondern ein Social Enterprise. Heuer gewann Imre den Unternehmerinnen Award von „Frau in der Wirtschaft”.

Am Anfang stand eine Mission. Theresa Imre wollte nichts Geringeres als eine Revolution im Lebensmittelbereich. „Wir wollten dem Bauernsterben entgegenwirken, indem wir Produzenten und Konsumenten direkt zusammenbringen”, sagt Imre. Sie begann damit, den Tagesablauf von 25 bäuerlichen Betrieben zu analysieren. Von Digitalisierung konnte dort keine Rede sein - Lieferscheine wurden von Hand erstellt, Bestellungen kamen teilweise noch per Fax. 2018 gründete Imre dann die markta GmbH als digitalen Marktplatz, wo sich Konsumenten und Lieferanten zusammenfinden. Bestellungen erfolgten direkt beim Bauern, der seine Ware versandte. „Bei der Gründung war mir noch nicht klar, was der Markt will - nämlich Bequemlichkeit und geringe bis gar keine Lieferkosten”, so Imre. Daraufhin stieg markta 2019 ins E-Commerce Business ein. Die Waren kommen seither nach Wien, werden hier nach Bestellungen gepackt und an die Kunden geliefert. So kann ein Kunde bei mehreren Lieferanten einkaufen und bekommt ein Paket geliefert. „Wir haben unser Geschäftsmodell umgestellt und sind jetzt nicht nur Plattform, sondern übernehmen die gesamte Logistik”, sagt Imre. Daneben könnten Kunden immer noch weiterhin direkt beim Bauern bestellen.

Wachstumsphase braucht Know-how

Die Corona-Pandemie hat das Bewusstsein der Konsumenten für nachhaltige regionale Produkte und deren digitale Bestellung geschärft. Die Nachfrage schnellte von 150 auf 2500 Bestellungen pro Woche hoch. Aktuell kann man bei mehr als 150 Bauernhöfen und Familienbetrieben Waren beziehen.

„Jungunternehmern muss das Wachstum leichter gemacht werden.“
Barbara Havel, Vorsitzende Junge Wirtschaft Wien 

In der Gründungsphase gab es viele Möglichkeiten zur Beratung, von denen Imre Gebrauch machte. „Ich habe eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete vor der Gründung in einer Unternehmensberatung. Trotzdem habe ich mich immer wieder mit Spezialfragen - etwa zum Gewerbeschein - an die Wirtschaftskammer gewandt. Was mir teilweise fehlt, ist das Know-how für die Wachstumsphase. Es gibt wenig Best Practice-Beispiele, wie man die Wachstumsphase eines sozialen Start-ups intelligent aufzieht”, erzählt Imre. In diesem „Death Valley” nach der Gründung eines Start-ups müsse noch mehr getan werden, wünscht sich die Unternehmerin. Sie hat bei ihren Investoren - mitterweile beteiligen sich mehrere namhafte Betriebe mit einem Millionenbetrag bei markta - so etwas wie Mentoring und viel Know-how geholt. Beispielsweise bei der Organisationsstruktur und beim Recruiting der richtigen Leute für die nötigen Prozesse. Denn markta soll regional in die Breite wachsen: „Wir sind stark in Wien, Ziel sind aber noch drei weitere Logistikzentren in Österreich, damit jedes Bundesland seinen eigenen Logistik-Hub und damit Zugang zu den eigenen regionalen Produzenten bekommt - nach dem Farm-to Fork-Prinzip”, so Imre abschließend.

Meisterin in Sachen Holz

Wien, Ottakring. In den Seitengassen der geschäftigen Thaliastraße reiht sich Wohnhaus an Wohnhaus. In einem der Innenhöfe verbirgt sich ein selten gewordenes Juwel: Eine Tischlerwerkstätte, in der schon seit Jahrzehnten Tische, Schränke, Sessel und andere Möbel von Meisterhand entstehen. Seit zwei Jahren teilt sich Tischlermeisterin Franziska Brugger dieses Reich mit zwei arrivierten Kollegen. 

Tischlermeisterin Franziska Brugger teilt sich die Werkstätte mit zwei erfahrenen Kollegen. So trägt man nicht nur die Betriebskosten gemeinsam, sondern erhält auch so manchen fachlichen Rat – „gerade für Jungunternehmer eine Symbiose von großem Vorteil“.
© Florian Wieser Tischlermeisterin Franziska Brugger teilt sich die Werkstätte mit zwei erfahrenen Kollegen. So trägt man nicht nur die Betriebskosten gemeinsam, sondern erhält auch so manchen fachlichen Rat – „gerade für Jungunternehmer eine Symbiose von großem Vorteil“.
Die Jungunternehmerin fand als Spätberufene zum Handwerk. Als 14-jährige haben sie ihre Eltern noch überzeugt, lieber die Matura statt einer Tischlerlehre zu machen, erzählt sie. Sie absolvierte ein Biologiestudium und arbeitete danach in einem Wissenschaftsverlag. „Das war spannend, aber irgendwann fehlte mir das unmittelbare Erfolgserlebnis als Resultat meiner Arbeit.” So entschied sie sich, etwas komplett Neues zu beginnen. Über ein AMS-Programm für Frauen in Technik und Handwerk begann sie eine Tischlerlehre - in eben jener Werkstätte in Ottakring, wo sie heute selbst den Hobel schwingt. „Damals”, sagt sie, „gab es hier noch einen Meister, der Lehrlinge ausbildete.” Bald nach der Lehre folgte die Meisterprüfung, das habe sie sich von Beginn zum Ziel gesetzt, so Brugger. Als dann ihr früherer Lehrherr in den Ruhestand ging, bot sich die Chance, seinen Platz in der Werkstätte einzunehmen. „Ich hab’ überlegt: Traue ich mich das?”, erinnert sie sich. Weil die Vorzeichen denkbar günstig waren - „es waren kaum Investitionen nötig, weil alles da ist, was man für unser Handwerk braucht” - entschied sie sich, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Zur gründlichen Vorbereitung nutzte sie das Gründerangebot von Wirtschaftskammer und AMS. Derart gewappnet, sei die Gründung „relativ easy” gewesen, erinnert sie sich.

Wien ist ein guter Boden für Gründer

Wien ist grundsätzlich ein attraktives Pflaster für Neugründer. Das zeigen auch die neuesten Gründerzahlen, die nach einem coronabedingten Rückgang im Vorjahr heuer wieder steigen. Im ersten Halbjahr gab es mit fast 4900 Betriebsgründungen bereits mehr Neo-Unternehmer als im Vergleichszeitraum 2019. „Das ist auch für die Zukunft wichtig, denn die Betriebe, die heute gegründet werden, bilden in den kommenden 30 Jahren das Rückgrat der Wirtschaft”, so Barbara Havel, Vorsitzende der Jungen Wirtschaft (JuWi) Wien, ein Netzwerk der Wirtschaftskammer Wien für Gründer und Unternehmer bis zum Alter von 40 Jahren. Laut Statistik werden etwa drei Viertel der 2021 in Wien gegründeten Betriebe in ihrem dritten Jahr noch am Markt sein, nach fünf Jahren noch sechs von zehn. Kunden gewinnen, Netzwerke aufbauen, Umsätze generieren, Finanzen im Auge behalten und frühzeitig erkennen, wann eine Kurskorrektur notwendig ist - für Jungunternehmer sind die ersten Jahre nach Gründung eine Herausforderung. Damit ihnen mehr Ressourcen für den Aufbau ihres Betriebs bleiben, setzt sich die JuWi Wien für die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Neo-Selbstständige ein. Dazu zählen die Vereinfachung von Behördenwegen, die pauschale Absetzbarkeit von Arbeitsbereichen im Wohnungsverband und die Einführung eines Beteiligungsfreibetrags (siehe Kasten Seite 7). „Vor allem am Anfang brauchen Unternehmer viel Unterstützung, um Stolpersteine sicher umgehen zu können”, meint Havel. Zusätzlich ist die Junge Wirtschaft das perfekte Netzwerk für den Austausch junger mit bereits erfahrenen Unternehmern. Das biete auch die Möglichkeit zur Wissenvermittlung und sei gerade für Neo-Unternehmer essenziell, um am Ball bleiben zu können, sagt Havel. Und manchmal gelte es auch, dem eigenen Betrieb Zeit zu geben und dabei die Motivation nicht zu verlieren. „Erfolg kommt nicht immer über Nacht”, betont Havel.

Unternehmerisch denken und soziale Medien nutzen

Tischlermeisterin Brugger hat zwei Jahre nach Gründung diesen Schritt noch nie bereut. Dennoch gibt es Dinge, die sie unterschätzt hat. Wie sich der Schwenk zu unternehmerischem Denken anfühlt zum Beispiel. Man müsse dauernd kalkulieren, rechnen, ob sich etwas ausgeht oder nicht - das sei das täglich Brot des Unternehmers. „Dass das ständig so präsent ist, darauf war ich nicht ganz vorbereitet”, sagt sie. Weiters rät sie, auf die eigene Work-Life-Balance zu achten, auch wenn sie zugibt: „Gedanklich hat man als Selbstständiger die Firma immer mit.” Sehr nützlich findet Brugger die Unterstützung durch erfahrene Kollegen. Für sie selbst ist das Werkstätten-Sharing ein Riesen-Benefit. „Manchmal braucht es eben eine weitere Hand oder einen guten Rat.” Was die Kundenansprache anbelangt, dürfe man heute keinesfalls die Wirkung sozialer Medien außer Acht lassen. Sie selbst setzt außerdem sehr erfolgreich auf die Mundpropaganda durch zufriedene Kunden. Als Betrieb zu wachsen sei natürlich ein Ziel, und irgendwann will Brugger vielleicht auch einen Lehrling ausbilden, „jemandem dieselbe Chance geben, die ich bekommen habe.” Ein Netzwerk von Tischlerinnen aufzubauen würde ihr ebenfalls gefallen, wenn Zeit bleibt. „Ansonsten will ich von meinem Beruf leben und dabei das tun können, was mir Spaß macht”, sagt die Jungunternehmerin.




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