th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing whatsapp wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht Twitter search print pdf mail linkedin google-plus Facebook arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery icon-flickr icon-youtube icon-instagram pinterest skype vimeo snapchat
news.wko.at
Mein WKO

EPU in Zeiten der Pandemie

In fast allen Branchen arbeiten EPU. Die Krise hat so gut wie alle getroffen.

Wiener Wirtschaft
© marvelens/Shutterstock

Meist ist es der Wunsch, der eigene Chef zu sein und seine Lebens- und Arbeitszeit frei gestalten zu können, der viele in die Selbstständigkeit führt. Mehr als 300.000 Österreicher haben sich für diesen Weg entschieden. Eine von ihnen, Lisa Weber ist seit 25 Jahren Grafikerin und hat sich 2016 dazu entschlossen, ihren Beruf als Ein- Personen-Unternehmen (EPU) selbstständig auszuüben. „Ich möchte nicht mehr angestellt arbeiten. Auch wenn die vergangenen Monate alles andere als lustig waren”, sagt Weber. Viele ihrer Kunden haben Projekte auf Eis gelegt, um zu sparen, einige sind schon in die Insolvenz geschlittert. Doch es geht wieder aufwärts: „Ich habe den Eindruck, dass jetzt viele durchstarten und für das dritte und vierte Quartal Investitionen planen. Da gehört auch ein neuer Auftritt oder ein neues Logo dazu”, meint Weber, die zusätzlich zu ihren grafischen Leistungen wie Logo oder Print-Produkten einen Online- Workshop für das Programm Photoshop anbietet. Neue Aufträge sind jetzt wichtig, denn das Auf- und Ab der letzten Monate zehrte nicht nur an den Nerven, sondern auch an den Ersparnissen.

Kein regelmäßiges Einkommen

„2020 war schlussendlich ein gutes Jahr aber nur deshalb, weil ich mich von den Umständen nicht unterkriegen lassen wollte”, sagt die Grafikerin. Sie hat zwar für einige Monate den Härtefallfonds in Anspruch genommen, der wäre aber nicht ausreichend gewesen.

„Die Büromiete läuft weiter, ich habe keine Reduktion bekommen. Es gab zwar die Möglichkeit, die Sozialversicherungs-Beiträge zu stunden, aber ich habe sie Ende letzten Jahres bezahlt, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass die SVS weniger gesprächsbereit ist, als das Finanzamt”
Lisa Weber

Stundungen und Kreditüberbrückungen sind wichtig, um liquide zu bleiben, aber sie sind eben keine Kürzungen und irgendwann sind sie fällig. Kunden zahlen oft erst mehrere Monate später, sodass man nicht von einem regelmäßigen Einkommen ausgehen kann. „Ich kann nur empfehlen, Rücklagen zu bilden und Prioritäten für die Zahlungen zu definieren. Von den Unterstützungen allein hätte ich nicht leben können”, sagt Weber.

Netzwerken als Herausforderung

Ein Weg, um wieder an Aufträge zu kommen, ist aktives Netzwerken. Die digitalen Möglichkeiten dazu werden immer besser, sie können jedoch den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. „Ich kann Skype und Teams nicht mehr sehen”, sehnt Weber so wie alle ein Ende der Beschränkungen herbei. Aber sie spürt auch eine Solidarität unter Selbstständigen, wie nie zuvor. „Ich bin fast nur mehr mit Selbstständigen befreundet, auch mit anderen Grafikerinnen. Es gibt genug Kunden und wir sind bei Fragen füreinander da.” Ansonsten nutze sie die Sozialen Medien und Empfehlungsmarketing, um neue Kunden zu bekommen. „Den ersten Besprechungstermin mache ich dann im Büro mit FFP2-Maske und ganz viel Abstand”, sagt Weber, die sich von der Pandemie nicht unterkriegen lässt und Ausgleich bei Spaziergängen und Youtube-Fitness-Videos findet.

Unternehmen ohne Arbeitnehmer

Die meisten EPU arbeiten dauerhaft allein. Nur ein geringer Prozentsatz plant irgendwann Mitarbeiter einzustellen. „Als EPU kann man nichts delegieren. Egal, ob ich einen schlechten Tag habe, oder voller Energie bin, ich muss den Kunden immer selbst gut gegenübertreten”, sagt Weber. Es sind nicht nur die Verhandlungen oder die Kundenakquise, sondern auch viele andere unternehmerische Tätigkeiten, die EPU selbst übernehmen müssen. Zugekauftes Know-how kostet Geld, spart aber auch Zeit. „Ich habe einen Steuerberater und eine Bilanzbuchhalterin, die sich auf Kleinunternehmer spezialisiert haben. Würde ich meine eigene Arbeitszeit auf diese Dinge verwenden, käme das viel teurer, daher kaufe ich diese Arbeit zu und konzentriere mich auf mein Kerngeschäft”, so Weber. Grafik sei für sie eine Berufung: „Man muss brennen für das was man tut, sonst darf man nicht selbstständig sein.”

Leidenschaft für den Beruf

Der Anteil an EPU ist in der Sparte Information und Consulting sehr hoch. Die meisten – rund 70 Prozent der EPU - sind aber in der Sparte Gewerbe und Handwerk aktiv. Reinhard Winter ist Bildhauermeister und Steinmetzmeister. Er gestaltet Skulpturen aus Stein und Gussmetall für Gärten und exklusive Wohnräume und hat Ehrendenkmäler z.B. für Niki List und Gert Voss geschaffen. „Im Moment kommen die Kunden hauptsächlich durch Empfehlungen zu mir, oder sie finden mich über meine Homepage”, so Winter. Seine Veranstaltungen im Atelier musste er alle absagen, er kann keine Probiermöglichkeiten für Leute anbieten, die sein Handwerk kennenlernen wollen, es gibt keine Teamevents und keine Bildhauerkurse.

„Atem holen und gestärkt wieder durchstarten.”
Reinhard Winter, Bildhauer- & Steinmetzmeister

Für die beiden Monate, in denen die bereits ausgebuchten Kurse abgesagt werden mussten, hat auch er um staatliche Unterstützung angesucht. Veranstaltungen wie die Kunsthandwerkstage oder die Lange Nacht der Museen konnten aufgrund der Maßnahmen gegen die Pandemie nicht stattfinden - an beiden nimmt er sonst mit seinem Betrieb teil, um sich zu vernetzen. Stillstand gibt es bei Winter jedoch nicht. „Wenn es ruhiger wird, arbeite ich Tag und Nacht an Skulpturen, probiere Neues aus. Als die Delfine in Venedig aufgetaucht sind, habe ich die Schwanzflosse eines Wals als neues Wahrzeichen für Hernals geschaffen und in meinem Garten aufgestellt.” Winters Lager füllt sich mit neuen Skulpturen und er ist bereit für seine heurige Jubiläumsaustellung. „Irgendwie werde ich es schaffen, aber mit so etwas wie Corona rechnet man doch nicht. Ich habe jetzt – ganz neu - auch einen Online-Vertrieb für kleinere Objekte. Größere Skulpturen sieht man sich vor dem Kauf lieber persönlich an, die kauft man nicht unbedingt über einen Bildschirm. Dort kann man sich aber Inspiration dafür holen”, meint Winter. „Ich bleibe optimistisch und die Arbeit bereitet mir ungetrübte Freude, die möchte ich schließlich auch mit meinen Schöpfungen vermitteln”, so Winter abschließend.

grafik
© WKÖ/WK WIen
grafik
© WKÖ/WK WIen

Geöffnet und doch schwer getroffen

Während die einen ihre Berufung zum Beruf machen und sich für die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit entscheiden, ist für andere das EPU-Dasein schlicht die einzige Option, um Geld zu verdienen. Mehmet Hanifi Cicek kam Anfang der 1990-er Jahre nach Wien - als Informatikstudent. Aber es fehlte einfach das Geld, also brach er das Studium ab und übernahm mit 27 Jahren eine kleine Greißlerei in Favoriten, die er bis heute betreibt. Als Lebensmittelgeschäft durfte er während der Corona-Zeit immer offen halten. Zu Anfang, als die Hamsterkäufe einsetzten, verkaufte auch er überdurchschnittlich viel. Das hielt aber nur wenige Tage und ist ein schwacher Trost, denn danach blieb die Laufkundschaft aus, die Umsätze sanken. Cicek hat seit vier Jahren keine Angestellten mehr. Seine Kinder besuchen das Gymnasium und wollen das Geschäft nicht übernehmen. Also steht er selbst jeden Tag in der Greisslerei. Montag bis Freitag von 7.30 Uhr bis 19 Uhr, Samstag bis 18 Uhr.

„Es ist eine schwere Zeit. Heute habe ich zehn Brote hier, ich habe noch keines verkauft. Es fehlen die Schulkinder, die oft hier eingekauft haben und auch die beiden Gasthäuser in der Nähe haben einiges bei mir besorgt”
Mehmet Hanifi Cicek

Einige Hilfen konnte er in Anspruch nehmen, andere nicht: „Um den Fixkostenzuschuss habe ich mit Hilfe von meinem Buchhalter angesucht, aber keinen bekommen.” Cicek weiß nicht, ob und wie lange er das noch so machen kann. „Es bleibt mir wohl keine andere Wahl, denn einen anderen Beruf habe ich nicht erlernt”, meint er und geht das Problem in kleinen Schritten an. Er sucht nach Alternativen, um seinen Kunden die gekauften Waren einpacken zu können. „Plastiksackerl sind verboten”, sagt er.

 

„EPU wurden von der Pandemie großteils hart getroffen. Finanziell und emotional. Jetzt müssen wir neu durchstarten.”
© Florian Wieser Kasia Greco: „EPU wurden von der Pandemie großteils hart getroffen. Finanziell und emotional. Jetzt müssen wir neu durchstarten.”

Interview mit Kasia Greco, EPU-Sprecherin der Wirtschaftskammer Wien

Mit welchen Anliegen kommen die Unternehmerinnen und Unternehmer zu Ihnen?
Greco: Die Sprechstunde für EPU habe ich, Pandemie hin oder her, durchgehend weitergeführt. Unter vier Augen redet es sich leichter. Die Anliegen reichen von dem Wunsch, vernetzt zu bleiben - wenn auch ‚nur’ digital - über rechtliche Fragen bis zu Förder- oder Weiterbildungstipps. In den letzten Tagen habe ich eine Aufbruchsstimmung bemerkt. Jetzt geht es darum, diese zu nützen und strukturiert durchzustarten.

Welchen EPU geht es jetzt besonders schlecht, wem ging es gut?
Greco: Die Krise hat alle getroffen. Jene Branchen, die von Schließungen direkt betroffen waren, wie die Kosmetiker oder kleine Händler, aber auch indirekt Betroffene leiden, wie etwa Fotografen. Die wenigsten, meist im IT-Bereich, konnten Zuwächse bei den Aufträgen verzeichnen.

Wie soll ein Aufbruch denn jetzt aussehen? Welche Perspektiven haben EPU jetzt?
Greco:
Wir müssen uns gut vorbereiten. Wir wollen einen permanenten Lock-up und den Konsumenten Sicherheit vermitteln, damit die Wirtschaft wieder anspringt. Bis dahin müssen wir gut aufgestellt und bereit sein. Jetzt ist die Zeit für einen Status-Check, fürs Adaptieren des Geschäftsmodells für die Zukunft, für Richtungsentscheidungen. Die staatlichen Hilfen laufen aus. Wir wollen unser Geld selbst verdienen und das können wir nur in einer normalen Geschäftssituation. Wir bereiten ein Service- Paket vor, das den EPU dabei helfen wird.

Welche Forderungen an die Politik haben Sie?
Greco: Ich setze mich dafür ein, dass - wie bereits versprochen und angekündigt - endlich der Arbeitsplatz im Wohnungsverband steuerlich begünstigt wird. Darüber hinaus will ich, dass EPU leichter Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten bekommen. Neue Ideen brauchen finanzielle Mittel.

 

Das könnte Sie auch interessieren

laufen

Corona: Ein heißer Herbst steht in den Startlöchern

Während die vierte Pandemie-Welle anrollt, wird nach Strategien gesucht, um die Impfquote weiter zu steigern. Wichtigstes Ziel: Einen neuerlichen Lockdown unbedingt vermeiden. mehr

Weihnachtsbeleuchtung

30 Wiener Einkaufsstraßen werden heuer festlich beleuchtet

Einige Einkaufsgebiete bieten neue Motive - Wirtschaftskammer Wien und Stadt Wien unterstützen die Aktion der Wiener Kaufleute mehr

Taschner, Famira-Mühlberger, Ostermann, Biach

Wiener Wirtschaftskreis setzt künftig Gesundheitsschwerpunkte

Auftakt bildet die Pflege „Potenziale erschließen, Chancen nützen“ mehr