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Digitale Währungen am Vormarsch

Was es mit Kryptowährungen wie Bitcoin, Libra und Co auf sich hat und weshalb der digitale Euro schon bald unser alltäglicher Begleiter werden könnte.

Kryptowährung
© Wit Olszewski/Shutterstock

Mit wenig Aufwand zum großen Geld? Durch Investitionen in Kryptowährungen erhoffen sich viele private Anleger das große Geschäft. Das Redkordhoch der wohl bekanntesten Kryptowährung Bitcoin verstärkte diesen Trend und befeuerte die öffentliche Aufmerksamkeit rund um das digitale Geld umso mehr. Profitiert haben dadurch private Anleger, aber auch andere Geschäftsfelder wie zum Beispiel Zahlungsdienstleister wurden durch den regelrechten Boom auf den Plan gerufen. „Bitcoin ist mengenbegrenzt - das ist eine klassische Eigenschaft von Sammlerobjekten wie alten Briefmarken, Antiquitäten, Edelmetallen, Sammlermünzen etc., die sich ähnlich verhalten wie Bitcoin. Der Marktkurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage auf Privatbörsen für diese Objekte”, erklärt Beat Weber, Kryptowährungs- und Digital Asset-Experte der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) den rapiden Wertanstieg von Bitcoin, wodurch auch das Interesse an der hinter Krypto-Geld stehenden Technik - der Blockchain - vermehrt geweckt wurde. Blockchains sind dezentrale stetig wachsende Datenbanken, die aufgrund ihres Aufbaus Hackerangriffe und Fälschungen so gut wie unmöglich machen und sich deshalb auch für zahlreiche andere Anwendungsbereiche, z.B. im Finanz-, Behörden- oder im Gesundheitswesen eignen. „Viele Firmen erforschen Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain. Die öffentliche Hand hat dazu auch Forschung an Universitäten etabliert”, erklärt Weber.

„Es geht um die Vorbereitung auf Zukunftsszenarien.”
Beat Weber, Oesterreichische Nationalbank

Einkaufen mit Bitcoin

Dass das Grundkonzept hinter Bitcoin, Ethereum & Co funktioniert, nämlich eine schnelle, transparente und digitale Abwicklung von Zahlungen, beweisen auch die tausenden Kryptowährungen, die mittlerweile im Worldwideweb kursieren und über Online-Börsen oder lokale Kryptowährungs-Händler bezogen werden können. Und auch im alltäglichen Leben wird das digitale Geldbörserl mittlerweile immer öfter gezückt. Wer möchte, kann zum Beispiel bei der Post oder in Trafiken Krypto-Assets erwerben und kann mit diesen online zum Beispiel über Zahlungsdienstleister wie PayPal einkaufen. Ob die sogenannten Krypto-Assets aber tatsächlich als offizielle Währungen taugen, ist umstritten. Problematisch sind vor allem drastische Kursschwankungen, denen Bitcoin und Co unterliegen sowie die Tatsache, dass niemand für das Steigen und Fallen verantwortlich ist und somit kein Garantiegeber dahintersteht. Auch Sicherheitslücken sowie die Problematik um eine sichere Verwahrung von privaten Zugangsschlüsseln stellen die Nutzer vor zusätzliche Herausforderungen. „Von einer Währung erwarten die Menschen stabile Wertentwicklung. Die ergibt sich vereinfacht gesagt daraus, dass die Zentralbank als verantwortlicher Garantiegeber die Menge laufend so an die Nachfrage anpasst, dass der Wert über Monate stabil bleibt. Die Folge ist, dass bei einer stabilen Währung die wichtigsten Güterpreise im Supermarkt von Woche zu Woche in etwa gleich sind, und ich mir mein Haushaltsgeld bis zum Monatsende vernünftig einteilen kann, wenn ich in Euro zahle. Nur so kann ich mich im Wirtschaftsleben gut orientieren”, erklärt Weber die große Schwachstelle der Krypto-Assets. Denn bei Kryptowährungen können auch Privatpersonen - sogenannte „Miner” - das digitale Geld über Rechenleistung erstellen und bringen dadurch den Wert der jeweiligen digitalen Währung stark ins Schwanken. Hinzu kommen hohe Kosten, die beim „Mining” aufgrund des hohen Energieverbrauchs, anfallen.

Digitaler Yuan, Petro und Euro

Um den privaten Kryptowährungsboom und die damit verbundenen Risiken etwas abzufedern und auch ein Stück vom „großen Kuchen” abzubekommen, setzen einige Staaten bereits auf offizielle digitale Währungen oder arbeiten an geeigneten Modellen. eCFA in Senegal, eDinar in Tunesien oder Petro in Venezuela, sind einige der nationalen Kryptowährungen, die bereits im Umlauf sind. In Schweden laufen schon umfassende Tests mit E-Krona und China hat die Testphase für den digitalen Yuan bereits ausgeweitet. Was bei einigen Ländern schon Realität ist, könnte auch im Euroraum mit dem digitalen Euro demnächst umgesetzt werden. Um für zukünftige Szenarien gewappnet zu sein, entwickelt die EZB bereits erste Pläne zur Umsetzung einer einheitlichen digitalen Währung im Euroraum. Ein solches Szenario wäre etwa - so Weber - ein starker Rückgang der Bargeldnachfrage. „Oder für den Fall, dass heimische Banken und Zahlungsdienstleister von globalen Konzernen aus dem Bezahlsektor gedrängt werden, ohne die vorgeschriebenen Qualitätsstandards zu erfüllen”, erklärt der Experte. „Im Unterschied zu digitalen Bezahlmethoden in Euro heute, stünde beim digitalen Euro die Zentralbank als Garantiegeber dahinter, nicht Banken oder Zahlungsdienstleister im Privatsektor”, schildert Weber. Was der digitale Euro darüber hinaus können müsste, wird aktuell über eine öffentliche Erhebung auf der EZB-Webseite in Erfahrung gebracht und ausgewertet. Mitte 2021 soll dann entschieden werden, ob das Projekt „digitaler Euro” tatsächlich startet.

Sicherheit im Fokus

Wesentliche Unterschiede zum Euro in bar würde es - so aktuellen Infos der EZB zufolge – aber vorerst nicht geben: So hätte ein digitaler Euro denselben Nutzen, den auch der heutige Euro bietet - jedoch mit dem Vorteil, dass alltägliche Zahlungen schneller, einfacher, transparenter und sicherer abgewickelt werden könnten. In puncto Sicherheit arbeitet die EU-Kommission schon seit einiger Zeit an strengeren Vorschriften für Kryptowährungen. 2021 soll ein Gesetz auf den Weg gebracht werden, das einerseits EU-weit gleiche Minimalanforderungen für Handelsplattformen, auf denen digitale Assets gehandelt werden, regelt und andererseits Rechtssicherheit für digitalisierte private Projektfinanzierungen und Crowdfunding schafft. „Ein weiterer Aspekt betrifft die Herstellung gleicher Wettbewerbsbedingungen zwischen etablierten regulierten Zahlungsdiensten und Projekten, die Elemente aus dem Kryptosektor entlehnen, um neue Zahlungsdienste in offizieller Währung zu entwickeln”, so Weber.

INTERVIEW mit Beat Weber, Oesterreichische Nationalbank
© ÖNB INTERVIEW mit Beat Weber, Oesterreichische Nationalbank

Wird das Bargeld bald von digitalen Währungen abgelöst?

Weber: Digitales Bezahlen entwickelt sich sehr dynamisch, aber auch die Nachfrage nach Bargeld ist nach wie vor hoch, folglich rechnen wir auch weiterhin nicht mit dem Anbruch der seit Jahrzehnten vergeblich prophezeiten bargeldlosen Gesellschaft.

In anderen Staaten wurden digitale Währungen schon umgesetzt. Ist man im Euroraum zu langsam?

Weber: Andere Staaten, andere Probleme. Während der hochmoderne Zahlungsverkehr in Euro derzeit alle Stückerln spielt und breit zugänglich ist, stehen manch andere Währungsräume vor dem Problem, dass entweder ihre Währung unzureichendes Vertrauen genießt, oder große Teile der Bevölkerung keinen Bankzugang haben. Solche Staaten schauen sich digitale Zentralbankwährung aus diesen Gründen an. Im Euroraum gibt es diese Probleme in der Gegenwart so nicht - da geht es um die Vorbereitung auf mögliche Zukunftsszenarien.

Wie wird die Zukunft des Zahlungsverkehrs aussehen?

Weber: Im Zahlungsverkehr gibt es in den letzten Jahren viel Innovation - das betrifft die Benutzerfreundlichkeit und das Kundenerlebnis, die Verknüpfung mit neuen Diensten und Geschäftsfeldern, die Geschwindigkeit, auch die Kosten, und den Stellenwert von Daten. Aller Voraussicht nach unverändert bleibt, dass hierzulande Preise und Zahlungen für gewöhnliche, legale Produkte auf Euro lauten werden statt auf eine andere Währung.


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