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Die starke Saite der Wiener Industrie

Es ist ein wohlgehütetes Geheimnis, was sich in einem Hinterhof im 5. Bezirk genau abspielt. Klar ist, hier werden Musiksaiten produziert - und das auf höchstem Niveau.

Stimmungsvolle Siegerehrung: Industrie-Obmann Stefan Ehrlich-Adám (r.) überreichte Zdenka Infeld, CEO von Thomastik-Infeld, die Urkunde für den 1. Platz bei der Wahl zum Industrieprojekt des Jahres.
© Florian Wieser Stimmungsvolle Siegerehrung: Industrie-Obmann Stefan Ehrlich-Adám (r.) überreichte Zdenka Infeld, CEO von Thomastik-Infeld, die Urkunde für den 1. Platz bei der Wahl zum Industrieprojekt des Jahres.

Das Wiener Unternehmen Thomastik-Infeld ist Weltmarktführer, das Aushängeschild, die „Dominant”, ist die meistverkaufte Violinensaite der Welt. Was aber unter Verschluss bleibt, sind die genauen Produktionsprozesse, die für das hohe Niveau der Saiten sorgen. „Es ist eine eigene Wissenschaft”, erklärt Produktionsleiter Franz Klanner. „Physik und die richtige Spannung sind ein Thema. Aber auch das richtige Material ist wichtig. Man muss die Saiten etwa vor äußeren Einflüssen wie Schweiß schützen.”

„Thomastik-Infeld ist ein starkes Aushängeschild für Wien und sorgt für die richtigen Töne in Opern-häusern auf der ganzen Welt. Damit wird einmal mehr unterstrichen, was die Wiener Industrie ist. Nämlich vielfältig, innovativ und international geschätzt.”
Industrie-Spartenobmann Stefan Ehrlich-Adám

Da gebe es viel zu beachten, etwa, dass Kinder viel aggressiver schwitzen als Erwachsene, besonders wenn sie unter Stress stehen - wie bei Schulaufführungen. Bei der Entwicklung der Saiten und der richtigen Materialien hat sich naturgemäß   schon viel Know-how angehäuft, das auch in anderen Bereichen zum Einsatz kommt. So wurden zum Beispiel auch Bowdenzüge in Motorrädern mit dem Wissen von Thomastik-Infeld verbessert. Bei der Fertigung der Saiten ist vor allem Fingerspitzengefühl gefragt, der Hauptgrund, warum im Unternehmen zu mehr als 80 Prozent Frauen beschäftigt sind. „Die Feinmotorik ist bei Frauen einfach besser ausgeprägt”, so Klanner. „Einzig in der Bassabteilung stehen hauptsächlich Männer, Die Herstellung der dicken Saiten erfordert mehr Kraft als Saiten der filigraneren Instrumente.”

Von Wiener Philharmonikern bis zu Bilderbuch

Die Saiten kann man übrigens nicht nur am Klang erkennen, sondern auch an der Optik. Die Enden jeder Saite werden mit bunter Seide umwickelt, jedes Musiksaitenunternehmen hat seine eigenen Farben. Wer genau hinsieht, kann die Thomastik-Saiten bei Künstlern wie dem Kontrabassisten der Wiener Philharmoniker, Ödön Rácz, oder der österreichischen Band Bilderbuch entdecken.

Als Industrieprojekt des Jahres ausgezeichnet

Thomastik-Infeld wurde im Rahmen der weltweit.wien-Kampagne der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Wien von den Wienern zum Industrieprojekt des Jahres gewählt. Bei der Online-Abstimmung wurden insgesamt 10.000 Stimmen abgegeben. Auf den Plätzen 2 und 3 wurden Bombardier und Kapsch ausgezeichnet.

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