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Die neue Pauschalierung für Kleinunternehmer

Die Wirtschaftskammer Wien hat ein Pauschalierungsmodell entwickelt, das Kleinunternehmer steuerlich und administrativ entlastet. Die Politik hat es im Zuge der ersten Etappe der Steuerreform übernommen. Anwenden können es Kleinunternehmer ab dem Veranlagungsjahr 2020.

Pauschalierung für Kleinunternehmer
© Sergey Nivens/shutterstock

Mit dem Veranlagungsjahr 2020 steht Kleinunternehmern eine weitere Pauschalierungsmöglichkeit zur Verfügung. Um sie anwenden zu können, müssen Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb oder einer selbstständigen Tätigkeit vorliegen. Der Jahresumsatz darf maximal 35.000 Euro betragen. Weiters ist zu beachten:

  • Die 35.000 Euro-Grenze entspricht in der Höhe der Kleinunternehmergrenze in der Sozialversicherung und der Umsatzsteuer, die mit 2020 von 30.000 Euro auf 35.000 Euro angehoben wird. Sie bezieht aber Umsätze aus Lieferungen und Leistungen ein, die im Ausland ausgeführt wurden. Nicht berücksichtigt werden Entnahmen und Einnahmen ohne Umsatzcharakter (beispielsweise durchlaufende Posten).

  • Die Pauschalierung ist unabhängig davon anwendbar, ob in der Umsatzsteuer die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen wird.

  • Sonstige (nicht betriebliche) Einkünfte sind nicht in die Grenze einzubeziehen (z.B. Vermietung und Verpachtung).

  • Man darf die Umsatzgrenze bis maximal 40.000 Euro überschreiten und die Pauschalierung trotzdem anwenden, wenn man die 35.000 Euro-Grenze im vorangegangenen Jahr eingehalten hat.

  • Gesellschafter-Geschäftsführer, Aufsichtsratsmitglieder und Stiftungsvorstände dürfen die Kleinunternehmer-Pauschalierung nicht in Anspruch nehmen.

So wird der Gewinn ermittlt

Das Betriebsausgabenpauschale beträgt 45 Prozent der Betriebseinnahmen (ohne Umsatzsteuer) für produzierende Betriebe bzw.  20 Prozent der Betriebseinnahmen für Dienstleistungsbetriebe. Der Gewinn ermittelt sich aus der Differenz aus den Betriebseinnahmen und den pauschal ermittelten Betriebsausgaben. Wann man als produzierender Betrieb und wann als  Dienstleistungsbetrieb einzuordnen ist und wie man bei Mischbetrieben vorgeht, wird noch durch eine gesonderte Verordnung des Finanzministers festgelegt. Zusätzlich zum Pauschale werden die Sozialversicherungsbeiträge und der Grundfreibetrag des Gewinnfreibetrages gewinnmindernd berücksichtigt. Der Grundfreibetrag wurde schon bisher automatisch durch das Finanzamt berücksichtigt. Künftig sollen auch die geleisteten Sozialversicherungsbeiträge eines Jahres direkt von der Sozialversicherung an das Finanzamt gemeldet werden und automatisch in die Veranlagung einfließen.

Vergleichsrechnung empfohlen

Ob die neue Pauschalierung im Vergleich zur vollständigen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung steuerlich vorteilhaft ist, ist immer im Einzelfall zu beurteilen. So wird bei einem produzierenden Unternehmen kombiniert mit einer vollen Sozialversicherungspflicht die neue Pauschalierung wegen der höheren Prozentsätze in den meisten Fällen nicht zur Steuerpflicht führen und damit vorteilhaft sein. Eine andere Beurteilung könnte sich bei sehr hohen Abschreibungen oder Wareneinsatz z.B. in Kombination mit unselbstständigen Einkünften ergeben. Der beste steuerliche Weg kann in einer Vergleichsrechnung festgestellt werden. Kleinunternehmen müssen die neue Pauschalierung also nicht in Anspruch nehmen. Dem Steuerpflichtigen steht es frei, den Gewinn weiterhin aufgrund einer vollständigen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder einer anderen Pauschalierungsmethode (Basispauschalierung, Branchenpauschalierungen) zu ermitteln. Wechselt ein Unternehmer von der Gewinnermittlung mittels Pauschalierung zur Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, ist eine neuerliche Inanspruchnahme der Pauschalierung erst nach Ablauf von drei Wirtschaftsjahren erlaubt.

Pauschalierung vereinfacht Verwaltungaufwand massiv

Ein wesentlicher Vorteil der neuen Pauschalierung ist die Verwaltungsvereinfachung. Denn bei Inanspruchnahme der Pauschalierung müssen Wareneingangsbuch und Anlagenkartei nicht mehr verpflichtend geführt werden. Die Gewinnermittlung im Rahmen der Steuererklärung kann sich auf die Angabe der Branche und des Umsatzes beschränken. Liegen keine weiteren steuerlich relevanten Tatsachen vor (z.B. Werbungskosten im Rahmen einer unselbstständigen Tätigkeit, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung), kann die Veranlagung durch das Finanzamt erfolgen, der Steuerpflichtige muss keine weiteren Angaben machen. Wird auch in der Umsatzsteuer von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch gemacht, kann die Abgabe von Steuererklärungen im besten Fall vollständig unterbleiben. Zur Kleinunternehmerregelung in der Umsatzsteuer gibt es auf wko.at/wien/steuern das Infoblatt „Kleinunternehmerregelung”.

Auch Mitunternehmerschaften können sie nutzen

Die neue Pauschalierung steht grundsätzlich auch Mitunternehmerschaften offen. Eine Mitunternehmerschaft ist ein Zusammenschluss mehrerer Personen, die gemeinsam selbstständig unternehmerisch tätig sind. Auch hier gilt, dass der Jahresumsatz 35.000 Euro nicht übersteigen darf, und zwar für die ganze Mitunternehmerschaft. Zusätzlich zum Umsatzkriterium darf kein Mitunternehmer die Pauschalierung für betriebliche Einnahmen außerhalb der Mitunternehmerschaft in Anspruch nehmen. Sonderbetriebseinnahmen und Sonderbetriebsausgaben können aber berücksichtigt werden.

Was tun bei mehreren Betrieben?

Gibt es mehrere Betriebe, kann man die neue Pauschalierung nur anwenden, wenn die Summe der betrieblichen Umsätze die Höchstgrenze von 35.000 Euro nicht überschreitet. Umsätze aus Vermietung und Verpachtung werden aber nicht eingerechnet.

Ein Rechenbeispiel

Erzielt ein Unternehmer Umsätze aus zwei betrieblichen Tätigkeiten in Höhe von 10.000 Euro und 12.000 Euro sowie aus der Vermietung einer Wohnung in Höhe von 30.000 Euro, so fallen insgesamt Einkünfte von 52.000 Euro an. Die Vermietungseinkünfte bleiben aber unberücksichtigt. Er kann daher nun wählen, ob er für einen oder beide Betriebe von der neuen Pauschalierung Gebrauch macht, da nur die betrieblichen Einkünfte in die Grenze von 35.000 Euro einzubeziehen sind. Würde die Summe der betrieblichen Umsätze die zulässige Höchstgrenze überschreiten, wäre die Pauschalierung allerdings für keinen Betrieb anwendbar.


Änderungen im Steuersystem

Digitalsteuer

Online-Werbung (z.B. Bannerwerbung, Suchmaschinenwerbung) unterliegt ab 1. Jänner 2020 der Digitalsteuer, wenn sie auf dem Gerät eines Nutzers mit inländischer IP-Adresse empfangen wird und sie sich (auch) an inländische Nutzer richtet. Betroffen ist nur Werbung bei Unternehmen, die einen weltweiten Umsatz von zumindest 750 Millionen Euro und in Österreich einen Umsatz von zumindest 25 Millionen Euro aus der Durchführung von Online-Werbung erzielen.Die Digitalsteuer beträgt fünf Prozent des Entgelts, das der Onlinewerbeleister von seinem Auftraggeber erhält.

Importe

Die bisherige Umsatzsteuer-Freigrenze von 22 Euro bei Importen aus Drittländern entfällt. Betroffen sind Gegenstände, die nach dem 31. Dezember 2020 eingeführt werden. Liegen die notwendigen technischen Voraussetzungen rascher vor, so tritt die Regelung auch früher in Kraft. 

Reihengeschäfte

Ab 2020 gibt es bei Reihengeschäften, bei denen ein Zwischenhändler in der Lieferkette den Transport der Waren veranlasst, eine einheitliche Regelung für die umsatzsteuerliche Zuordnung der „bewegten Lieferung”.  

Konsignationslager

Ab 2020 liegt zum Zeitpunkt der Entnahme der Waren aus dem Konsignationslager eine innergemeinschaftliche Lieferung und ein innergemeinschaftlichen Erwerb vor. Eine Registrierung im Bestimmungsland kann dadurch entfallen. 

Binnenmarkt-Lieferungen

Ab 2020 ist sowohl das Vorliegen einer gültigen UID-Nummer des Erwerbers als auch die Erklärung des Umsatzes in einer Zusammenfassenden Meldung durch den Lieferanten zwingende Voraussetzung für die Umsatzsteuerbefreiung.

GWG

Bisher konnten abnutzbare Anlagegüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten bis 400 Euro - also sogenannte geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) - sofort im Jahr der Anschaffung abgeschrieben werden. Diese Grenze wird in Wirtschaftsjahren, die nach dem 31. Dezember 2019 beginnen, auf 800 Euro angehoben. Bei den meisten Unternehmen beginnt das Wirtschaftsjahr jeweils am 1. Jänner, aber nicht bei allen. 

E-Books

Der Umsatzsteuersatz von elektronischen Publikationen (z.B. E-Books) wird ab dem 1. Jänner 2020 dem Umsatzsteuersatz von physischen Druckwerken angepasst und beträgt in der Regel nur mehr zehn Prozent. 

E-Bikes

Ab 1. Jänner 2020 steht nicht mehr nur bei Elektroautos, sondern auch bei betrieblich genutzten E-Bikes ein Vorsteuerabzug zu. Wie bei Elektroautos muss auch hier für etwaige Privatfahrten kein Sachbezug berechnet werden. 

NoVA

Die Formel für die Berechnung der Normverbrauchsabgabe (NoVA), die bei der Anschaffung eines Neuwagens zu bezahlen ist, wurde angepasst. Sie ist ab 1. Jänner 2020 anzuwenden. Ab 1. April 2020 gelten dann auch neue CO2-Grenzwerte für den höheren und niedrigeren Kfz-Sachbezugswert. 

Airbnb

Elektronische Schnittstellen wie Online-Plattformen, die Lieferungen und Leistungen an Nicht-Unternehmer im Inland unterstützen, müssen ab 1. Jänner 2020 Aufzeichnungen über diese Umsätze führen. Auf Verlangen sind diese Aufzeichnungen elektronisch zur Verfügung zu stellen. Übersteigen die aufzeichnungspflichtigen Umsätze eine Million Euro pro Jahr, so sind die Aufzeichnungen ohne Aufforderung der Finanz zu übermitteln.


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