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Die Stadt Wien verschließt vor den Herausforderungen in der Pflege die Augen

Wirtschaftskammer fordert ein Ende der Diskriminierung von Vermittlungsagenturen und eine zusätzliche Förderung für die 24-Stunden-Betreuung

Pflege
© pressmaster - Fotolia

Auf keine Begeisterung stoßen die von der Stadt Wien angekündigten neuen Pflege- und Betreuungsangebote bei Harald G. Janisch, dem Obmann der für Betreuungsdienstleistungen zuständigen Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung in der Wirtschaftskammer Wien.

"Wir begrüßen es sehr, dass mit der neuen mehrstündigen Alltagsbegleitung eine Lücke im Betreuungsangebot geschlossen wird. Es kann aber nicht sein, dass die Stadt Wien dabei nur mit einigen großen Pflegeorganisationen zusammenarbeitet und sämtliche Vermittlungsagenturen einfach ausgrenzt, obwohl letztere die selben Leistungen in gleicher Qualität und dabei flexibler und damit kostengünstiger anbieten. Und das sage ich nicht nur im Interesse meiner Mitglieder, sondern da geht es auch um den effzienten Einsatz von Steuermitteln."
Harald G. Janisch

Zusätzliche Förderung für die 24-Stunden-Betreuung ist Gebot der Stunde

Während die Stadt Wien ihr Pflege- und Betreuungssystem im Hinblick auf die anstehende Pflegereform der Bundesregierung als "Best Practice" sieht, vermisst Janisch vorausschauende Maßnahmen, mit denen die aufgrund der tiefgreifenden demografischen Veränderungen rasant wachsenden Herausforderungen in der Pflege nachhaltig bewältigt werden können.

"Der punktuelle Ausbau von Angeboten wird nicht reichen. In Wien befinden sich wesentlich mehr Pflege- und Betreuungsbedürftige in kostenintensiven stationären Einrichtungen als in den Bundesländern. Mit dem Wegfall des Pflegeregresses hat es einen zusätzlichen Run auf Pflegeheimplätze gegeben, der die Stadt allein im letzten Jahr deutlich mehr als 100 Mio. Euro gekostet hat. Dabei wissen wir, dass die allermeisten Menschen, die den Alltag nicht mehr aus eigener Kraft bewältigen können, unbedingt in den eigenen vier Wänden bleiben möchten, wenn sie nur die nötige Unterstützung erhalten. Sowohl das Burgenland als auch Vorarlberg haben da viel intelligenter reagiert und eine zusätzliche Landesförderung für die 24-Stunden-Betreuung eingeführt. Damit unterstützen sie nicht nur betreuungsbedürftige Bürger und deren Angehörigen, sondern helfen auch dem Steuerzahler, mittelfristig viel Geld zu sparen. Eine Win-Win-Situation. Ich kann der Stadt Wien nur dringend empfehlen, die Augen nicht länger zu verschließen und dem Beispiel der beiden Bundesländer zu folgen."

Über die Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung

Die Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung vertritt unter anderem rund 13.300 selbstständige Personenbetreuerinnen und -betreuer und 130 Vermittlungsagenturen. Ihr wichtigstes Ziel ist es, die Rahmenbedingungen so mitzugestalten, dass selbstständige Betreuungsdienstleistungen in höchstmöglicher Qualität angeboten werden können.


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