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Die Bürokratie hat sich vervielfacht

Das Thema Datenschutz und die EU-Versicherungsvertriebs-Richtlinie halten die Versicherungsmakler auf Trab. Die Fachgruppe informiert, berät und unterstützt die Mitglieder bei der Umsetzung.

Versicherungsmakler
© Foto Weinwurm - www.fotoweinwurm.at

Datenschutz ist gut und wichtig, daran zweifelt Helmut Mojescick, Obmann der Wiener Fachgruppe der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten, keineswegs. Die seit vorigem Mai gültige Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) stelle seine Branche jedoch vor große Herausforderungen. Der Umgang mit vielfach sensiblen Kundendaten, die nun viel kompliziertere Kommunikation mit den Kunden und die unterschiedliche Auslegung der DSGVO durch einzelne Versicherungsanbieter verursache einen bürokratischen Aufwand, der für die rund 800 Mitglieder - überwiegend Ein-Personen- und Kleinstbetriebe - kaum zu bewältigen sei.

DSGVO und IDD sorgen für viel mehr Verwaltungsaufwand

Mit der europäischen Versicherungsvertriebsrichtlinie (Insurance Distribution Directive - IDD), die 2018 hierzulande in nationales Recht umgesetzt wurde, ereilte die Branche „die nächste bürokratische Lawine”, wie Mojescick es ausdrückt. Auch hier sei das - an sich hehre - Ziel des verstärkten Konsumentenschutzes mit riesigem Zusatzaufwand verbunden. Die Bürokratie habe sich vervielfacht. „Antragsformulare für Versicherungsverträge haben jetzt oft 80, 90 Seiten. Das sind zehntausende Seiten an Papier, die da jährlich gedruckt und kopiert werden müssen”, sagt der Fachgruppenobmann. Und selbstverständlich sei auch der Beratungsaufwand gestiegen - solche Formulare zu erläutern, braucht Zeit.

„Einen Lehrberuf für Versicherungsmakler könnte ich mir gut vorstellen.”
Helmut Mojescick, Fachgruppenobmann

Die Interessenvertretung habe sich schon bei der Ausarbeitung der IDD-Richtlinie eingebracht, erzählt Mojescick. Dadurch sei es gelungen, das drohende Ende des heimischen Provisionssystems im Versicherungsvertrieb abzuwenden. „Ein anderes System hätte bei uns nicht funktioniert”, sagt er. Nun sei es zentrale Aufgabe der Fachgruppe, die Mitglieder mit Informationsarbeit, Beratungen, Veranstaltungen und Schulungen bei der Umsetzung der neuen Vorschriften zu unterstützen. „Ohne das würden viele mit dem Thema gar nicht zurechtkommen”, ist der Obmann überzeugt. 

Ohne Weiterbildung geht es nicht

Die IDD-Richtlinie bringt auch eine Weiterbildungspflicht für Versicherungsmakler im Ausmaß von 15 Stunden jährlich - laut Mojescick äußerst begrüßenswert, denn „das Thema sollte jeder ernst nehmen.” Die Fachgruppe unterstützt ihre Mitglieder mit einem Schulungsportfolio, das teilweise gefördert und für die Betriebe damit leistbar ist. Generell habe seine Branche „die Tendenz zur Überalterung”, meint Mojescick. Um gegenzusteuern, kann er sich einen Lehrberuf für Versicherungsmakler vorstellen. „Die größeren Betriebe würden Lehrlinge aufnehmen”, ist er überzeugt. Ihn schmerzt auch, dass in der öffentlichen Wahrnehmung nicht unterschieden wird zwischen eigenen Außendienstmitarbeitern der Versicherungen bzw. Versicherungsagenten, die nur Produkte eines oder einzelner Anbieter verkaufen, und den Versicherungsmaklern, die unabhängig vom Anbieter das beste Produkt für ihre Kunden suchen. Aufklärende Kampagnen der Branche gibt es zwar, aber: „Diesen wesentlichen Unterschied nimmt der Kunde leider zuwenig wahr”, so Mojescick.



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