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Die 24-Stunden-Betreuung steht finanziell vorm Ende

Betreute KlientInnen und deren Angehörige geraten an ihre finanziellen Grenzen

Krankenpflege
© adobestock/robert kneschke

„In den bisherigen Aussagen und Unterlagen des Sozialministeriums zur Pflegereform wurde die 24-Stunden-Betreuung nicht berücksichtigt“, warnt der Obmann der Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung in der Wirtschaftskammer Wien, Harald G. Janisch, anlässlich eines Pressegesprächs. Stattdessen wurde nur unkonkret auf bis in den Herbst laufende Gespräche verwiesen.

„Bis in den Herbst kann es aber für viele der betreuten KlientInnen und deren Familien zu spät sein. Vielen wird bis dahin das Geld für die Honorare der BetreuerInnen ausgegangen sein.“
Harald G. Janisch

Janisch verweist dabei auf die seit 2007 nicht valorisierten Förderung der 24-Stunden-Betreuung und auf die enorme Teuerungswelle, die die Finanzen der betreuten KlientInnen jetzt zusätzlich belastet. Auf die Dramatik der finanziellen Situation in der 24-Stunden-Betreuung und die damit verbundenen Folgen haben bei dem Pressegespräch auch PersonenbetreuerInnen, VertreterInnen von Angehörigen betreuter KlientInnen und VertreterInnen von Organisationen von Personenbetreuung (Vermittlungsagenturen) hingewiesen.


Birgit Meinhard-Schiebel, Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger

„Die Interessengemeinschaft tritt für die Anliegen fast einer Million pflegender Angehöriger ein. Immer wieder erreichen uns auch Anfragen von pflegenden Angehörigen und Zugehörigen zur 24-Stunden-Betreuung, möglichst durch zertifizierte Vermittlungsagenturen. Dabei erreicht uns auch die Sorge über die geringe finanzielle Förderung, die dafür zur Verfügung steht.

In der derzeitigen Situation, in der die Teuerung und Preisanstiege rapide zunehmen, werden die Kosten für die 24-Stunden-Betreuung zu einem einschneidenden Problem, das bis hin zur Auflösung von Verträgen geht. Damit verlieren die pflegenden Angehörigen eine wichtige Unterstützung, die sie selbst in eine mögliche Aufgabe ihrer Erwerbstätigkeit und zum Aufbrauchen finanzieller Rücklagen zwingen. Mindestens eine rasche und danach jährlich indexbasierte Anhebung der Förderungen sind notwendig, um zu verhindern, dass durch den Ausfall von Betreuungskräften die häusliche Pflege und Betreuung für pflege- und betreuungsbedürftige Menschen und ihre Angehörigen unleistbar werden.“

 

Alfred Schöfberger pflegt seit nunmehr 30 Jahren seine Ehefrau, seit acht Jahren tut er das mit Hilfe zweier 24-Stunden-Betreuerinnen.

Die beiden Betreuerinnen stammen aus Polen und wechseln sich 14-tägig ab: „So wie man uns jetzt behandelt, ist das eines Staates wie Österreich nicht würdig. Die Betreuten selbst, deren Angehörige sowie die BetreuerInnen wurden in den Unterlagen des Sozialministeriums zur Pflegereform nicht berücksichtigt. Dabei gibt es keine bessere Lösung als die 24-Stunden-Betreuung zuhause, wie bei der Erkrankung meiner Frau. Unsere Finanzen zu Hause sehen so aus: Pflegestufe 6 (1.351,80 Euro im Monat), Förderung für 24-Stundenbetreuung (550 Euro im Monat) und meine Pension, machen zusammen 4.150 Euro. Nach Abzug unserer monatlichen Ausgaben für die Betreuung (3.050 Euro) blieben uns nur 1.100 Euro für Wohnung, Betriebskosten, Lebensmittel und Kleidung, wobei da auch anteilig Energie und Lebensmittel für die Betreuerinnen miteingerechnet sind. Daher haben wir 2017 unser Haus verkaufen müssen und können aus dem Erlös monatlich zuzahlen.  Wir helfen dem Staat enorm zu sparen, denn wäre meine Frau seit der Zeit, seit der wir nun Betreuerinnen haben, im Heim, wären dafür mehrere hunderttausende Euro Kosten angefallen. Daher verlange ich 1. eine Valorisierung der Förderung und eine Verdoppelung derselben, sowie 2. eine vernünftige Erhöhung der Pflegestufen, nur valorisieren reicht dabei nicht mehr. So hat der Staat eine „Win-win-Situation“: eine Garantie auf eine ordentliche Betreuung und eine Ersparnis von vielen hundert Millionen Euro im Vergleich zur Pflege in Heimen.“

 

Bibiana Kudziova, Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung der Wirtschaftskammer Wien

Sie ist seit 15 Jahren als Personenbetreuerin in Österreich tätig und vertritt seit 2015 die Berufsgruppe der PersonenbetreuerInnen. „Für mich ist es völlig unverständlich, warum der Bereich der 24-Stunden-Betreuung nicht Teil der vom Sozialminister präsentierten Pflegereform ist. Auch unser Aufgabengebiet benötigt dringend finanzielle Unterstützung. Es rächt sich jetzt, dass die staatliche Förderung von 550 Euro im Monat seit 2007 nicht ein einziges Mal valorisiert worden ist. Zusätzlich mit der enormen Teuerungswelle von heuer wird es für die Familien, bei denen BetreuerInnen tätig sind, immer schwieriger, diese Betreuung zu finanzieren. Darüber hinaus verlange ich einen Fairnessbonus für jene Familien, die sich zu Mindesthonoraren – abhängig von der Pflegestufe - für ihre BetreuerInnen verpflichten. Auch berichten mir jetzt KollegInnen immer wieder, dass das Geld, das sie zur Führung des Haushaltes bei ihren KlientInnen zur Verfügung haben, gegen Monatsende hin knapp wird. Um die Betreuung aufrecht zu erhalten – in Wien für rund 4.500 betreute KlientInnen – geht es um zwei Sofortmaßnahmen: Die Valorisierung der staatlichen Förderung und somit Erhöhung auf 700 Euro UND eine darüber hinaus gehende Erhöhung, damit sich die oftmals verbal bekundete Wertschätzung uns BetreuerInnen gegenüber endlich auch in höheren Honoraren niederschlägt.“

 

Marcela Strahodinsky, Inhaberin einer Organisation von Personenbetreuung.

Sie vertritt diese Berufsgruppe in der Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung der Wirtschaftskammer Wien. „Die Agenturen sind die Schnittstellen und Netzwerke für eine qualitätsvolle Betreuung zu Hause. Wir waren daher alle sehr überrascht, als die 24-Stunden-Betreuung nicht Teil der vom Sozialminister präsentierten Pflegereform war. Viele der von uns betreuten KlientInnen und deren Familien können sich die Betreuung immer schwerer leisten. In jüngster Zeit musste ich öfters Interessenten für eine Betreuung nach einer gemeinsam erstellten Haushaltsrechnung, sagen, dass sie die Betreuung nicht zur Gänze finanzieren können. Da geht es dann um mehrere hundert Euro, die pro Monat fehlen. Es ist daher ein Gebot der Stunde – in Wien geht es um die Fortführung von rund 4.500 Betreuungsverhältnissen – die Förderung von 550 Euro im Monat nun endlich zum ersten Mal seit 2007 der Kaufkraft anzupassen! Darüber hinaus muss die Förderung in Form eines Qualitätsbonus ausgeweitet werden, damit sich die KlientInnen die Qualitätssicherung ihrer Betreuung durch eine ÖQZ-24 zertifizierte Organisation von Personenbetreuung leisten können (www.oeqz.at). Unsere Frage an die Politik: Sollte nicht jeder Mensch in Österreich die freie Wahl haben, wo er seinen Lebensabend verbringt? Damit wir unseren Eltern und Großeltern den Wunsch nach einer Betreuung in den eigenen vier Wänden erfüllen können, benötigen wir die Unterstützung der Politik. Deshalb unser Appell an das Sozialministerium: Unterstützen Sie die Betreuungsbedürftigen mit einer entsprechenden Förderung und erfüllen Sie so tausenden Menschen den Wunsch zu Hause alt zu werden.“

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