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Deutlich mehr Lehrlinge in den Wiener Betrieben

Zahl der Lehrlinge in den Betrieben im Jahresabstand um fast sechs Prozent gestiegen –Wirtschaftskammer Wien fordert weitere Reformen, um Aufwärtstrend weiter zu stärken

Lehrlinge
© Westend61/Picturedesk

Das neue Berufsschuljahr beginnt erst im September, doch schon jetzt zeigen die Zahlen für Wien eine positive Entwicklung auf dem Lehrstellenmarkt. Laut Wirtschaftskammer-Statistik hatten mit Ende Juli 11.645 Lehrlinge einen Ausbildungsvertrag mit einem Wiener Unternehmen in der Tasche – um 633 Lehrlinge oder 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr (11.012 Lehrlinge). Das ist der höchste Zuwachs bundesweit. Auch die Zahl der Lehrlinge im ersten Lehrjahr war mit 4.018 um 4,3 Prozent höher als im Juli 2018. Besonders in den Branchen Banken, Einzelhandel und Logistik gibt es heuer mehr Lehrlinge. 

„Die Wiener Unternehmer wissen, dass vor allem sie selbst für die Ausbildung künftiger Fachkräfte sorgen müssen. Und sie nehmen diese Verantwortung ernst“, sagt Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien. Die erfreuliche Entwicklung sei aber auch ein Zeichen für den Imagewandel der Lehre.

„Die Wirtschaftskammer und vor allen die Branchenvertretungen haben in den letzten Jahren einiges unternommen, um das Image der Lehre zu steigern. Das macht sich bezahlt.“
Walter Ruck, WK Wien-Präsident

Auch die zuletzt erfolgten Modernisierungsschritte in der dualen Lehrausbildung scheinen Wirkung zu zeigen. Seit dem Vorjahr wurden einige neue Lehrberufe geschaffen, wie der E-Commerce-Kaufmann mit aktuell 16 Lehrlingen in Wien oder die Lehre im Bereich Applikationsentwicklung/Coding (aktuell 24 Lehrlinge). Zusätzlich wurden viele traditionelle Ausbildungen überarbeitet und modernisiert. „Das sind wichtige Schritte, um die Lehrausbildung nicht nur für die Jugendlichen interessanter zu machen, sondern auch besser an Anforderungen und Alltag in den Betrieben anzupassen“, betont Ruck.

Forderung: Bildungsstandards einführen, Rahmenbedingungen reformieren, neue Angebote schaffen

Um die positiven Ansätze voranzutreiben, braucht es aber weitere Reformen. Allen voran die von der Wirtschaftskammer Wien seit langem geforderte Einführung einer Bildungspflicht mit Mindeststandards in zentralen Fächern und die Reform der 9. Schulstufe, um die Ausbildungsreife der Jugendlichen beim Verlassen des Schulsystems sicherzustellen. Auch die Modernisierung der Lehrberufe muss fortgesetzt werden.

Zudem müssen neue Angebote der dualen Ausbildung entwickelt werden, die auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten sind, zum Beispiel Erwachsene. Für Maturanten hat Wien hier bereits den ersten Schritt gesetzt: Im Herbst startet mit der Dualen Akademie in den Branchen Gärtner und Floristik die erste speziell auf diese Zielgruppe zugeschnittene Berufsausbildung. „Diesen Weg wollen wir gemeinsam mit den Berufsschulen fortsetzen und die duale Akademie auch in anderen Branchen forcieren“, betont Ruck.  

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