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Der Kampf für weniger Steuern

In wenigen Wochen soll die Steuerreform stehen. Was sie bringen wird, ist noch unklar. Wiens Unternehmen fordern dringend Entlastung.

Steuern
© Kate Kunz/Corbis

Die Hotellerie ist extrem personalintensiv, die Lohnnebenkosten sind bei uns ein wesentlicher Kostenfaktor”, sagt die Wiener Hotelchefin Vera Kremslehner-Braunegg. Zu ihrer Hotelgruppe gehören vier Hotels und vier Restaurants, derzeit arbeiten rund 200 Mitarbeiter für das Unternehmen. „Die Senkung der Lohnnebenkosten ist für uns extrem wichtig”, sagt die Unternehmerin und erklärt auch warum: „Wir suchen laufend neue Mitarbeiter und finden keine. Das hat sich durch die Corona-Pandemie extrem verschärft. Denn viele Mitarbeiter, die von uns eine Wiedereinstellungszusage hatten, haben sich wegen der langen Lockdowns längst umschulen lassen und arbeiten nicht mehr in der Branche. Wenn ich wegen niedrigerer Abgaben ein höheres Gehalt anbieten kann, habe ich mehr Chancen, neue Mitarbeiter zu finden”, so Kremslehner-Braunegg. Vergangene Woche hat die Unternehmerin das dritte ihrer vier Häuser nach dem Lockdown wieder in Betrieb genommen, das vierte Hotel soll Anfang Oktober wieder seine Pforten öffnen.

„Wenn ich mir Steuern erspare, würde ich das ins Unternehmen investieren.”
Elisabeth Koller-Galler, Geschäftsführerin CIRO GmbH

Studie belegt hohe Lohnnebenkosten

Dass die Lohnnebenkosten für Betriebe in Österreich sehr hoch sind, belegt auch eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria, die im Vorjahr für die Wirtschaftskammer Wien erstellt wurde und die Entwicklung der Abgaben auf den Faktor Arbeit ab 1975 untersucht hat. So sind die Beitragssätze der Arbeitgeber zur Sozialversicherung (SV) in dieser Zeit von rund 13 Prozent auf rund 21 Prozent gestiegen. Hinzu kommen noch Steuern auf die Lohnsumme, wie etwa die Kommunalsteuer. Auch Arbeitnehmer müssen heute um mehr als ein Drittel höhere Beitragssätze bezahlen. Zusammen mit der Einkommensteuer ergibt das einen erheblichen „Steuerkeil” - das ist die Differenz zwischen jenem Betrag, den Arbeitgeber einschließlich aller Abgaben für ihren Mitarbeiter bezahlen müssen (Arbeitskosten), und dem Betrag, den der Mitarbeiter letztlich auf seinem Gehaltskonto vorfindet (Nettolohn). Je nach Einkommenshöhe kann dieser „Steuerkeil” zwischen einem Drittel und mehr als die Hälfte des Betrags ausmachen, den Unternehmen aufwenden.

„Dass der Arbeitsplatz nicht für alle EPU absetzbar ist, ist kleinkariert.”
Lisa Weber, Geschäftsführerin Lisa Weber Grafik

Heißt übersetzt: Es kommt zu wenig beim Mitarbeiter an. Johannes Berger, Wirtschaftsforscher bei EcoAustria, hat an der Studie mitgearbeitet und dabei durchgerechnet, wie sehr sich die gestiegene Abgabenbelastung auf die unterschiedlichen Einkommenshöhen auswirkt. Das Ergebnis: Auch bei sehr niedrigen Einkommen sind die Abgaben auf Einkommen von 34 Prozent (1975) auf 44 Prozent (2019) gestiegen. Bei höheren Einkommen ist die Abgabenbelastung von rund 45 Prozent auf 66 Prozent gestiegen. Würden bei dieser Einkommensklasse heute noch die damaligen Abgabensätze gelten, müssten Arbeitgeber und -nehmer aktuell um 1000 Euro weniger Steuern und SV-Beiträge leisten - pro Monat und Mitarbeiter, rechnet Berger vor

Mindest-KÖSt in der Kritik

Auch an anderer Stelle drückt den Wiener Unternehmen der Schuh, wenn es um Steuern geht. „Wir schaffen es aufgrund der steuerlichen Situation kaum mehr, Rücklagen zu bilden”, sagt die Wiener Schmuckhändlerin Elisabeth Koller-Galler. Sie ist seit 1986 selbstständig und führt eine GmbH mit sechs Mitarbeitern, die unter dem Label Ciro Schmuck aus unechten Steinen designt und über ein Einzelhandelsgeschäft in der Kärntner Straße, einen wachsenden Online-Handel und als Großhändlerin vertreibt. Die Produktion des Schmucks erfolgt in Partnerbetrieben. Als GmbH unterliegt das Unternehmen der Körperschaftsteuer (KÖSt), die in Österreich derzeit 25 Prozent des Gewinns verlangt. Politisch diskutiert wird derzeit die Senkung der KÖSt auf 21 Prozent „Ich würde eine solche Senkung selbstverständlich spüren, weil ich alles, was ich mir erspare, in die Unternehmensentwicklung und den Personalaufbau investiere, denn alles, was wir an Modellen und Designs entwerfen, das gehört uns”, sagt Koller-Galler. Außerdem brauche der Betrieb für die Zukunft mehr Rücklagen: „Man hat in der Krise ja gesehen: Wenn man keinen Polster hat, ist man sofort tot”, so die Unternehmerin, die sich auch vehement für die Abschaffung der Mindest-KÖSt ausspricht. Denn Körperschaftsteuer fällt in Österreich auch an, wenn man keine Gewinne macht. „Wir zahlen genug Steuern, wenn wir Gewinne machen, dass wir nicht noch mehr zahlen sollten, wenn es nicht so gut läuft. Ich bin absolut der Meinung, dass das abgeschafft gehört”, sagt Koller-Galler. Auch bei der Gewinnentnahme (derzeit weitere 25 Prozent) könnte man eine Senkung andenken, wenn zugleich auch die Tarifsätze der Einkommensteuer gesenkt werden. „Jedes Prozent tut gut”, so die Unternehmerin.

Abgabenlast
© wkw/Quelle: EcoAustria,
EPU-Arbeitsplatz leichter absetzen

Gar nicht rund läuft es steuerlich auch bei tausenden Ein-Personen-Unternehmen (EPU), die immer noch auf die von der Bundesregierung für 2021 zugesagte pauschale Absetzbarkeit des Arbeitsplatzes im Wohnungsverband warten. Zu Erklärung: Arbeitet man als Unternehmer von zuhause aus und hat hierfür ein eigenes, absperrbares Arbeitszimmer, kann man diesen Arbeitsplatz nach klaren gesetzlichen Vorgaben steuerlich geltend machen. Ist der Arbeitsplatz aber beispielsweise im Wohn- oder, Schlafzimmer angesiedelt, geht das nicht. Die Wirtschaftskammer Wien hat schon vor Jahren eine Möglichkeit für diese betroffenen Unternehmer gefordert - und durchgesetzt. Allein: Die Corona-Pandemie verzögerte bisher die politische Umsetzung bis heute. Dabei hat das viele Arbeiten von zuhause während der Pandemie die Notwendigkeit einer solchen Regelung noch verschärft. „Dass das angekündigt und nicht umgesetzt wird, ist indiskutabel”, sagt die Wiener Werbegrafikerin, Lisa Weber, die mit vielen Wiener EPU dazu in Kontakt steht. „EPU fangen meist klein an, können sich noch kein angemietetes Büro leisten, viele betreuen parallel auch ihre Kinder zuhause”, weiß Weber. Dass sie ihren Arbeitsplatz nicht absetzen können, sei „kleinkariert und unternehmerfeindlich”. Man solle Kleinunternehmern nicht aufzwingen, ein externes Büro anzumieten, nur, weil der Arbeitsplatz zuhause nicht abtrennbar ist. Schließlich benötigen viele Branchen gar nicht viel Platz, um arbeiten zu können. „Viele brauchen einfach nur einen Laptop und eine gute Internet-Verbindung - und dann können sie von überall ausarbeiten. Warum also nicht auch im Wohnzimmer”, ärgert sich Weber über die Benachteiligung dieser wachsenden Unternehmergruppe. Dass die Abgabenlast in Österreich ganz generell sinken muss, unterstützt auch Experte Berger: „Österreich hat die fünfthöchste Abgabenbelastung in der EU, eine Reduktion der Abgabenquote um zwei Prozentpunkte zum EU-Schnitt wäre als erster Schritt erstrebenswert.” Zugleich müsse der Staat effizienter werden: „Österreich nimmt auch bei öffentlichen Ausgaben einen Spitzenplatz ein, erzielt jedoch oft nur mittelmäßige Ergebnisse. Je umfangreicher Effizienzpotenziale gehoben werden, desto eher sind Steuersenkungen finanzierbar”, sagt Berger.

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© wkw

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