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Brexit: Wiener Betriebe sind gut vorbereitet

Egal ob Großbritannien die Europäische Union nun am 31. Oktober verlässt oder nicht: In den Betrieben ist die Vorbereitung auf den Tag X so gut wie abgeschlossen. Die Herausforderungen und Lösungen sind dabei höchst unterschiedlich.

„Großbritannien bleibt ein spannendes Aufmarschgebiet für Exporteure.” Christian Kesberg, Wirtschaftsdelegierter in London
© WKÖ/Andrea Perina „Großbritannien bleibt ein spannendes Aufmarschgebiet für Exporteure.” Christian Kesberg, Wirtschaftsdelegierter in London

„England ist für uns einer der wichtigsten Exportmärkte. Und natürlich machen wir uns Gedanken, wie es nach dem Brexit weitergeht”, zeigt sich Dieter Strehl, Geschäftsführer und Gesellschafter der Wiener Spielkartenfabrik Ferd. Piatnik & Söhne, besorgt über die Entwicklung zwischen der Europäischen Union (EU) und dem Vereinigten Königreich. Zunächst einmal geht er pragmatisch an die Herausforderungen der nächsten Tage und Wochen und lässt sich auch in die Karten schauen: „Wir werden bis zum 31. Oktober die gesamte Ware für das Weihnachtsgeschäft in Großbritannien haben. Egal was also passiert, unsere Brettspiele und Spielkarten werden für das Weihnachtsfest auch in englischen Läden zu kaufen sein.”  

„Wir werden bis 31. Oktober die Ware für das Weihnachtsgeschäft in Großbritannien haben.” Dieter Strehl, Spiele-Hersteller
© Kurt Prinz „Wir werden bis 31. Oktober die Ware für das Weihnachtsgeschäft in Großbritannien haben.” Dieter Strehl, Spiele-Hersteller

Wie es danach - nach einem ungeregelten oder geregelten Brexit weitergeht -, darauf wird sich der Chef des 114 Mitarbeiter-Unternehmens flexibel einstellen: „Wir sehen ja generell weltweit einen starken Trend zum Protektionismus und müssen uns daher immer mehr Herausforderungen stellen. Und dieser Trend ist für uns alle schlecht. Aber wir exportieren ja in viele Länder und werden auch künftig in Großbritannien in den Regalen stehen”, ist er zuversichtlich.

Auch in Wien lebende Briten betroffen und verunsichert

In ganz anderer Weise ist Frank Honan betroffen. Der gebürtige Brite ist mit seiner Familie 2006 nach Wien übersiedelt und hat hier als Unternehmer ein neues berufliches Standbein aufgebaut. Gemeinsam mit seinem ebenfalls aus Großbritannien stammenden Geschäftspartner Dominic Candelori ist er im Segelyacht-Geschäft erfolgreich (www.sailcharterinternational.com). Die meisten seiner Kunden sind englisch-sprachig, vor allem sind es Briten. Entsprechend wichtig ist der englische Markt für ihn auch in Zukunft. „Es war so eine schwierige, stressige Zeit bis klar war, wie wir unseren persönlichen Status absichern können”, sagt Honan, der keine österreichische Staatsbürgerschaft hat und daher um sein Aufenthaltsrecht nach dem Brexit besorgt war. Dank seiner irischen Eltern ist er allerdings britisch-irischer Doppelstaatsbürger und bleibt damit auch nach dem Brexit EU-Bürger. Bei seinen beiden Söhnen war es nicht so einfach. Die britische Staatsbürgerschaft war für sie zu unsicher, sie sind jetzt ebenfalls Iren. „Das war eine sehr harte Entscheidung”, sagt der Unternehmer. Sein Geschäftspartner habe einen italienischen Pass beantragt - sein Vater ist Italiener.  

„Wir Briten in Wien hatten sehr harte Entscheidungen zu treffen.” Frank Honan, Segelyacht-Unternehmer
© SCI „Wir Briten in Wien hatten sehr harte Entscheidungen zu treffen.” Frank Honan, Segelyacht-Unternehmer

In seinem privaten Umfeld wolle er nicht mehr über den Brexit sprechen, denn er habe bemerkt, dass sich die Meinung über die Briten durch das ständige Hin und Her sehr verschlechtert habe. Im täglichen Leben sei es oft unangenehm geworden, Engländer zu sein. Denn bei vielen habe sich die Meinung gefestigt, dass die Briten nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht seien. Auch seine in England lebenden Landsleute seien müde geworden. „Sie wollen, dass es endlich abgeschlossen wird und wieder Normalität beginnt”, sagt Honan. Er ist überzeugt, dass Großbritannien seine Beziehung zu Europa klären wird.

Mit Hochspannung beobachtet auch der österreichische Wirtschaftsdelegierte in London, Christian Kesberg, die aktuelle Entwicklung. Seit der entscheidenden Brexit-Abstimmung im Juni 2016 hat er unzählige österreichische Betriebe beraten und bei der Vorbereitung auf den EU-Austritt Großbritanniens begleitet. „Vor allem die größeren Betriebe haben die technischen Probleme wie rechtliche und steuerliche Fragen im Griff und sind gut vorbereitet”, so Kesberg.

„Harter” Brexit unwahrscheinlich

Schwierig sei die Situation mitunter aber für kleinere Betriebe, die mit Großbritannien nur hin und wieder im Geschäft seien und für die die Vorkehrungen auf einen „harten” Brexit zu teuer wären. Doch einen „harten” Brexit hält Kesberg derzeit ohnehin für unwahrscheinlich.

Auch was die fernere Zukunft betrifft, ist Kesberg alles andere als pessimistisch: „Großbritannien bleibt ein spannendes Aufmarschgebiet für österreichische Exporteure”, ist er überzeugt. Denn das Königreich bleibe die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas, selbst wenn durch den EU-Austritt vorübergehend etwas wirtschaftliche Dynamik verloren gehen könnte. „Viele österreichische Stärkefelder treffen hier auf eine große Nachfrage”, sagt der Wirtschaftsdelegierte. Zwar habe in den vergangenen Monaten wegen der negativ besetzten Brexit-Berichterstattung das Interesse neuer Unternehmen am britischen Markt etwas nachgelassen. Das werde sich aber bald wieder ändern, sobald klar ist, wie es nun weitergeht, sagt Kesberg.


Zahlen, Fakten

  • 1973
    traten Großbritannien und Irland gleichzeitig der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) bei. Nur zweieinhalb Jahre später stimmten die Briten zum ersten Mal über einen Austritt ab. Damals stimmten zwei Drittel für den Verbleib.
  • 2,4 Billionen
    Euro macht das Bruttoinlandsprodukt Großbritanniens aktuell in etwa aus. Das Königreich ist damit nach Deutschland die größte Volkswirtschaft in der EU, mit deutlichem Abstand vor Frankreich.
  • 3 Millionen
    nicht-britische EU-Bürger leben derzeit in Großbritannien. Sie werden auch in Zukunft weiterhin hier leben dürfen.
  • 4,0 Prozent
    beträgt die Arbeitslosenquote in Großbritannien. Das ist eine der niedrigsten Werte in der EU.
  • 250 Betriebe
    aus Österreich sind in Großbritannien mit Niederlassungen vertreten. Sie beschäftigen rund 40.000 Mitarbeiter und machen einen Jahresumsatz von 22 Milliarden Euro.


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