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An Anfang war die Idee

Vor allem bei internationalen Patenten beweist Wien Erfindergeist. Betriebe erzählen, weshalb sie ihre Ideen schützen lassen.

Martin Wesian, Gründer von Helioz und Erfinder des „Wadi”.
© Helioz Martin Wesian, Gründer von Helioz und Erfinder des „Wadi”.

Ich wollte mir nicht verbieten lassen, meine eigene Technologie zu verwenden”, schildert Martin Wesian den Hauptgrund, weshalb er seine Erfindung „Wadi” patentieren ließ. „Wadi” ist ein handgroßes Gerät, das die Desinfektion von Wasser mithilfe von UV-Strahlen - also der Sonne - ermöglicht. „Mit nur einem Gerät können wir Millionen von Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen”, erklärt der Gründer des Social Enterprise Helioz, das mittlerweile in Asien und Afrika Wasser- und Klimaschutzprojekte umsetzt. Die Idee für diese Innovation stammt von Wesian selbst: „Auf Reisen habe ich durch eine Cholera-Erkrankung am eigenen Leib erfahren, was es heißt, von kontaminiertem Wasser krank zu werden, diese Erfahrung hat den Stein sozusagen ins Rollen gebracht”, sagt der studierte Wirtschaftsingenieur, der in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) das Gerät entwickelt hat. „Das Wichtigste war mir, die Technologie dahinter so frugal und simpel wie möglich zu gestalten - damit keine Wartungsarbeiten notwendig sind, das Gerät eine lange Lebensdauer hat und so einfach wie möglich bedient werden kann”, betont Wesian.

„Die Sorge, dass jemand meine Idee klaut, weil ich ein Patent angemeldet habe, ist unbegründet.”
Dieter Meissner, Forscher und Gründer von crystalsol

Ohne Patente keine Investoren

Die Patentierung seiner Innovation in den USA, in der Schweiz, aber auch in Österreich und Asien hat sich der Wiener Unternehmer einiges kosten lassen. „Wenn man etwas in mehreren Ländern patentieren lassen möchte, kann einen das schon einmal mehrere hunderttausend Euro kosten.” Eine andere Wahl bleibe vielen Unternehmen aber nicht, so Wesian. „In Europa und Österreich ist es vor allem eine Frage der Finanzierung. Für viele Förderungen ist ein Patent Voraussetzung. Und auch Investoren insistieren, dass die Erfindung, in die sie einzahlen, patentiert ist. Und hier wird es problematisch, denn für ein Start-up ist Risikokapital durch Investoren essenziell”, weiß Wesian, der bereits an der nächsten Innovation arbeitet. „Wir sind gerade dabei, Wasser-ATMs zu entwickeln, also Wasser-Automaten, um noch mehr Menschen sauberes Wasser zur Verfügung stellen zu können. Gespräche dafür sind bereits mit der indischen Regierung am Laufen.”

Patente aus Österreich weltweit auf Platz fünf

Start-ups wie Helioz zeigen, wie Innovationen aus Österreich die ganze Welt bereichern können. Und ein Blick auf die Jahresbilanz des Österreichischen Patentamts zeigt, wie groß der Erfindergeist hierzulande ist: 2480 Erfindungen aus Österreich wurden 2021 alleine beim Österreichischen Patentamt angemeldet, 372 davon aus Wien. Auch im internationalen Vergleich beweist die Alpenrepublik Innovationskraft: Insgesamt 2318 Anmeldungen aus Österreich gingen 2021 beim europäischen Patentamt, mehr als ein Viertel davon aus Wien. Weltweit wurden sogar 11.031 Patente „Made in Austria” angemeldet. Innerhalb der EU liegt man damit auf Platz 5, weltweit auf Platz 10, so die Jahresbilanz des Österreichischen Patentamts.

Patente
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Mechatronik und Maschinenbau als Zugpferde

Besonders stark liegt Österreich bei Patenten in den Bereichen Mechatronik und Elektrotechnik, aber auch bei Klimaschutz und bei grünen Technologien ist man vorne dabei. „International haben in den letzten Jahren vor allem digitale Technologien, aber auch die Kommunikationstechnologie an Schwung gewonnen, in Österreich liegt der Schwerpunkt aber auf CO2-Technologien, elektrischen Maschinen und erneuerbaren Energien”, erklärt Ilja Rudyk, Senior Ökonom des Europäischen Patentamts. Einer der Betriebe, die in diesem Bereich tätig sind, ist crystalsol, das 2009 gegründete Wiener Startup, das eine flexible Photovoltaik-Technologie mittels Rolle-zu-Rolle-Druck realisiert.

Forschung ist wichtigster Bestandteil

Die wissenschaftliche Basis und das Know-how für diese einzigartige Technologie stammt von Dieter Meissner: „Crystalsol ist als Ausgründung von Uni-Aktivitäten gegründet worden”, schildert der mittlerweile emeritierte Universitätsprofessor und Gründer des Unternehmens

150 Patente gesichert

Insgesamt ließ Meissner im Zuge seiner Forschungsarbeit 150 Patente sichern - zirka sechs davon gehören crystalsol. „Im Grunde handelt es sich um 39 Ideen oder Familien, für die ich Patente in unterschiedlichen Ländern angemeldet habe. Die Patente variieren dann von Land zu Land - deshalb sind es insgesamt 150 Patente geworden”, erklärt Meissner das oft mühsame und auch sehr kostspielige Prozedere. „Im ersten Jahr sind Patente zum Beispiel in Österreich noch sehr günstig - die Kosten steigen dann aber rapide und dann ist es höchste Zeit, Investoren zu finden”, erklärt Meissner.

„Obwohl es uns erst seit fünf Jahren gibt, sind wir am Weltmarkt die Nummer zwei.”
Christian Harwanegg, GF Macro Array Diagnostics

Einheitspatent erleichtert Prozess

Abhilfe soll ab dem kommenden Jahr das europäische Einheitspatent schaffen. „Derzeit kann ein Erfinder eine Erfindung in Europa mit einem nationalen oder einem europäischen Patent (EPA) schützen. Das Europäische Patentamt prüft europäische Patentanmeldungen zentral und erspart Erfindern damit die Kosten paralleler Anmeldungen”, erklärt Ilja Rudyk. Allerdings müssen erteilte europäische Patente in jedem Land, in dem sie Wirkung entfalten sollen, einzeln validiert und aufrechterhalten werden, so der Experte. Das kann direkte und indirekte Kosten nach sich ziehen wie etwa Übersetzungskosten, Validierungsgebühren, Anwaltshonorare etc. „Mit dem Einheitspatent entfällt die Notwendigkeit dieser nationalen Validierungsverfahren und das EPA übernimmt als universale Anlaufstelle die Eintragung des Einheitspatents.”

Die Angst vor dem Ideen-Diebstahl groß

Aufgrund der Offenlegung der Patentschrift bei einer Patentanmeldung, 18 Monate nach dem Anmeldetag, herrscht bei vielen Betrieben jedoch Skepsis gegenüber einer Patentanmeldung. Die Angst, jemand könnte ihre Idee abkupfern, ist oft zu groß. Unbegründet - so Meissner: „Natürlich kommt es immer auf die jeweilige Erfindung an und man sollte sich schon aufgrund der finanziellen Situation gut überlegen, ob und in welchem Land ein Patent überhaupt Sinn macht. Die Sorge, dass jemand meine Idee klaut, nur weil ich ein Patent angemeldet habe, ist jedoch unbegründet. Denn: Man muss einfach wissen, wie man ein Patent schreibt und formuliert, damit so etwas nicht passieren kann”, weiß Meissner aus langjähriger Erfahrung. Essenziell sei dabei die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Patentanwalt, rät er. Unterstützung bietet dahingehend auch der kostenlose Patentsprechtag der Wirtschaftskammer Wien.

Mehr Durchsetzungskraft gegendie Konkurrenz

Für Christian Harwanegg, Gründer und Geschäftsführer des Biotechs Macro Array Diagnostics (MADx), war neben dem Zugang zu Venture Kapital durch Investoren ein weiterer Grund ausschlaggebend für eine Patentanmeldung. „Wir entwickeln, produzieren und vertreiben Tests, Instrumente und Software für die immunologische Diagnostik und Forschungsanwendungen”, erklärt Harwanegg. „Und obwohl es uns erst seit fünf Jahren gibt, sind wir am Weltmarkt mittlerweile die Nummer zwei”, hebt der Erfinder hervor, der sich zum Ziel gesetzt hat, sich mit diesem innovativen Allergietest gegen die Konkurrenz durchzusetzen. „Unser Allergietest, der auf molekularer Diagnostik fußt, macht es möglich, 300 verschiedene Allergene zu testen und das in einem einzigen und nicht-invasiven Schritt. Damit decken wir nahezu 100 Prozent der weltweit relevanten Allergieauslöser ab. Wir hoffen, künftig noch mehr Labore und Arztpraxen von unserer Technologie überzeugen zu können”, schildert Harwanegg, der in den USA bereits Testkits unter der Marke 7 Drops für private Nutzer verkauft. „Ziel ist es, solche Testkits für zu Hause auch in Europa bald auf den Markt zu bringen”, erklärt er. Aktuell ist MADx in mehr als 70 verschiedenen Ländern vertreten, in über 35 Ländern besteht für die Innovation ein aktiver Patentschutz.


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