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Adipositas: Schwere Last auch für die Volkswirtschaft

Übergewicht und Adipositas (Fettsucht) zählen zu den größten gesundheitspolitischen und gesundheitsökonomischen Herausforderungen der heutigen Zeit.

Wiener Wirtschaftskreis
© Florian Wieser

„Der Wiener Wirtschaftskreis widmet sich aktuell der sich in erschreckendem Maße verbreitenden Adipositas, der Fettleibigkeit“, so Rudolf Taschner, Leiter des Wiener Wirtschaftskreises: „Ein höchst aktuelles Thema, nicht zuletzt deshalb, weil Adipositas einen gewichtigen Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Verlauf darstellt.“ Mehr als die Hälfte aller Österreicher (54 Prozent) sind laut aktuellem WHO-Report in Österreich übergewichtig (EU-Durchschnitt liegt bei 59 Prozent). Bei den Kindern zwischen 5 und 9 Jahren ist es knapp jedes Dritte (28 Prozent), ebenso bei den Jugendlichen im Alter von 10 bis 19 Jahren (26 Prozent). Österreichs Kinder liegen damit sogar über dem EU-Schnitt von 24 Prozent. „Kinder bezahlen einen hohen Preis dafür, wenn sie übergewichtig sind: Sie haben schlechtere Schulerfolge, sind öfter in der Schule abwesend und wenn sie Erwachsene sind, haben sie einen schlechteren Zugang zu höherer Ausbildung. Sie zeigen weniger Life-Satisfaction und werden dreimal häufiger ausgespottet“, so Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Institutes für Ernährungsmedizin.

Die Ausfälle für Betriebe aufgrund von Krankenständen belaufen sich auf 1.421 Euro für Übergewicht und 3.079 Euro für Adipositas pro Person und Jahr.
Alexander Biach

Fettsucht verursacht Kosten in Milliardenhöhe

„Neben den massiven gesundheitlichen Schäden kostet das Übergewicht auch die Volkswirtschaft Milliarden“, sagt Alexander Biach, Direktor-Stellvertreter der Wiener Wirtschaftskammer. Medizinische Hilfe, betriebliche Ausfälle, Pflegefälle. Die Kosten, die dadurch der öffentlichen Hand und den Betrieben verursacht werden, lassen sich in vielen Fällen auf Übergewicht zurückführen. Dabei könnten in der Arbeitsbevölkerung zwischen 800 und 1.400 Euro an Mehrkosten für medizinische Versorgung pro Jahr und Person reduziert werden, wenn durch Bewegung und Ernährung Übergewicht vermieden werden kann, so Biach.

  • Die Ausfälle für Betriebe aufgrund von Krankenständen belaufen sich auf 1.421 Euro für Übergewicht und 3.079 Euro für Adipositas pro Person und Jahr.
  • An Pensionszahlungen durch Berufsunfähigkeitspension ergeben sich monatlich 4 Mio. Euro an Gesamtkosten oder jährlich 56 Mio. Euro, die durch die Pensionsversicherung und öffentliche Hand getragen werden.
  • Schließlich die Pflege, wo sich Übergewicht und Adipositas richtig kostenintensiv auswirken. 36,4 Prozent oder 170.000 der Pflegegeld-Fälle sind auf Übergewicht bzw. Adipositas zurückzuführen.
  • Mit 5.885 Euro an durchschnittlichen Ausgaben für Pflegegeld ließe sich rund 1 Mrd. Euro an Pflegegeldausgaben auf Übergewicht und Adipositas zurückführen.

Ernährung spielt wesentliche Rolle

„Mit Fehlernährung werden meist Übergewicht oder Fettsucht (Adipositas) in Verbindung gebracht“, so Susanne Kaser, stellvertretende Direktorin der Innsbrucker Univ. -Klinik für Innere Medizin, die sich in ihren Forschungen hauptsächlich mit Diabetes beschäftigt: „Tatsächlich spielt aber die Ernährung auch bei vielen Erkrankungen eine ganz wesentliche Rolle, einerseits was die Entstehung und damit auch Möglichkeit zur Prävention vor Krankheiten betrifft, andererseits kann sie auch als effizientes Therapeutikum eingesetzt werden.“ Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH hat die österreichische Sozialversicherung das Projekt REVAN (Richtig Essen von Anfang an) initiiert, in dem Ernährungsworkshops für Schwangere, Stillende und Kinder bis zum 10. Lebensjahr angeboten werden und gleichzeitig auch für Eltern und Pädagogen gezielte Informationsveranstaltungen und -unterlagen zur Verfügung gestellt werden. „Zudem bietet die ÖGK in verschiedenen Bundesländern multidisziplinäre Schulungsprogramme an und unterstützt Diätferien für betroffene Kinder und stationäre Rehabilitationen an speziellen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche“, so Martin Schaffenrath, Verwaltungsrat der österreichischen Gesundheitskasse.


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