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„Wir werden gestärkt aus dieser Krise hervorgehen”

Alles andere als eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt Wien wäre absurd, sagt Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck im Interview. Für die Stadthotellerie sieht er noch nicht so schnell Licht am Ende des Tunnels, beim Fachkräftemangel appelliert Ruck für Lehrlingsausbildung.

Walter Ruck
© Florian Wieser


WIWI: Herr Präsident, in der Vorwahlzeit geht die Politik mit Geld eher locker um. Werden Sie diese Zeit vermissen?

Walter Ruck: Wir tragen alle Verantwortung für einen ausgeglichenen Haushalt, denn nur so können notwendige. Investitionen für die Zukunft gesetzt werden. Man muss aber auch sagen: Wir haben wegen der Corona-Krise eine besondere Zeit, da sind wir alle gefordert, das Möglichste zu tun, damit die Wirtschaft ohne größeren Schaden diese Krise übersteht. Insofern ist das dieses Mal nicht so aufgefallen.


Wäre es zu einem Gastro-Gutschein auch gekommen, wenn nicht die Wiener Wahlen vor der Tür gestanden wären?

Walter Ruck: Der Gastro-Gutschein hat mit der Pandemie zu tun und nicht mit den Wahlen. Es war richtig, Angebot und Nachfrage zu stimulieren. 4000 Betriebe haben mitgemacht, 83 Prozent der Gutscheine wurden eingelöst. Es war auch ein Zeichen, dass man wieder rausgehen kann, zum Wirt und ins Café.

„Einer der wichtigsten Punkte für die Zukunft ist der Breitbandausbau.”
Walter Ruck, WK Wien-Präsident

Sie sind für Ihr enges Verhältnis zum Wiener Bürgermeister bekannt. Warum ist Ihnen diese persönliche Achse so wichtig?

Walter Ruck: Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens wäre es absurd, wenn die Spitzen der beiden großen Institutionen Stadt Wien und WK Wien nicht eng zusammenarbeiten würden. Und zweitens kenne ich Michael Ludwig schon seit 15 Jahren - und wir haben seit 15 Jahren eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit. Daraus ist irgendwann eine freundschaftliche Zusammenarbeit und später eine echte Freundschaft geworden.

 

Die Wahlen sind vorbei, Michael Ludwig wird Bürgermeister bleiben. Eine gute Nachricht für die Wirtschaft?

Walter Ruck: Die Zusammenarbeit mit ihm als Bürgermeister war aus Sicht der Wirtschaft in den vergangenen zwei Jahren sehr gut. Wir haben einige gemeinsame Projekte umgesetzt, wie etwa den Wien-Bonus. Diese Zusammenarbeit zahlt auf beiden Seiten ein und steigert den Wohlstand der Stadt, der Bevölkerung und der Wirtschaft.

 

Welches Projekt, das Sie in den letzten Jahren mit der Stadt umgesetzt haben, ist Ihnen persönlich am wichtigsten gewesen?

Walter Ruck: Da fällt mir etwa die Öffnung der Winterschanigärten ein, die in der Corona-Krise eine ganz besondere Bedeutung bekommt. Für die Unternehmen war auch die Gleichbehandlung des Lieferverkehrs in den Anrainerparkzonen wichtig. Und natürlich auch der von mir bereits angesprochene Wien-Bonus - ein ganz klares Bekenntnis der Stadt, bei ihren Aufträgen selbst auch regional einkaufen zu wollen.

Vor zwei Jahren haben Sie mit der Stadt eine Zukunftsvereinbarung geschlossen.

 

Wird es mit der neuen Stadtregierung eine erneuerte Zukunftsvereinbarung geben?

Walter Ruck: Es ist gut, wenn man sich ab und an hinsetzt und schaut, welche Projekte offen sind und welche Herausforderungen neu sind. Wir stehen in der WK Wien genauso wie die Stadt am Beginn einer neuen Periode. Ich denke, das ist für uns ein guter Zeitpunkt, um ein Programm für die nächsten fünf Jahre auszuarbeiten. Einige dieser Punkte werden sich sicher auch in einem Arbeitsübereinkommen mit der Stadt wiederfinden. 

„Bei der Lehrlingsausbildung haben wir unser Schicksal selbst in der Hand.”
Walter Ruck

Was wollen Sie als erstes umsetzen?

Walter Ruck: Einer der wichtigsten Punkte ist der Breitbandausbau. Vor allem in den Betriebsgebieten haben wir eine durchwachsende Versorgung, die wir unbedingt verbessen müssen. Die Grundversorgung muss auf ein höheres Niveau gehoben werden. Durch die derzeitige Unterversorgung haben wir einen Wertschöpfungsverlust von 23 Millionen Euro pro Jahr.

 

Warum geht der Breitbandausbau in Wien nicht schnell genug?

Walter Ruck: Das hat mit der Ausbaupolitik der Anbieter zu tun. Hier muss man sich Modelle überlegen, wie man mit Förderungen nachhelfen kann. Es geht aber auch um Ausbaumethoden. Ein einfaches Einfräsen in die Straßenoberfläche, das Trenching, wäre viel billiger, schneller und für alle weniger belastend als aufgraben, das ist aber in Wien nicht zugelassen. Das ist nur ein Beispiel von vielen Hemmschuhen, die zu hinterfragen sind.

 

Die Corona-Krise legt Branchen wie den Tourismus immer noch fast vollständig lahm. Was sagen Sie den Hoteliers, Fremdenführern, Fiakern oder Eventmanagern, wie es weitergehen kann?

Walter Ruck: Das Virus verändert unser Leben nachhaltig, auch unsere Reisegewohnheiten. Wien hat aber eine sehr diversifizierte Wirtschaft und wird besser durch die Krise kommen als andere Bundesländer. Wir werden heuer wahrscheinlich ein Minus von fünf Prozent haben, österreichweit sind es sieben Prozent. Trotzdem gibt es einzelne Branchen, die die Krise bei uns härter trifft als in anderen Bundesländern. Die Stadthotellerie etwa hat auf Sicht kein Licht am Ende des Tunnels. Hier braucht es weiter Kurzarbeit und den Fixkostenzuschuss, aber auch schnellere Tests und Informationen in den Quellmärkten, um ein Mindestmaß an Tourismus herstellen zu können. Ich denke, es wird sich in diesem Winter entscheiden, ob das gelingt oder nicht. Andere Branchen, wie die Nachtgastronomie, werden noch länger brauchen. Solange das Virus durch eine Impfung nicht kalkulierbarer wird, werden wir auf nächtliche Feiern wahrscheinlich verzichten müssen.

 

Mit Ihren Vorschlägen zur Reform des Insolvenzrechts haben Sie in der Fachwelt für Aufhorchen gesorgt...

Walter Ruck: Ja, weil auch andere sehen, dass wir in Österreich mit den Sanierungen oft zu spät beginnen. Die Sanierungsregeln müssen greifen, bevor der Insolvenzfall eintritt. So kann man Strukturen erhalten. Jede unternehmerische Struktur, die verloren geht, bedeutet volkswirtschaftlichen Schaden.


Vor kurzem haben Sie davor gewarnt, dass man den Fachkräftemangel nicht aus den Augen verlieren darf. Dabei gibt es derzeit mehr arbeitslose Fachkräfte als je zuvor. Wozu also mehr ausbilden?

Walter Ruck: Nur weil derzeit viele Menschen in Kurzarbeit oder arbeitslos sind, ist das Problem des Fachkräftemangels nicht behoben. Wenn die Krise überwunden ist, fehlen uns die Fachkräfte genauso wie vor der Krise. Und dann zu handeln, ist zu spät - Ausbildung dauert bekanntlich Jahre. Es wäre kurzsichtig, jetzt nichts zu tun.

 

Schon vor Corona haben viele Wiener Betriebe die Lehrlingsausbildung aufgegeben. Warum?

Walter Ruck: Manche Gerüchte halten sich hartnäckig. Zum Beispiel, dass man an ein Lehrverhältnis untrennbar gekettet ist. Wir müssen hier mehr aufklären. Ich bilde in meinem Betrieb auch Lehrlinge aus. Und ich meine, man kann den Fachkräftemangel nicht beklagen, wenn man selbst nicht ausbildet. Wir haben unser Schicksal selbst in der Hand.

 

Wo sehen Sie Wien im Jahr 2030? Was muss aus Ihrer Sicht für die Wirtschaft bis dahin umgesetzt werden?

Walter Ruck: Wir werden einen Lobautunnel samt Stadtstraße haben, vielleicht auch eine dritte Flughafen-Piste, die wir als exportorientierte Wirtschaft mit 220 internationalen Headquarters und als Tourismusmetropole brauchen werden, um die Konnektivität zu sichern. Wir werden andere Mobilitätsformen in der Stadt haben, eine attraktivierte, verkehrsberuhigte Innenstadt und ich hoffe auch Tourismuszonen mit Sonntagsöffnung. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir dann auch noch die lebenswerteste Stadt der Welt sein werden.

 

Wir werden im Jahr 2030 immer noch die Schulden zurückzahlen, die durch die Corona-Krise heute entstehen. Wird uns dieses Geld für aktive Zukunftsinvestitionen, etwa in Infrastruktur oder Bildung, fehlen?

Walter Ruck: Wir investieren jetzt in die Erhaltung von Strukturen, das sind auch wichtige Zukunftsinvestitionen. Was wäre die Alternative? Die Ressourcen sind daher jetzt in die Hand zu nehmen, aber es ist mit Bedacht damit umzugehen - und nicht verschwenderisch.

 

Wird es den Wiener Exportbetrieben gelingen, nach der Krise wieder am Weltmarkt Fuß zu fassen?

Walter Ruck: Ganz eindeutig. Ich sehe keinen Grund, warum unsere Exportbetriebe nicht weiterhin am Weltmarkt überzeugen sollten. Wir werden gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.



 

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