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Von Hoffnungen, dringenden Aufgaben – und dem „wieder erweckten Gemeinschaftsgeist“

Ökonom Helmut Kramer lobt im INterview mit "Die Wirtschaft" den wieder erweckten Gemeinschaftsgeist und das Funktionieren des öffentlichen Systems in Österreich, sagt aber auch: „Hoffentlich bleibt etwas von diesem Geist erhalten. Wir werden ihn für die Aufgaben, die vor uns liegen, noch brauchen.“

Helmut Kramer war von 1981 bis 2005 Leiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, ab 1990 Honorarprofessor an der Uni Wien, 2005 bis 2007 Rektor der Donau-Uni Krems. Kramer ist ständiger Autor in der WKV-Publikation „Thema Vorarlberg“.
© Robert Newald Helmut Kramer war von 1981 bis 2005 Leiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, ab 1990 Honorarprofessor an der Uni Wien, 2005 bis 2007 Rektor der Donau-Uni Krems. Kramer ist ständiger Autor in der WKV-Publikation „Thema Vorarlberg“.

Kanzler Sebastian Kurz kündigte am Montag an, dass in Österreich erste Geschäfte schrittweise Mitte April wieder öffnen können. Das gibt den Menschen und der Wirtschaft Hoffnung, oder?
In der medizinischen Behandlung der Epidemie sind in Österreich deutliche Fortschritte zu verzeichnen. Indikatoren deuten jetzt darauf hin, dass in Österreich in absehbarer Zeit die Zahl der Neuerkrankungen und neuer Todesopfer nicht mehr zunehmen wird. Die Hoffnungen haben damit eine reale Grundlage. Die Erfahrungen mit dem Virus sind aber noch nicht in jeder Hinsicht gesichert, es ist also weiterhin große Vorsicht angebracht. Und diese Vorsicht leitet daher auch die Bundesregierung. Denn es wird weiterhin den Einsatz aller Mittel brauchen, die die Politik mobilisieren kann, und überdies die Bereitschaft der gesamten Bevölkerung zu starken Einschränkungen des gewohnten Lebens.

Waren die gesetzten Maßnahmen denn alternativlos?

Es ist unbestritten, dass die Bekämpfung der Krankheit und die Vermeidung von noch mehr Opfern vorübergehend Vorrang vor allen anderen Aufgaben erhalten mussten. Keine Volkswirtschaft der Erde konnte sich dem Angriff des Virus entziehen.

Kanzler und Vizekanzler sagten, es sei möglich, dass Österreich besser und stärker als die meisten anderen Länder aus der Krise herauskommen könne. Ist das nur Zweckoptimismus oder gibt es diese Chance tatsächlich?

Das ist nicht Zweckoptimismus. Die Befriedigung darüber, dass die österreichische Corona-Strategie grundsätzlich richtig ist und besser abschneidet, als Länder mit riskanter Politik und mit weniger strengen Einschränkungen, ist berechtigt. Sie lässt auch erwarten, dass die Bevölkerung den allmählichen Prozess der Lockerung aller Einschränkungen weiterhin mitträgt und nicht die Nerven verliert.

Es scheint ja auch bergauf zu gehen...

Die Bedrücktheit über das unfassliche Geschehen möchte vorsichtiger österlicher Auferstehungsstimmung weichen. Ostern ist das Fest der Auferstehung. Wir hoffen alle darauf, dass die Krise in absehbarer Zeit ein Ende haben wird. Aber zwischen der Rücksichtnahme auf die gesundheitlichen Risiken, die zur Vorsicht mahnen, und dem notwendigen und dringenden Wunsch, die Wirtschaftslage so bald wie möglich zu normalisieren und vermeidbare Schäden zu vermeiden, besteht unter Umständen ein Spannungsverhältnis.

Österreich hat jedenfalls schneller und restriktiver als andere Länder auf die Ausbreitung des Coronavirus reagiert.

Die Bevölkerung reagiert mit Erleichterung, wenn sich zeigt, dass die bei uns verfolgten Strategien und ihre strenge Beachtung offenbar nicht falsch waren.  Gemessen an der Bevölkerungszahl verzeichnet Österreich eine signifikant geringere Zahl an Todesfällen nicht nur als Italien oder Spanien, sondern auch verglichen mit der  Schweiz und mit Schweden.
Wir werden es der Einsicht der politisch Verantwortlichen hoch anrechnen, dass sie – ein wenig pathetisch – einen „nationalen Schulterschluss“ zustande brachten. Das Bewusstsein, einer solidarischen Schicksalsgemeinschaft anzugehören, wurde gestärkt.  Besonders ist der selbstlose Einsatz jener Mitmenschen zu würdigen, die in der unverzichtbaren öffentlichen und privaten Infrastruktur auf ihren Posten ausharrten und ihr Bestes gaben. Vor allem ermutigt für die Zukunft der wieder erweckte Gemeinschaftsgeist und das im Großen und Ganzen gute Funktionieren des öffentlichen Systems in Österreich.  Hoffentlich bleibt etwas von diesem Geist erhalten. Wir werden ihn für die Aufgaben, die vor uns liegen, noch brauchen.

Sie raten in jedem Fall noch zur Vorsicht?

Sicher. Aber die Behebung der Schäden und der Wiederaufbau werden noch viel Einsatz und Mittel verlangen. Die Folgen verschwinden nicht von selbst. Dies gilt auch für die Finanzsituation. Der Staat hat sich zwangsläufig hoch verschuldet. Dies wird die Frage aufwerfen, wer letztlich den Schaden und das Risiko von neuen Investitionen zu tragen haben wird. Dafür wäre auf ähnlich viel guten Willen und Verständnis zu hoffen, wie bei der Bekämpfung der akuten Krise.
Vielleicht drohen Rückschläge. Dieses Virus ist unberechenbar, seine Eigenschaften sind noch nicht genügend erforscht, und spezifische Heilmittel oder Impfungen noch länger nicht verfügbar. Nicht auszuschließen, dass der Krieg gegen Corona noch nicht gewonnen ist, wenn der Höhepunkt der Welle der Infektionen überschritten wird. Vorsicht bei der Lockerung der Regeln für persönliche Distanz im öffentlichen Raum, in den Schulen und besonders in der Wirtschaft wird daher wohl noch angebracht sein. Die Krise hinterlässt eine Welt, die auch nach dem Abflauen der Epidemie nicht ohne Weiteres in den Modus „Nach Corona“, schon gar nicht
„Business as usual“ zurückkehren kann.

Die wirtschaftliche Situation...

Die Beseitigung der Schäden, die in der Wirtschaft angerichtet wurden, der Wiederaufbau und die kritische Orientierung von Schlussfolgerungen müssen für die Zukunft Priorität bekommen. Bis jetzt wurden diese notwendigen Schritte durch die atemlose Bemühung um die Eindämmung der akuten Krise und die vordringliche Überbrückung kurzfristig auftretender Nöte in den Hintergrund gedrängt. Auf die Dauer und immer dringlicher stellen sich aber gewaltige Herausforderungen, für die aus der Vergangenheit kaum anwendbare Erfahrungen vorliegen. Patentrezepte für den Fall, dass der Stopp des Wirtschaftsgeschehens unerwartet, weltweit und plötzlich wirksam wird und simultan Nachfrage und Angebot erfasst, sind in den Lehrbüchern der Wirtschaftspolitik für Friedenszeiten nicht vorgesehen. Von der Antwort auf diese Fragen wird aber das Schicksal unserer Gesellschaft entschieden werden.

Es zeigt sich aber auch, dass die Europäische Union abermals einer Krise nicht gewachsen ist. Jedes Land wählt seinen eigenen Weg, von einem gemeinsamen Vorgehen ist nichts zu sehen.

Diese betrübliche Erkenntnis ist allerdings nicht allein den Organen der EU zuzuschreiben. Sie ist auch das Resultat von Uneinigkeit zwischen den Mitgliedsländern. Unverfroren die gemeinschaftlichen Pflichten nicht einzuhalten, umgekehrt aber Subventionen zu fordern, ist nicht tragbar. Dagegen müsste die EU mit schärferen Maßnahmen auftreten. Der immer weiter aufklaffende Nord-Süd-Bruch in der europäischen Tektonik hat mittlerweile auch noch einen „Orban-Grabenbruch“ ermutigt.  Kurzsichtig national orientierte Politik in einer so angespannten Situation trifft der Vorwurf, die historische Gelegenheit zu einer Demonstration der Solidarität und gemeinsamer europäischer Ziele versäumt zu haben. Das ist sehr schade. Gerade die unverschuldete Mehrbelastung durch die Corona-Krise hätte Bereitschaft zu solidarischer Hilfe ohne viel Wenn und Aber auslösen müssen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Andreas Dünser

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