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Rohstoffe: Engpässe globaler Natur

Die Weltmarktpreise von Rohstoffen sind aus volkswirtschaftlicher Sicht im Grunde das Resultat von globalem Angebot und globaler Nachfrage – und von unvorhersehbaren Ereignissen wie „Höhere Gewalt“ oder festgefahrene Containerschiffe.

Die Rohstoffpreise ziehen massiv an und haben auch auf Vorarlberger Wirtschaft Auswirkungen.
© iStock Die Rohstoffpreise beschäftigten auch unsere Unternehmen massiv.

Die Folgen der Corona-Pandemie und das weltweit ungleichmäßige Wiederhochfahren der Wirtschaft zeigen sich vor allem auch in den verstärkten Preisschwankungen bei Rohstoffen wie Stahl, Halbleitern, Holz, Chemikalien und vielen weiteren. Die Frage des Wiedereinpendelns dieser Preisdynamik ist eine globale (handels-)politische Frage, die sich allerdings nicht über Nacht und mit einfachen unilateralen Maßnahmen auf regionaler Ebene lösen lässt. Als Wirtschaftskammer sind wir auf nationaler Ebene bemüht, die Herausforderungen zu thematisieren und Lösungsansätze zu erarbeiten, denn voreilige Schuldzuweisungen helfen niemandem. Auf regionaler Ebene betrachtet darf nicht vergessen werden, dass viele Vorarlberger Betriebe – beispielsweise beim Rohstoff Holz – ohnehin seit jeher auf regionale Lieferanten zurückgreifen und daher resilienter gegenüber globalen Negativ-Trends sind. Dennoch spüren auch sie den Druck, dass vor allem auch in Klein- und Privatwäldern derzeit relativ wenig Holz geschlagen wird – und das naturgemäß die Lage zusätzlich verschärft. Die Situation könnte etwas entspannt werden, wenn das regionale Angebot an Rundholz gesteigert werden kann. „Wir werden alles unternehmen, um die zusätzliche Nachfrage aus Vorarlberg zu bedienen. Dazu ist es wichtig, auch genügend frisches Rundholz aus den heimischen Wäldern zu bekommen“, sagt Christoph Bawart, Obmann der Fachgruppe Holzindustrie.

Der Baustoffhandel ist ein weiterer wichtiger Sektor der heimischen Wirtschaft, denn die Branche ist Zulieferer für das Bau- und Baunebengewerbe. Die gute Auftragslage hält zwar auch 2021 an – analog zum Bauboom in ganz Mitteleuropa. Die Branche ist allerdings ebenfalls seit Jahresbeginn mit steigenden Beschaffungskosten und Lieferengpässen vieler Baustoffe konfrontiert. Aus der Bauwirtschaft etwa berichtet Innungsmeister Peter Keckeis, dass es vor allem im Dämmstoffsektor derzeit zu Lieferzeiten von einem Monat oder mehr komme: „Und wenn man Ware bekommt, dann kann es durchaus sein, dass hier die Preise um bis zu 40 Prozent angezogen haben“, sagt Keckeis.

Auch im Holzbau, wo die Auftragslage grundsätzlich sehr zufriedenstellend ist, hat die Preisentwicklung Auswirkungen auf geplante Aufträge, da Bauherr/-innen zunehmend verunsichert sind. Es gebe immer mehr Kunden, die sich die steigenden Gesamtkosten genauer ansehen und Alternativen in Betracht ziehen würden, betont Holzbau-Innungsmeister Herbert Brunner: „Bauherr/-innen überlegen, den Auftrag komplett zu stornieren oder ziehen andere Baustoffe in Betracht.“  

Volatile Preise – mangelnde Kapazitäten

Die Preise vieler Industriemetalle sind in den letzten Monaten explodiert. Vieles spricht dafür, dass dieser Trend auch in den nächsten Wochen anhält. Wieder einmal treibt China die Märkte vor sich her. Der Bedarf in China steigt enorm an, das Land saugt gewissermaßen einen Teil des Angebots aus Asien ab. Diese Steigerungen haben mittlerweile ernsthafte Folgen für manche Stahlverarbeiter. Die Verwerfungen am internationalen Stahlmarkt haben unterschiedliche Ursachen, der Hauptgrund liegt aber in der Corona-Krise. Mit den ersten Lockdowns im März 2020 kam es zu deutlichen Kapazitätsreduktionen in der globalen Stahlproduktion. Diese nachvollziehbare Reaktion der Stahlhersteller führte zu einer Verknappung des Stahlangebots. Bereits im Spätsommer 2020 kam es aber wieder zur Erholung einzelner Branchen, etwa der Bauindustrie, und hohen Steigerungsraten bei der Nachfrage aus China, wo die Industrieproduktion seit Monaten auf hohem Niveau läuft. Das verringert die Möglichkeiten, Stahl aus Asien zu importieren, da sehr viel davon lokal benötigt wird. Außerdem erleben wir derzeit eine Explosion der Übersee-Frachtkosten durch einen Mangel an Frachtcontainern. Auch das trägt zur derzeitigen Knappheit und damit gestiegenen Preisen am Markt bei. Die gestiegenen Preise können nur zu einem kleinen Teil weitergegeben werden, die Situation wird sich daher in nächster Zeit eher noch verschärfen. Der Stahlpreisindex ist seit November 2020 um ca. 30 Prozent gestiegen. Die Preiserhöhungen bei Nicht-Eisen-Metallen liegen bei fast 20 Prozent.

„Diese Zwickmühle - unverhältnismäßig hohe und volatile Preise sowie mangelnde Kapazitäten - gilt es rasch aufzulösen, indem Stahlhersteller und Stahlverarbeiter gemeinsam mitwirken, wieder ein Gleichgewicht in den Markt zu bringen. Wir appellieren daher an unsere Marktpartner in Europa, die Kapazitäten wieder zu erhöhen“, sagt Christian Knill, Obmann Fachverband Metalltechnische Industrie.

Nicht immer vorhersehbar

Auch ein Grund: Während der Pandemie haben viele globale Rohstoffförderer (insbesondere Minen) ihre Förderung zurückgefahren, weshalb die Lagerbestände vor allem bei Metallen aktuell recht knapp sind. Da die Förderung im Rohstoffsektor nicht über Nacht wieder ausgeweitet werden kann, dauert es ein wenig, bis eine Entspannung eintritt. Zudem spielt die oft genannte „höhere Gewalt“ – jüngst in Form erheblicher Umwelt- und Wetterfaktoren in Nordamerika – eine wichtige Rolle in Sachen Knappheit und Lieferschwierigkeiten: So hat beispielsweise der Wintersturm in Texas im Februar zahlreiche Förder- und Produktionsanlagen stillgelegt, was sich nun am Angebot am Weltmarkt zeigt und vor allem  die Chemie-, Öl- und Kunststoffindustrie betrifft. Ein weiterer Faktor ist, dass die raschere Erholung in anderen Wirtschaftsblöcken wie den USA oder Asien und dort gesetzte Konjunkturmaßnahmen die globale Nachfrage zusätzlich verstärken. In den USA wurde kürzlich ein gigantisches Infrastrukturpaket von 3,2 Billionen US-Dollar angekündigt – kurz zuvor war ein 1,9 Billionen Dollar schweres  Konjunkturpaket beschlossen worden. Dass eine derartige „Geldschwemme“ die Nachfrage ankurbelt und sich schlussendlich in den Preisen spiegelt, steht außer Frage. Im internationalen Metallhandel rechnen zudem viele Anleger mit steigenden Preisen (in Erwartung der wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-Krise), was zu einer verstärkten Nachfrage an der Börse führt und die Preise steigen lässt. Diese sind bei Metallen übrigens durchwegs über dem Vorkrisenniveau.  

Wichtigster Treiber für die Rohstoffpreise ist das globale Wirtschaftswachstum. Der starke Preisanstieg auf den Industriemetallmärkten, der sich seit Mai 2020 trotz der schwachen Weltkonjunktur kontinuierlich fortsetzte, verdeutlichte die enorme Bedeutung Chinas, dem weltweit größten Verbraucher von Industriemetallen. Zusätzlich zeigt der Anstieg, dass es der chinesischen Wirtschaft im Vergleich zu anderen großen Volkswirtschaften schneller gelungen ist, sich von der Rezession zu erholen. Während viele Länder insbesondere zum Jahresende mit steigenden Corona-Infektionen kämpften, scheint es China bereits im Frühjahr gelungen zu sein, das Virus erfolgreich einzudämmen. Unterstützt durch staatliche Konjunkturprogramme führte die schnelle Erholung der chinesischen Wirtschaft zu einem massiven Anstieg der Nachfrage auf den Märkten für Industriemetalle und andere wichtige Rohstoffe. 

Künstliche Verknappung

Das Transportgeschehen selbst trägt auch zu einer besonderen Preisdynamik bei: So haben sich die Preise für Übersee-Container teilweise verfünffacht“,  sagt Gewerbe und Handwerk-Spartengeschäftsführer Armin Immler. Also zeigt sich eine weitere große Herausforderung hinsichtlich Engpässen bei den globalen Lieferketten. Die Rohstoffnachfrage übersteigt nicht nur das Angebot und die Kapazitäten der großen Reedereien, diese halten scheinbar auch noch ihre Transportkapazitäten so lange zurück, bis für sie rentable Volumen erreicht werden. Und: Diese aus ökonomischen Überlegungen herbeigeführte Verknappung führt schlussendlich wieder zu steigenden Kosten bei der Verschiffung von Frachtcontainern.  Zudem werden viele dieser Container aktuell vor allem dazu genutzt, um Konsumgüter zu transportieren, die im Lockdown verstärkt nachgefragt werden (Elektro- und Hifi-Geräte oder Fitnessequipment). Diese künstliche Verknappung von Containern für die Exportwirtschaft, um höhere Preise erzielen zu können, sieht auch Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg als Problem. Das Hochfahren der Wirtschaft aus der weltweiten Krise heraus führe zu Verwerfungen. Von diesen globalen Verflechtungen sei jetzt auch Vorarlberg spürbar betroffen, das brauche seine Zeit. „Wie sehr auch unsere regionale Industrie von globalen Dimensionen abhängig ist, zeigen die aktuellen Preisentwicklungen bei den Rohstoffen, wie etwa Stahl, Zement, Kunststoff oder Holz. Überall steigen die Preise. Vielfach werden diese an den Handel bzw. den Kunden weitergegeben, aber nicht, weil es um eine Profitmaximierung geht, sondern schlichtweg die steigenden Kosten die Produkte verteuern“, erklärt Amann. 

Kosten durch Verzögerungen und Blockaden

Am Beispiel  Schiffsunglück im Suezkanal werden die extremen Kostendimensionen deutlich. Rund 15 Prozent des weltweiten Schiffsverkehrs passieren den Suezkanal. Die Blockade hat die globalen Lieferketten erheblich gestört und zusätzliche kostspielige Verzögerungen für Unternehmen verursacht, während der Welthandel bereits durch die COVID-19-Beschränkungen gestört ist. Die derzeitige Unterbrechung hat die Kanalbetreiber zwischen 14 und 15 Millionen US-Dollar pro Tag gekostet, berichten internationale Medien.

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