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Raffaela Rein: „Gründungen sind hart!“

Raffaela Rein, eine der 50 einflussreichsten Frauen in der Start-up- und Venture-Capital-Szene, war anlässlich des Unternehmerinnenforums in Vorarlberg, und berichtet im Interview von ihrer Erfolgsgeschichte.

Raffaela Rein hat mit Vitalute bereits ihr zweites Start-up gegründet.
© rein Raffaela Rein hat mit Vitalute bereits ihr zweites Start-up gegründet.

Sie sind Mitgründerin von CareerFoundry. Für wen ist das Angebot des Unternehmens und wie funktioniert das Konzept? 

CareerFoundry bietet online Schulungen für hochgefragte Digitalberufe wie User Experience, User Interface oder Software Entwicklung. Das Angebot richtet sich an Karrierewechsler und Leute, die sich beruflich weiterentwickeln wollen. Die Schulung findet online statt, weswegen wir Kunden in über 80 Ländern haben. Teilnehmer lernen mit unserem online Lernsystem und werden mit einem Mentor gepaart, mit dem sie sich über Skype austauschen. Eine Schulung dauert drei bis fünf Monate Vollzeit und ca. zehn Monate Teilzeit. Unsere Teilnehmer sind so erfolgreich, dass wir mittlerweile eine Geld-zurück-Garantie bieten, sollte das erwünschte Ergebnis nicht erreicht werden. In der Bildungslandschaft ist das einzigartig.  

Laut „EU Start-ups“ sind Sie eine der 50 einflussreichsten Frauen in der Start-up- und Venture-Capital-Szene, Sie sind eine der „Forbes Top Women in Tech“ 2018 und gehören zu den „Capital 40 unter 40“ 2018. Was sind Ihre Erfahrungen als Frau in Führungsposition?

Ich bin erzogen worden immer das Beste aus jeder Situation zu machen, und mich nicht von Dingen runterziehen zu lassen, an denen ich nichts ändern kann.  Zum Beispiel wurden wir die ersten zwei Jahre nach der Gründung oft nicht ernst genommen.  Ob das daran lag,  dass ich weiblich bin oder dass wir beide Gründer sehr klein sind (beide um die 1,60 Meter) kann ich  nicht sagen. Aber ich hab mich davon nicht beirren lassen, habe beharrlich weitergebaut und spätestens seitdem wir fünf Millionen Euro in „VC funding“ bekommen haben,  werden wir sehr sehr ernst genommen ;)
Generell würde ich aber sagen, dass ich als Gründerin im Tech-Bereich von Anfang an viele Fürsprecher und Unterstützer hatte. Und, dass ich mich als mein eigener Chef viel weniger - bis gar nicht - mit Diskriminierung rumschlagen muss, als das sicherlich in vielen anderen Umfeldern der Fall ist.

Sie haben als erfolgreiche Frau in der Tech-Welt viele Erfahrungen gemacht, welche Tipps haben Sie speziell für Gründerinnen? 

Ich finde es immer sehr schwer generische Tipps zu geben, weil jede Situation anders ist, aber hier mal ein Versuch: 
1) Erstmal Erfahrung sammeln: Am besten erstmal in einem Start-up arbeiten, bevor man sich selbstständig macht. Ich glaube, das hilft unglaublich das Know-how und Selbstvertrauen für eine eigene Gründung aufzubauen.
2) Besser allein oder zu dritt gründen als zu zweit:  Mit zwei Mitgründern steht eine Meinung gegen die andere und es ist schwer, einen Konsens zu finden. Ich würde nur zu zweit gründen, wenn ich den anderen extrem gut kenne. Mein Start-up Vitalute habe ich mit meinem Lebenspartner gegründet.
3) Produkt über Service: Viele Frauen denken automatisch an einen Service, wenn sie an Selbstständigkeit denken. Das Problem daran ist, dass der Service immer an einem selbst hängt und schwer skalierbar ist. Ich würde raten, ein Produkt über einen Service zu gründen.
4) Plattformen nutzen: Für Produkte gibt es viele Plattformen wie Etsy, Amazon oder Shopify, die den Verkaufsprozess extrem vereinfachen.

Oder anders gefragt: Was sind Ihre persönlichen Erfolgskriterien?

Ich glaube, ich habe ein großes Durchhaltevermögen und lasse mich nicht leicht unterkriegen. Gründungen sind immer hart, egal wie erfolgreich es nach außen aussieht, und man muss sich schon ein dickes Fell dafür zurechtlegen. Weiterhin muss man als Gründer begeistern können. Nicht nur andere, sondern auch immer wieder sich selbst. Zuletzt bedarf es einen eigentlich unmöglichen Mix aus ungebändigter Begeisterung, Rationalität, Weitsicht und Durchhaltevermögen. 

Sie haben in Ihrem Start-up die Idee „flacher Hierarchien“ verfolgt, warum hat sich das geändert?

Genau, wir haben sehr daran geglaubt, dass flache Hierarchien zu höherem Mitarbeiterengagement, Innovation und Schnelligkeit führen. Leider ist das bei uns aus verschiedenen Gründen komplett gescheitert. Wir haben das Experiment ca. ein Jahr gefahren und extrem viel  Zeit und Ressourcen investiert. Leider haben die flachen Hierarchien zu extrem schlechter Firmenperformance geführt. Als Hauptgrund würde ich nennen, dass in flachen Hierarchien Mitarbeiter einander das Feedback geben müssen, das sonst Manager geben. Das heißt, wenn jemand nicht gut performed, müssten die Mitarbeiter einander das sagen. Das haben wir nicht hinbekommen und als Resultat war die gesamte Firmenperformance am Ende sehr schlecht.

Nach einem Jahr mussten wir den Spieß dann komplett umdrehen und eine ziemlich starke Hierarchie einführen, um das Ruder wieder rumzureißen. Das haben wir aber Gott sei dank geschafft und heute sind wir eine sehr profitable Firma mit Millionenumsätzen. 

Was haben Sie noch aus der Gründungsphase gelernt und wie gestaltet sich die Unternehmenskultur heute?

CareerFoundry war meine erste Gründung und vor allem in Sachen Mitarbeitermanagement habe ich extrem viel gelernt - und extrem viele Fehler gemacht. Mit Vitalute werden wir zum Beispiel so lange wie möglich mit dem Einstellen von Mitarbeitern warten, und dann nur sehr erfahrene Mitarbeiter auswählen. Das hat zwei Gründe: 
1) Je stabiler die Firma, umso einfacher ist es Mitarbeiter erfolgreich an den Start zu bringen, weil es ein stabiles Fundament gibt.
2) Als junge Firma braucht man Mitarbeiter, die vom ersten Tag Performance bringen, denn jeder Tag zählt. Allerdings stellen junge Firmen oft aus Geldgründen Junior-Mitarbeiter ein, die haben aber noch nicht das Know-how, das das Unternehmen braucht. Das Unternehmen hat dann aber nicht die Zeit und Ressourcen diese Mitarbeiter zu schulen. Das Ergebnis: Sowohl Mitarbeiter als auch Unternehmen sind enttäuscht und frustriert. Fast jedes Start-up kennt diesen Teufelskreis und auch wir haben diesen Fehler gemacht. Das werde ich bei der nächsten Gründung mit Vitalute vermeiden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Sabine Barbisch

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