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Sina Trinkwalder: „Ich will die Welt jeden Tag ein bisschen besser machen“

Von der erfolgreichen Werberin zur Textilunternehmerin - die Augsburger Unternehmerin Sina Trinkwalder gibt mit „manomama“ auf dem Arbeitsmarkt benachteiligten Menschen die Chance auf eine Arbeit und produziert „fair, sozial und ökologisch“.

Sina Trinkwalder war für das Sommergespräch von Frau in der Wirtschaft in Vorarlberg und erzählt im Interview mit „Die Wirtschaft“, warum sie mit „manomama“ ausgerechnet in Süddeutschland Kleidung produziert.
© Dietmar Mathis Sina Trinkwalder war für das Sommergespräch von Frau in der Wirtschaft in Vorarlberg und erzählt im Interview mit „Die Wirtschaft“, warum sie mit „manomama“ ausgerechnet in Süddeutschland Kleidung produziert.
Frau Trinkwalder, was war die Initialzündung für die Gründung ihres Textilunternehmens „manomama“? 

Gewöhnlich wird ein Unternehmen gegründet, wenn es eine innovative Produktidee oder eine neue Dienstleistung gibt. Dann sucht man geeignete Mitarbeiter und   führt das Vorhaben zum Erfolg. Bei „manomama“ ist es anders. Die Idee war und ist der Mensch. Ich wollte 2010 etwas auf die Beine stellen, damit Menschen, die sonst auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen haben, eine Möglichkeit bekommen, ihren eigenen Erwerb zu erwirtschaften, um damit an unserer Gesellschaft teilhaben zu können.

Davor führten sie elf Jahre lang sehr erfolgreich eine Werbeagentur. Wie ist ihnen dieser „Branchenwechsel“ gelungen?
Was eine Unternehmerin braucht, ist die Beherrschung der vier Grundrechnungsarten, Mut und ein gutes Bauchgefühl. Erfolgreich kannst du nur sein, wenn dir Spaß macht, was du tust. Ich glaube fest daran, dass unsere unternehmerische Aufgabe weit über das Firmentor hinausgeht.

Das heißt...
Für mich ist klar, dass Unternehmerinnen etwas Relevantes für die Gesellschaft tun müssen. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, aber allen vom Arbeitsmarkt ausgegrenzten Menschen verwehren wir den erneuten Zugang. Es geht darum, diese Menschen wieder hereinzuholen. Wir können die Welt nicht verändern, aber wir können sie jeden Tag ein bisschen besser machen!

Wie machen sie „die Welt ein bisschen besser“?
Bei „manomama“ arbeiten überwiegend langzeiterwerbslose, alleinerziehende, ältere Menschen, die es sonst am Arbeitsmarkt sehr schwer haben. Für meine 150 Mitarbeiterinnen bekomme ich keine Fördermittel oder Subventionen, das Unternehmen ist zu 100 Prozent eigenkapitalisiert. Meine Mitarbeiterinnen haben ihren Lohn von zehn Euro pro Stunde  - unabhängig von der jeweiligen Tätigkeit und Ausbildung - selbst gewählt und suchen sich auch den Umfang ihrer Arbeitszeit selbst aus, denn die Familie soll sich nicht nach Arbeit richten, sondern umgekehrt. Außerem haben wir sogenannte Sozialboni. Die bekommen unsere Mitarbeiterinnen nicht, wenn jemand besonders viel arbeitet, sondern wenn sich jemand besonders in unsere Gemeinschaft einbringt. Ganz oft ist das etwas ganz anderes als das, was wir Führungskräfte denken.

Rohstoffe aus der Region, keine teuren Preise für ihre  Textilien „made in Germany“, faire Löhne - sie schreiben mit ihrem Unternehmen schwarze Zahlen. Was passiert mit dem Gewinn?
Unsere Produktkalkulation deckt die Herstellungs- und Betriebskosten, auf hohe Margen verzichten wir, um wettbewerbsfähig zu sein. Wenn mal ein Gewinn übrig bleibt, wird dieser für neue Arbeitsplätze und für gemeinsames Feiern mit der gesamten Mann- und Frauschaft verwendet. 2016 haben wir acht Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, 63.000 Euro blieben übrig - vor Steuer. Ich messe den Zweck des Unternehmertums nicht am finanziellen Erfolg. Erfolg heißt für mich, etwas für die Gesellschaft zu tun.

Dafür eine Textilproduktion in Augsburg zu etablieren ist aber sehr ungewöhnlich...
Augsburg war ähnlich wie Dornbirn eine Textilhauptstadt. Mit dem Niedergang der Branche  gingen 40.000 Arbeitsplätze verloren. Das ist strukturell nie überwunden worden, die Arbeitsplätze gerade für die Frauen in der Region waren verloren. Augsburg ist die ärmste Stadt in Bayern, dem  reichsten Bundesland Deutschlands. Als ich 2010 keine Anzeige für die Suche nach Beschäftigten schaltete, sondern eine Reportage in einer Regionalzeitung über meine Pläne erschienen ist, interessierten sich  700  Menschen für eine Arbeitsstelle bei uns. Ich versuchte 48 zu finden, die ein gutes Team werden können, denn nähen konnte kaum jemand (lacht).

Bei „manomama“ werden unterschiedliche Kleidungsstücke hergestellt, sie fertigen aber auch für große Unternehmen Taschen an...
Bei einer Preisverleihung lernte ich durch Zufall Leute von dm kennen und wir wollten eine gemeinsame Sache starten. Die Herausforderung lautete eine Einkaufstasche komplett „made in Germany“ innerhalb einer regionalen Wertschöpfungskette herzustellen.

Eine Erfolgsgeschichte: Die Taschen haben einen Siegeszug hingelegt! 
Ich wollte die Handtasche für „die kleine Frau“ produzieren. Alle acht Wochen wurde die Farbe geändert und insgesamt haben wir über 15 Millionen Stück produziert. Heute haben wir viele weitere große Kunden.

Neben T-Shirts, Kleidern, Pullovern und Jacken sind  bei „manomama“ auch „Augsburg Denim“ zu finden: Jeans „made in Augsburg“ - geht das?
Bei uns kommen alle Rohstoffe, sofern verfügbar, aus der Region. Darunter zählen Hanf, Leder, Schurwolle und Viskose. Einzig die Biobaumwolle wächst nicht in unseren Breitengraden. Deshalb beziehen wir sie vom nächstgelegenen Punkt: der Türkei und Tansania. Auch die Weiterverarbeitungsschritte wie Spinnen, Weben, Stricken und Ausrüsten sowie alle Zutaten (Reißverschlüsse, Knöpfe, Nähfäden etc.) werden im Umkreis von 300 Kilometern von Augsburg realisiert. Klappt das mal nicht, machen wir gerne einen Ausflug nach NRW oder Brandenburg – dann aber immer „Hergestellt in Deutschland“.

Ein kreativer Kopf wie sie hat wahrscheinlich schon das nächste Projekt in Planung...
Ein Herzensprojekt von mir ist die „brichbag“ für obdachlose Menschen. Aus dem Zuschnittmaterial eines Markisenherstellers nähen wir Rucksäcke, damit diese Menschen ihr Hab und Gut nicht weiter in Plastiksäcken tragen, sondern mit den Rucksäcken zu Reisenden   werden. Sie werden mit Büchern, Müsliriegeln, Hygieneartikeln etc. bestückt.  Mit jedem Rucksack, den wir verkaufen, kann ein neuer produziert werden.

Danke für das Gespräch!

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