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Kenji Yamamoto: „Vorarlberg ist ein herausragender Wirtschaftsraum“

Kenji Yamamoto ist Professor an der Teikyo Universität in Japan und hat ein besonderes Forschungsinteresse am Wirtschaftsstandort Vorarlberg.

Kenji Yamamoto ist Professor für Wirtschaftsgeographie an der Teikyo Universität in Utsunomiya in Japan und hat ein besonderes Forschungsinteresse am Wirtschaftsstandort Vorarlberg. Im Interview mit „Die Wirtschaft“ erklärt er warum das so ist.
© Thinkstock Kenji Yamamoto hat Vorarlberg für seine Forschungen als Wirtschaftsgeograph bereits drei Mal besucht. Heuer hat er 15 Vorarlberger Industriebetriebe besucht und zahlreiche von der WKV organisierte Interviews geführt.

Herr Yamamoto, Sie sind Wirtschafts- und Sozialgeograph an der Teikyo Universität in Japan. Warum ist Vorarlberg für Ihre Forschung interessant?

Das Interesse an Vorarlberg wurde bei mir durch einen Blick ins Statistische Jahrbuch Österreichs geweckt: Vorarlberg liegt vergleichsweise weit weg von Wien und ist ein kleines Land mit weniger als 400.000 Einwohnern, weist aber eine sehr gute wirtschaftliche Entwicklung auf. Für die Regionalwirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsgeographie gilt, dass eine Metropolregion eine Lokomotive für die Wirtschaftsentwicklung für Nationalökonomie und Weltwirtschaft ist. Das ist so, weil Innovationen normalerweise nicht im ländlichen Raum, sondern in den Metropolregionen entstehen. Obwohl es in Vorarlberg keine Metropole oder Großstadt gibt, hat sich dieses Land seit den 1990er-Jahren unter der wirtschaftlichen Globalisierung dynamisch entwickelt.

Ein Grund dafür sind die vielen Innovationen, welche von den heimischen Indus-triebetrieben verwirklicht werden...

Ja, es ist bemerkenswert, dass sich mit dem Rückgang der Textilindustrie sehr rasch eine erfolgreiche Metall- und Maschinenindustrie entwickelt hat. Baden-Württemberg ist als Region bei Wirtschaftsgeografen international sehr bekannt, weil es dort viele Weltmarktführer und sogenannte Hidden Champions gibt. Hier ist eine große Ähnlichkeit zu Vorarlberg - mit den vielen Leitbetrieben und innovativen KMU, die hier angesiedelt sind - gegeben.

Sie haben während Ihres Forschungsaufenthalts 15 Betriebe der Vorarlberger Industrie besucht und zahlreiche Interviews geführt...

Für mich war es sehr wichtig, möglichst viele verschiedene Industriebranchen zu besuchen. Dass die Umstrukturierung von der Textil- zur Metall- und Maschinenindustrie erfolgreich gelungen ist, war mir davor schon bekannt. Überraschend war für mich die Vielzahl an erfolgreichen Unternehmen auch im Elektronikbereich. Diese weisen eine hohe Ähnlichkeit zu Firmen im kalifornischen Silicon Valley auf. Es ist auch sehr bemerkenswert, dass es nicht wenige Unternehmen mit Innovationskraft in traditionellen Branchen wie Textil- und Lebensmittelindustrie etc. gibt und dass die hiesige Wirtschaftsstruktur trotz des kleinen Landes sehr ausgewogen ist. Ich denke dabei zum Beispiel an soziale und gemeinschaftliche Einrichtungen, die den Mitarbeitern in den Firmen angeboten werden.

Welche interessanten Erkenntnisse konnten Sie darüber hinaus gewinnen?

Generell ist mein Eindruck hervorragend! Im Speziellen sind mir die flachen Hierarchien aufgefallen und dass es wenig Diskrepanz zwischen Führungskräften und Mitarbeitern gibt. Das System der dualen Ausbildung kannte ich schon zuvor. Interessant war, dass die Vorarlberger Unternehmer berichteten, dass die Lehrabsolventen auch nach ihrer Ausbildung großteils als wertvolle Fachkräfte in den Firmen bleiben. Auch vom Angebot der Vorarlberger HTLs bin ich begeistert: Die Absolventen sind nicht nur technisch und handwerklich gut ausgebildet, sondern bringen auch wichtiges theoretisches Wissen in den natur- und technologisch-
wissenschaftlichen Fächern in die Firmen ein.

Wie werden Sie die gesammelten Informationen für Ihre Forschung verwerten?

Ich habe in ganz Vorarlberg 15 freie Interviews geführt und sehr ausführliche Antworten bekommen. Das Ziel ist es, meinen Fachkollegen und Studenten anhand dieses Materials darzustellen, dass Vorarlberg ein herausragender Wirtschaftsraum ist. Und anhand der sehr erfolgreichen und innovativen Vorarlberger Unternehmen zeigen, dass es auch fernab von Metropolen große Chancen gibt. Konkret werde ich einen Forschungsaufsatz auf Japanisch schreiben, aber auch ein Buch ist denkbar – dann aber auf Englisch oder Deutsch, damit meine Fachkollegen auf der ganzen Welt davon profitieren können.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kenji Yamamoto hat Vorarlberg für seine Forschungen als Wirtschaftsgeograph bereits drei Mal besucht. Heuer hat er 15 Vorarlberger Industriebetriebe besucht und zahlreiche von der WKV organisierte Interviews geführt.
Prof. Dr. Kenji Yamamoto

Zur Person: Prof. Dr. Kenji Yamamoto wurde 1952 in Japan geboren und hat an der Universität Tokyo studiert. Er war u.a. an der TU München als Stipendiat des DAAD und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung tätig. Yamamoto ist Professor an der Teikyo Universität in Utsunomiya in Japan. Sein Forschungsaufenthalt im September 2017 war bereits seine dritte Reise nach Vorarlberg. Durch seine Freundschaft mit Prof. Dr. Meusburger, den er an der Universität Heidelberg in den 1980er Jahren kennengelernt hat, war er bereits 2015 das erste Mal in Vorarlberg.

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