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Industrie-Konjunktur noch stabil: Aussichten aber mit gestiegenem Risiko

„Die aktuelle Konjunktur in der Vorarlberger Industrie ist zwar noch gut, die Verunsicherung der Unternehmen wird jedoch größer“, fasst Industrie-Spartenobmann DI Georg Comploj die Konjunkturumfrage für das vierte Quartal 2018 zusammen.

„Die aktuelle Konjunktur in der Vorarlberger Industrie ist zwar noch gut, die Verunsicherung der Unternehmen über die weitere Entwicklung wird aufgrund geopolitischer Risiken jedoch größer“, erklärt Industrie-Spartenobmann DI Georg Comploj.
© WKV Pressekonferenz, v.l.: Mag. Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie, Industrie-Spartenobmann DI Georg Comploj und MMag. Mathias Burtscher, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlberg.

An der quartalsmäßigen Umfrage der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer
Vorarlberg und der Industriellenvereinigung haben sich 43 Unternehmen mit
insgesamt 25.629 Beschäftigten beteiligt.

Der „Geschäftsklima-Index“ der Vorarlberger Industrie – das ist der Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten - hat sich gegenüber dem 3. Quartal 2018 leicht verbessert. Er stieg von +26,90 auf +30,10 %-Punkte. Dennoch zeigt sich ein stufenweiser Abwärtstrend bei Betrachtung der vergangenen zwei bis drei Jahre – der Zenit der Konjunktur ist überschritten“, betont Comploj. 

65 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als gut, drei Prozent sprechen von einer schlechten Situation. Getragen wird diese aktuell gute Situation einmal mehr von den Auslandsaktivitäten der Industrieunternehmen. 44 Prozent beurteilen die aktuellen Auslandsaufträge als gut, 48 Prozent als gleichbleibend und nur zwei Prozent als schlecht.  

Weitere Erhöhung des Mitarbeiterstandes

Leicht positiv sind die Aussichten in Bezug auf den Mitarbeiterstand. 20 Prozent der Befragten Unternehmen wollen ihren Mitarbeiterstand erhöhen - sofern sie entsprechend qualifizierte Mitarbeiter finden - 75 Prozent diesen zumindest halten.  

Negativ ist allerdings der Ausblick für das nächste halbe Jahr. Die Geschäftslage in sechs Monaten wird von acht Prozent als günstiger eingeschätzt, 82 Prozent erwarten eine gleichbleibende und zehn Prozent eine schlechtere Situation.  

Sorgenkind Verkaufspreise

Der Druck auf die Verkaufspreise, mit anderen Worten der Wettbewerbsdruck, hat sich weiter drastisch erhöht. 33 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit fallenden Verkaufspreisen in drei Monaten. Nur drei Prozent erwarten sich höhere Verkaufspreise. 

Die aktuelle Ertragssituation wird als zufriedenstellend beurteilt: 52 Prozent sprechen von einer derzeit guten, 43 Prozent von einer durchschnittlichen und fünf Prozent von einer schlechten Ertragssituation. Vorausschauend auf die nächsten sechs Monate wird die Ertragssituation aber von 29 Prozent als schlechter werdend eingeschätzt. Nur fünf Prozent rechnen mit einer Verbesserung bei den Erträgen. 


Branchenergebnisse 

Metalltechnische Industrie

Gleichbleibend gut ist die Lage in der Metalltechnischen Industrie (Maschinen- und Metallindustrie). Für 75 Prozent ist die Geschäftslage aktuell gut. Positiv ist noch die Beurteilung der aktuellen Ertragssituation. 67 sprechen von einer guten Situation.    45 Prozent erwarten eine fallende Preisentwicklung, nur ein Prozent rechnet mit steigenden Preisen. Die Ertragslage in sechs Monaten beurteilen 50 Prozent der befragten Unternehmen als ungünstiger. „Die Geschäftsentwicklung in dieser Leitbranche zeigt erste Schwächen“, stellt MMag. Mathias Burtscher, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlberg, fest. 

Lebensmittelindustrie (Nahrungs- und Genussmittelindustrie)

Überdurchschnittlich gut wird die Lage in der Lebensmittelindustrie gesehen. Die derzeitige Geschäftslage bewerten 79 Prozent der Betriebe als gut, für kein Unternehmen ist sie aktuell schlecht. Allerdings explodieren die Rohstoffpreise, dementsprechend erwartet kein Unternehmen eine bessere Ertragssituation im nächsten halben Jahr. „Auch hier machen sich fallende Verkaufspreise bemerkbar, 12 Prozent erwarten eine ungünstigere Preissituation, kein Betrieb rechnet mit höheren Preisen. Für diese Betriebe wird es schwer werden, die Kosten der Rohstoffpreiserhöhungen abzufedern“, betont Burtscher. 

Textilindustrie

Weit unter dem Durchschnitt wird die Lage im Textilbereich gesehen. 55 Prozent bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht, 45 als durchschnittlich und kein Unternehmen als gut. „Bedauerlicherweise ist der Ausblick auf den Beschäftigtenstand in drei Monaten ebenfalls nicht erfreulich. 58 Prozent rechnen mit einem abnehmenden Mitarbeiterstand“, betont Mag. Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie. Optimistischer und damit gegenläufiger zu den anderen Branchen ist hingegen der Ausblick auf die nächsten sechs Monate. 39 Prozent erwarten eine günstigere Geschäftslage. 87 Prozent rechnen sogar mit einer günstigeren Ertragssituation in kommenden halben Jahr. 

Elektro-/Elektronikindustrie

In dieser Branche wird die Geschäftslage von 56 Prozent der Befragten als gut bezeichnet und kein Unternehmen beurteilt sie als schlecht. Enormer Druck lastet auch hier auf den Verkaufspreisen. Bei 36 Prozent der Unternehmen werden diese in den nächsten drei Monaten weiter fallen. „Allerdings schätzen 38 Prozent die Geschäftslage in sechs Monaten günstiger ein“, stellt Amann fest. Dies hat auch Auswirkungen auf den Beschäftigtenstand. Über ein Drittel will in den nächsten Monaten zusätzliche Mitarbeiter einstellen. 

Geopolitische Risiken steigen

Die in vielen Branchen international vorhandenen Überkapazitäten schlagen sich in einem hohen Preisdruck nieder. „Wir merken einmal mehr, wie stark wir von geopolitischen Gegebenheiten abhängig sind. US-Protektionismus, BREXIT, Russlandsanktionen und ganz aktuell die Situation in Venezuela haben Einfluss auf unsere Betriebe“, erklärt Georg Comploj, Spartenobmann der Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg und knüpft daran einen klaren Appell: „Abgesehen von der Beseitigung der „Kalten Progression“ muss der Steuergesetzgeber bei Reformen im österreichischen Steuersystem insbesondere die internationale Perspektive im Auge behalten: Unternehmen müssen sich in einem Umfeld bewegen, das halbwegs gleiche Bedingungen bei konkurrenzrelevanten Kostenfaktoren, wie z.B. Steuern, sicherstellt.“ 

Fachkräftesituation spitzt sich weiter zu

Das Problem des Fachkräftemangels wird ständig größer. Comploj: „Über alle Branchen der Vorarlberger Wirtschaft hinweg schätzen wir, werden aktuell rund 10.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt.“ Eine qualifizierte Zuwanderung müsse daher das Gebot der Stunde sein!  

Grundsätzlich positiv bewertet Spartenobmann Comploj in diesem Zusammenhang die neue Regelung zur Rot-Weiß-Rot-Karte. „Durch die Erweiterung und Regionalisierung der Mangelberufsliste sollte unser Bedarf an hochqualifiziertem Personal besser abgedeckt werden können.“ Allerdings sei damit immer noch viel zu viel Bürokratie verbunden. „Die Verfahren zur Rot-Weiß-Rot-Karte gehören rasch digitalisiert“, fordert der Industrie Spartenobmann! 

Voraussetzung für die Zuwanderung qualifizierter Menschen und aus Sicht der Industrie auch begrüßenswert, sind die Maßnahmen des Landes zur Schaffung einer starken „Marke Vorarlberg“! Eine gezielte Zuwanderung erfordere zudem Maßnahmen unter anderem hinsichtlich preisgünstigem Wohnen. Für heimische und ankommende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müsse rasch auch über neue, bedarfsgerechte Wohnformen nachgedacht werden. 

Fokus auf technische Ausbildung

Vorarlbergs Industrie ist bekannt für eigene Ideen, wenn es um Herausforderungen geht. Der HTL-Strategieprozess etwa ist eine Maßnahme, um der Fachkräfteproblematik selbst aktiv gegenzusteuern. Auch der aktuelle Lehrlingshöchststand (+3,6 Prozent 2018 gegenüber 2017, in Summe rund 1.400 Industrie-Lehrlinge) verdeutlicht neuerlich das klare Bekenntnis der heimischen Industrie zur Jugend und zum Standort Vorarlberg. „Es geht um den Stellenwert und die Qualität der dualen Ausbildung, um national sowie international weiterhin erfolgreich zu sein“, sagt Georg Comploj.

 

Die Umfragemethode:

Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten gegeben: gut, durchschnittlich, schlecht. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) %anteile dieser Antwortkategorien, und dann wird die konjunktursensible „Saldo“ aus den %anteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. Antwortmöglichkeiten bei BREXIT-Sonderfrage: sehr stark/stark/gering/gar nicht

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