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Industrie 4.0: „Enorme Vorteile für den Produktionsstandort“

Markus Lassnig ist Experte für digitale Transformation von Unternehmen und berichtet im Interview mit "Die Wirtschaft" von Chancen und Wettbewerbsvorteilen durch Industrie 4.0.

Markus Lassnig ist Experte für digitale Transformation von Unternehmen und berichtet von Chancen und Wettbewerbsvorteilen durch Industrie 4.0.
© Lassnig Markus Lassnig ist Experte für digitale Transformation von Unternehmen.

In welchen Bereichen können digitale Automatisierungsprozesse konkret in Betrieben umgesetzt werden?

Stark vereinfacht gesagt überall, wo Tätigkeiten bzw. Abläufe in irgendeiner Weise standardisiert sind. Das ist ein riesiges Anwendungsfeld, aber es muss natürlich überall eine Kosten-Nutzen-Abwägung erfolgen, denn nicht jeder rein handwerkliche Prozess ist auch sinnvoll und kostengünstig automatisierbar - doch die Anwendungsmöglichkeiten sind in jedem Fall enorm. Best Practice Beispiele zeigen auch, dass Kombinationen aus hochautomatisierten, digital gesteuerten Systemen und rein handwerklichen Tätigkeiten in der Fertigung sehr gut machbar sind.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Die Firma Atomic hat das in der Skifertigung sehr smart umgesetzt. Dabei funktioniert auch das Zusammenspiel von manuellen Tätigkeiten, die mit digitaler Sensorik unterstützt werden, sehr gut. Eine wichtige Neuerung gegenüber bisherigen Automatisierungsschritten ist, dass das auch für sehr kleine Losgrößen sinnvoll machbar ist – bis hin zu Losgröße eins.

Waren auch Best Practice Beispiele aus Vorarlberg dabei?

Ja natürlich, für unsere Studie haben wir beispielsweise umfassende Interviews mit dem Lichtkonzern Zumtobel, dem Seilbahnbauer Doppelmayr und dem technischen Großhändler Haberkorn geführt, die digitale Transformation stark vorantreiben und auch im Bereich Geschäftsmodell-innovationen sehr aktiv sind.

Welche Chancen ergeben sich aus solchen Entwicklungen für Österreich
?

Die digitale Transformation kann für den Produktionsstandort Österreich enorme Vorteile bringen – sowohl im Hinblick auf die Kosten, wie auch auf die Qualität der produzierten Güter, die mithilfe digitaler Sensor- und Steuerungstechnik weiter gesteigert werden kann. Damit kann dem Wettbewerb aus Niedriglohnländern in gewisser Weise der Wind aus den Segeln genommen werden. Mitunter können die in Österreich hergestellten Produkte auch selbst in Richtung smarter Produkte und Services transformiert bzw. erweitert werden, wodurch die Wettbewerbssituation weiter gestärkt werden kann.

...dafür ist das Management gefragt - mit technischem, strategischem Denken?

Die Betonung liegt hier auf strategischem Denken, sollte aber niemals rein technologieverliebt betrieben werden. Im Mittelpunkt jeder Digitalisierungsinitiative muss immer der Nutzen stehen, wobei hier völlig neue Aspekte des Nutzens ins Spiel kommen können, die bisher nicht im Fokus standen. Dabei sind kreative Köpfe gefragt, denn im Gegensatz zur häufigen Annahme, Digitalisierung entspräche einem rein technischen oder betriebswirtschaftlichen Thema, kann durch Kreativität die ein oder andere Herausforderung innovativ bewältigt werden.

Sind die Voraussetzungen dafür in Österreich gegeben?

Die Rahmenbedingungen sind in Österreich grundsätzlich sehr gut! Neben den sieben Handlungsempfehlungen für Unternehmen (siehe Factbox unten) liefern wir in der Studie auch vier konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik: Die Bewusstseinsbildung für die digitale Transformation sollte forciert werden, ein Aus- und Weiterbildungssystem für Industrie 4.0 sollte gefördert werden und die bestehende Technologieförderung sollte um Dienstleistungs- und Geschäftsmodellinnovationsförderung erweitert werden. Außerdem sollte die Politik alles unternehmen, um gesetzliche Reglements zur Digitalisierung zu harmonisieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

7 Handlungsempfehlungen für Unternehmen:

  • Digitale Transformation in Unternehmensstrategie integriere
  • Mit Stakeholdern im Wertschöpfungsnetzwerk technisch-inhaltlich abstimmen
  • IT- und Datensicherheit proaktiv sicherstellen
  • Eigene Datenstrategie entwickeln
  • Aktive Kommunikation mit Mitarbeitern
  • Weiterbildungsmaßnahmen für Mitarbeite
  • Neue Geschäftsmodelle als Intra-Entrepreneurships treiben

Zur Person: Mag. Dr. Markus Lassnig ist seit 1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Salzburg Research Forschungsgesellschaft. Im Rahmen des Programms „Produktion der Zukunft“ veröffentlichte der Innovationsforscher vier Studienberichte zur digitalen Transformation durch Industrie 4.0. 

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