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FAQ Schweiz: Grüezi lieber Nachbar!

Der Schweizer Markt ist bei Vorarlberger Betrieben nach wie vor stark gefragt. Ein Arbeitseinsatz in der Schweiz bedarf jedoch einer genauen Vorbereitung. Es folgt ein Überblick über häufig gestellte Fragen.

Der Schweizer Markt ist bei Vorarlberger Betrieben nach wie vor stark gefragt. Ein Arbeitseinsatz in der Schweiz bedarf jedoch einer genauen Vorbereitung. Es folgt ein Überblick über häufig gestellte Fragen.
© Aussenwirtschaft Ein Arbeitseinsatz in der Schweiz sollte gut vorbereitet werden. Die Abteilung Außenwirtschaft der WKV steht für Fragen zur Verfügung.

Ich bin Tischler und möchte einen Auftrag in der Schweiz ausführen. Muss ich mich da melden?

Ja, es ist eine online-Meldung durchzuführen. Das Tischlergewerbe fällt in der Schweiz unter das Baunebengewerbe, für welches eine Meldepflicht ab dem 1. Tag besteht. Eine Meldepflicht ab dem 1. Tag besteht überdies auch für das Bauhauptgewerbe, Reisenden-/Gastgewerbe, Reinigungsgewerbe, Gartenbau-/Bewachungs- und Erotikgewerbe.
Fallen Sie nicht in ein solches Gewerbe, haben Sie pro Kalenderjahr 8 meldefreie Tage – dies unabhängig von der Anzahl der entsendeten Personen/Tag (max. 15 Personen/Tag). WICHTIG: Ab dem Tag der Meldepflicht muss jeweils zwingend zumindest 8 Tage zuvor die online-Meldung vorgenommen werden! 

In welcher Höhe muss ich meinen Arbeitnehmern Spesen für einen Arbeitseinsatz in der Schweiz bezahlen?

Entweder können Sie die entsprechenden Kosten (Übernachtung, Verpflegung, Anfahrt) Ihrer Arbeitnehmer selbst direkt übernehmen – dann ist die Höhe des Betrages unerheblich! Beachten Sie, dass Sie die diesbezüglichen Rechnungen aufbewahren und im Zuge einer Arbeitskontrolle gegebenenfalls vorzeigen müssen. Wenn Sie diese Kosten nicht direkt übernehmen möchten, müssen Sie Ihren Arbeitnehmern die entsprechenden Spesenpauschalen bezahlen, welche Sie dem jeweils relevanten Gesamtarbeitsvertrag (GAV – wie österreichischer Kollektivarbeitsvertrag) entnehmen können. Besteht für Ihre Tätigkeit kein allgemein verbindlicher GAV, so haben Sie sich bezüglich der Spesen an die Weisungen des SECO (Staatssekretariat für Wirtschaft) zu halten (bspw. Übernachtung inkl. Frühstück: CHF 150.-; Übernachtung ohne Frühstück: CHF 135.-; Frühstück CHF 15.-  Mittagessen; Abendessen je CHF 20.-).

Muss ich einem Lehrling auch einen Schweizer Mindestlohn bezahlen?

Es kommt darauf an, ob bzw. welchem GAV die von Ihnen durchgeführten Tätigkeiten unterstellt sind. In Art. 2 der jeweiligen GAV ist zumeist der „persönliche Anwendungsbereich“ geregelt. Unter „Ausnahmen“ ist sodann ersichtlich, ob „Lernende“ (=Lehrlinge) vom Anwendungsbereich ausgenommen sind. Ist dies der Fall, so ist es ausreichend, wenn dem Lehrling auch für die Dauer der Tätigkeit in der Schweiz die österreichische Lehrlingsentschädigung bezahlt wird (Hinweis: entsprechende Schweizer Spesen sind dennoch zu bezahlen!). Der Lehrvertrag sollte jedenfalls in der Schweiz mitgeführt werden.  

Muss ich für Familienangehörige, die bei mir beschäftigt sind, auch den Schweizer Mindestlohn einhalten?

Hierbei kommt es wiederum darauf an, ob bzw. welchem GAV Sie unterstellt sind. Je nach GAV sind Familienangehörige vom Anwendungsbereich ausgenommen oder nicht. Sollten Familienangehörige bei den Ausnahmen daher nicht genannt sein, ist auch für diese der Schweizer Mindestlohn einzuhalten. (Dies ist z.B. im Anwendungsbereich des „GAV für das Schreinergewerbe Deutschschweiz und Tessin“ der Fall.) 

Mein Betrieb hat nicht genügend Arbeitskräfte für eine fristgerechte Erledigung eines Auftrages in der Schweiz und muss auf Arbeitnehmer eines anderen Betriebes bzw. einer Personalverleihfirma zurückgreifen. Ist dies erlaubt?

Nein, in die Schweiz gilt sowohl für die direkte als auch für die indirekte Arbeitskräfteüberlassung ein Verbot! Die einzige Möglichkeit einen Leasingarbeitnehmer für einen Auftrag in der Schweiz heranzuziehen ist die Beschäftigung eines Schweizer Leasingarbeitnehmers.  

Ich bin Dachdecker (EPU) und möchte einen Auftrag in der Schweiz annehmen. Wie ist das mit den Mindestlöhnen?

Für Selbstständige/den Geschäftsführer sind die Schweizer Mindestlöhne nicht einzuhalten, dennoch gelten auch für diese/n gewisse Dokumentationspflichten. Demgegenüber sind für Mitarbeiter, welche in die Schweiz entsendet werden, die Schweizer Lohn- und Arbeitsbedingungen einzuhalten. Sofern für den jeweiligen Tätigkeitsbereich ein allgemeinverbindlicher Gesamtarbeitsvertrag (GAV – wie österreichischer Kollektivvertrag) besteht, sind die dort ersichtlichen Mindestlöhne einzuhalten; andernfalls hat man sich an den orts- und branchenüblichen Löhnen zu orientieren.


Achtung!

Bei Fragen zu Arbeiten in der Schweiz oder auch in Liechtenstein und Deutschland können Sie sich an die Abteilung Aussenwirtschaft in der WKV wenden. Gerne können Sie auch einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren!

Mag. Lena Fritsch, LL.B.
t 05522 305 – 253
fritsch.lena@wkv.at

Tipp!

News:

  • Die 8 meldefreien Tage pro Kalenderjahr, die in manchen Branchen bestehen, sind unabhängig von der an diesen Tagen entsendeten Anzahl der Arbeitnehmer (max. 15). Bitte beachten Sie jedoch, dass auch während dieser meldefreien Tage die Schweizer Lohn- und Arbeitsbestimmungen sowie die Dokumentationspflichten einzuhalten sind!
  • Die neue Regelung, wonach in der Schweiz mehrwertsteuerpflichte Unternehmen auch Schweizer Radio- und Fernsehgebühr abführen müssen, gelten nicht für „ausländische Unternehmen“!
  • Neues Jahr – Neue Regelungen: Bitte beachten Sie, dass es mit jedem Jahreswechsel auch zu neuen gesetzlichen Regelungen wie (auch während des Jahres) zu neuen Gesamtarbeitsverträgen samt neuen (höheren) Mindestlöhnen kommen kann. Hinweis: Beispielsweise ist mit Ende März 2019 der aktuelle GAV für den Schweizerischen Gerüstbau ausgelaufen sowie wird mit Ende Juni 2019 der LGAV für das Schweizerische Schlosser-, Metallbau-, Landmaschinen-, Schmiede- und Stahlbaugewerbe ablaufen. Bleiben Sie up-to-date - wir helfen Ihnen dabei!

 

Veranstaltungsempfehlung:

  • Der Wirtschaftsdelegierte unseres AußenwirtschaftsCenters Bern/Zürich ist am 17. Juni 2019 beim Vorarlberger Exporttag anwesend – buchen Sie ein persönliches Gespräch. 
  • Webinar – 13.06.2019 – 10:00 – 11:30 Uhr – Hotelprojekte in der Schweiz: Tipps & Tricks für Mitarbeiterentsendung und Arbeitsrecht – Anmeldung.
von

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