th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home
news.wko.at

„Das Umfeld rund um uns verändert sich. Wir müssen das auch.“

Der neue Wirtschaftskammer-Direktor, Dr. Christoph Jenny, spricht im Interview über sein „Haus“, den Blick auf das große Ganze und aktuelle Herausforderungen.

„Wir werden als Organisation daran gemessen, welchen Nutzen wir für unsere Mitglieder stiften. An diesem Vorhaben müssen wir weiter konsequent arbeiten, erklärt Dr. Christoph Jenny.
© WKV „Wir werden als Organisation daran gemessen, welchen Nutzen wir für unsere Mitglieder stiften. An diesem Vorhaben müssen wir weiter konsequent arbeiten", erklärt Dr. Christoph Jenny.

Neu im Amt, aber als langjähriger Mitarbeiter im Haus ein profunder Kenner der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Wie gut ist die WKV im Jahr 2018 aufgestellt?

Die Wirtschaftskammer Vorarlberg ist in vielen Bereichen sehr gut aufgestellt. Nichtsdestotrotz verändert sich das Umfeld rund um uns, daher sind auch wir gefordert, uns weiterzuentwickeln. Es braucht weniger Verwaltung bestehender Strukturen und mehr Orientierung in Richtung Zukunftsthemen.

Was sind demzufolge aus Ihrer Sicht die wichtigsten Maßnahmen, die anstehen?

Das ergibt sich unmittelbar aus dem Zweck unserer Organisation. Es geht in erster Linie darum, unseren Mitgliedern möglichst viel Nutzen zu stiften. Das heißt, ein zentraler Fokus wird darauf liegen, wie es uns künftig gelingt, darin jeden Tag besser zu werden. Dazu müssen wir noch intensiver in die Betriebe hineinhören.

Braucht die WK dazu ein neues Selbstverständnis?

Unsere Organisation hat von der Struktur her gern die Tendenz auseinanderzudriften. Das große gemeinsame Ganze wird leider immer wieder aus den Augen verloren. Wir müssen zu einer neuen Identifikation in der Wirtschaftskammer kommen. Diese neue gemeinsame Identität ist für mich der zweite wichtige und entscheidende Aspekt. In diesem Bereich sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun gefordert.

Also Nutzen stärken und Identität schaffen...

Ja, beides spielt zusammen. Ich bin überzeugt, dass eine andere bzw. neue Identifikation auch die Wirkung nach außen erhöht. Für mich geht es daher auch sehr stark um die interne Kultur und eine optimale Kommunikation zu unseren Mitgliedern im Zeitalter der Digitalisierung, die uns als Organisation weiterbringt.

Heißt auch Stärkung des Servicebereiches...

Selbstverständlich. Die Unternehmen, die mit uns in Kontakt sind, schätzen unsere Angebote. Das wissen wir aus zahlreichen Rückmeldungen. Aber es gibt immer noch Unternehmerinnen und Unternehmer, die wir mit unseren Services nicht erreichen. Das will ich ändern. Allerdings bedarf  dies auch einer Weiterentwicklung von Services und der Schaffung neuer Angebote. Ich halte auch die Schiene des Netzwerkens für eine maßgebliche Nutzenstiftung. Auch hier haben wir als Wirtschaftskammer eine Aufgabe.

Wie bewährt sich die WKV im politischen Umfeld, quasi als Vertreter der Wirtschaftsinteressen?

Wir sind in die für das Land und die Wirtschaft wichtigen Themen maßgeblich eingebunden. Es macht natürlich Sinn, im Land mit der Politik gemeinsam Visionen zu entwickeln und umzusetzen. Vernünftige Ideen gehören unterstützt, bei Themen, die die Wirtschaft belasten statt stärken, müssen wir uns klar zu Wort melden. Diese Vorarlberger Art hat uns immer ausgezeichnet, daran wollen wir festhalten.

Kommen wir zu den wesentlichen Herausforderungen für das Wirtschaftsland Vorarlberg.

Die Fachkräftesituation ist eine der größten Herausforderungen, der wir uns stellen müssen. Das zeigt uns allein schon die demografische Entwicklung. Wir fokussieren uns ja in erster Linie auf die Phase des Berufseintrittes, auf die Entwicklung der Lehrlingzahlen etc. Was wir aber zu häufig vergessen, ist das andere Ende, nämlich auf jene, die aus dem Berufsleben pensionsbedingt ausscheiden. Diese Schere wird immer größer.

Entscheidend wird es also sein, die Potenziale im Land bestmöglich zu nutzen.

Ja, und zwar bei allen Altersgruppen. Auch die Frage, woher wir allenfalls Fachkräfte von außen bekommen, wird uns noch intensiv beschäftigen, denn wenn der Bedarf im eigenen Land nicht abdeckbar ist, bremst uns das in der wirtschaftlichen Entwicklung. Wir stehen in dieser Frage ganz am Anfang. Aktuell gehen mehr in Pension als unten nachkommen. Darum müssen wir uns kümmern, wollen wir Vordenker von Entwicklungen sein.

Dazu kommt das Thema Digitalisierung mit all seinen Auswirkungen. Wir sind hier auf verschiedenen Ebenen für die Unternehmen tätig, um ihnen bei dieser Herausforderung (diverse Serviceinformationen finden Sie in dieser Ausgabe, Anm. der Redaktion) zu helfen. Wir haben daher auch den Anstoß für eine landesweite digitale Agenda gegeben, die es nun rasch umzusetzen gilt. Und nicht zuletzt geht es um die Rahmenbedingungen für die Unternehmen. Ein Blick auf internationale Rankings und auf die einschnürende Bürokratie schafft Handlungsbedarf.

Gibt die neue Regierung hier Anlass zur Hoffnung?

Der Spielraum in Sachen Verwaltungsreform und einer Deregulierung auf Bundesebene ist zweifelsohne ein großer. Ich habe schon die Hoffnung, dass die Regierung hier ernsthaft drangeht. Frühere Regierungsprogramme sind oft in Neid und Blockadehaltung entstanden, das scheint jetzt anders zu sein. Die Erkenntnis ist wohl vorhanden, dass es eine starke Wirtschaft braucht, um als Gesellschaft erfolgreich sein zu können.

Apropos erfolgreich. Die Vorarlberger Zusammenarbeit im Bereich der dualen Ausbildung ist beispielhaft...

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir uns im Vergleich zu anderen Bundesländern in dieser Frage etwas anders bewegt haben. Es passiert viel. Das Land leistet hier einen großen Beitrag, wie man etwa allein an der Top-Ausstattung unserer Berufsschulen sieht. In diesem Bereich zeigt sich, was erreicht werden kann, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht. Dieses kooperierende Agieren von Sozialpartnern und  Land bringt ganz klar den Stellenwert der Lehre zum Ausdruck. Das ist dann das Umfeld für die Betriebe, die letztendlich für das Image und die Attraktivität der Lehre entscheidend sind. Wir als Wirtschaftskammer können hier nur unterstützen und die Rahmenbedingungen optimieren, wie etwa durch Aktionen wie „Ausgezeichnete Lehrbetriebe“ oder die Ausbilderakademie.

Wo sehen Sie den dringlichsten Handlungsbedarf in der Bildung?

Der Fokus muss weg von der Systemdiskussion hin zu den Orten, wo Bildung passiert. Man sollte sich überlegen, wie die Schulen in ihrer Entwicklung unterstützt werden können. Und wie wird das messbar, was hier gemacht wird. Ohne ein Monitoring wird das nicht gehen. Die gesetzten Maßnahmen müssen bewertbar sein und nach ihrer Wirkung beurteilt werden können. Nur so können dann auch Akzente in die richtige Richtung gelenkt werden. Ich habe dabei große Erwartungen in die neue Bildungslandesrätin. Mehr Mut und Ambition würden wir uns jedenfalls wünschen.

Zur Person: Dr. Christoph Jenny (52) stieg 1990 in die Wirtschaftskammer Vorarlberg ein. Nach seiner Tätigkeit als Rechtsreferent in der Abteilung Sozialpolitik übernahm der Jurist 2000 die Leitung der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht und wurde 2001 auch Leiter der Lehrlingsstelle. Im Jahr 2008 wurde Jenny zum Direktor-Stellvertreter ernannt. Seit dieser Zeit verantwortete er neben den Serviceabteilungen u.a. die Zukunftsbereiche Bildung und Lehre sowie die Sozialpolitik.

Das könnte Sie auch interessieren

  • Meinung
"Flexiblere Arbeitszeiten nützen allen", erklärt WKV-Präsident Hans Peter Metzler.

Lasst uns keine Gräben aufreißen!

Kommentar von Hans Peter Metzler, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg mehr

  • Meinung
Flexiblere Arbeitszeiten nützen den Unternehmern, sie nützen den Mitarbeitern und sie nützen dem Wirtschaftsstandort. Im NR-Beschluss von vergangener Woche sehen wir daher einen wichtigen Schritt für mehr Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft.

Eine zeitgemäße Arbeitszeitregelung

Kommentar von Hans Peter Metzler, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg mehr

  • Meinung
Benjamin Meier, WIFI Lehrgangsleiter und Gesellschafter der Digitalagentur TOWA, erklärt im Interview, welchen Herausforderungen sich Unternehmen in Sachen digitaler Transformation stellen müssen.

„Der digitale Kundenzugang ist heute entscheidend”

Digitale Transformation und Change Management sind die Schlagworte der Stunde! Benjamin Meier erklärt im Interview, welchen Herausforderungen sich die Unternehmen stellen müssen. mehr