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Crowdfunding: Die echte Alternative bei der Finanzierung

Dr. Michael Gebert, Experte in Sachen Crowdfunding, im Interview mit "Die Wirtschaft". 

Crowdfunding: Die echte Alternative bei der Finanzierung  von Unternehmen und Projekten.
© Thinkstock Das Konzept des Crowdfundings basiert auf der Idee, von einer großen Menge an Menschen, der Crowd, finanzielle Mittel für Projekte einzusammeln.

Herr Gebert, aus welchen Bedürfnissen heraus ist Crowdfunding entstanden?

Allgemein basiert das Konzept des Crowdfundings auf der Idee, von einer großen Menge an Menschen, der Crowd, finanzielle Mittel für Projekte einzusammeln. Crowdfunding hat mit der zunehmenden Nutzung des Internets in den letzten Jahren sprunghaft an Bedeutung gewonnen und sich mittlerweile als echte Alternative bei der Finanzierung von Unternehmen und Projekten sowie der Investition in diese etabliert. 

Crowdinvesting ermöglicht einer Vielzahl von Privatinvestoren über das Internet die direkte Beteiligung an Unternehmen. In der DACH Region gibt es diese Finanzierungsform seit 2011. Um die beiden Parteien zusammenzuführen, treten Plattformen als Vermittler auf, indem sie die notwendige Infrastruktur zur Verfügung stellen. 

Besonders interessant für Start-ups?

Gerade das Crowdinvesting als eine Form der Schwarmfinanzierung bietet jungen Unternehmen und privaten Anlegern eine interessante Möglichkeit, voneinander zu profitieren: Unternehmen erhalten Zugang zu einer besonderen Form von Venture Capital und einer Crowd voller Markenbotschafter, Investoren haben durch die Frühphaseninvestments in Start-ups ein besonderes Renditepotenzial. Vor dem Hintergrund der zögerlichen Kreditvergabe von Banken bei risikobehafteten Projekten, die durch die Neuregelungen der Basel-Reformpakete noch verschärft wurde, wird Crowdinvesting auch immer mehr zur Finanzierungsalternative für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) werden. 

Welche Chancen ergeben sich bei einer Crowdfunding Aktion für KMU’s und für große Unternehmen?

Crowdinvesting hat durchaus das Potenzial, mit den klassischen eigenkapitalnahen Finanzierungsformen zu konkurrieren. Sowohl die Dauer der Kapitalüberlassung als auch die Kontrolle der Mitspracherechte der Investoren sind flexibel gestaltbar und bieten damit gute Voraussetzungen für eine Beteiligung.  Außerdem entstehen bei einem Crowdinvesting kostenfreie Marketingeffekte, die einen Vorteil gegenüber klassischen Finanzierungsformen darstellen. 

Der wohl bedeutendste Punkt, der für eine Finanzierung durch die Crowd spricht, ist aber der Wegfall langwieriger Such- und Auswahlprozesse. Unternehmen können ihr Konzept sofort einer breiten Masse an Investoren vorstellen und sparen sich so die oft lange und von geringen Erfolgschancen geprägte Suche nach einem traditionellen Kapitalgeber. 

Aber es bestehen auch Risiken?

Gegen ein Crowdinvesting spricht, dass nur begrenzte Summen an Kapital eingeworben werden können. Da es sich beim Crowdinvesting um ein noch sehr junges Phänomen handelt, ist der zugehörige Markt wesentlich risikobehafteter als klassische Beteiligungskapitalmärkte. Nicht zuletzt stehen auch die vergleichsweise hohen Kosten, die durch den Einsatz einer Erfolgsprovision durch die Plattformen anfallen, sowie der problematische Schutz des geistigen Eigentums bei einem Crowdinvesting auf der Negativseite. 

Ist nicht gerade die Werteinschätzung von Start-ups problematisch?

Eine korrekte Unternehmensbewertung junger Start-ups ist durchaus kompliziert und kann immer nur eine Annäherung darstellen. Letztendlich entscheidet der Anleger, ob er mit dem Preis für eine gewisse prozentuale Beteiligung am Unternehmen einverstanden ist oder nicht.  Da die Angemessenheit des Preises aber nur sehr schwer zu beurteilen ist, droht gerade in Euphorie-Phasen die Bildung einer Blase. Daran können auch Auktionsmechanismen nichts ändern, bei denen zwar auf eine konkrete Unternehmensbewertung verzichtet wird, die letztendlich aber durch die Gebote der Investoren erfolgt. Die Problematik der Werteinschätzung besteht also auch hier.

Crowdfunding dient auch als Marketinginstrument...

Als Mischung aus Social Media und E-Commerce sind Crowdfunding-Plattformen gleichzeitig Soziale Online-Netzwerke, Informations-, Kommunikations- und Transaktionsplattformen. Genau wie in SocialMedia und E-Commerce treten auch beim Crowdfunding komplexe soziale Mechanismen auf, die das Verhalten der User beeinflussen.  Diese Mechanismen betreffen insbesondere das aufeinander abgestimmte Verhalten von Geldgebern auf der Projektseite der Crowdfunding-Plattform. Aufgrund sozialer Bewertungen („Social Proof“) und Herdeneffekten ergeben sich dabei letztendlich auch Einflüsse auf den Finanzierungserfolg in Crowdfunding-Kampagnen. 

Wenn ein Projekt völlig neu ist, bewerten potenzielle Geldgeber dieses lediglich aufgrund der Informationen, die sie über das Projekt und dessen Initiatoren zur Verfügung haben. Der daraus resultierende Marketing Effekt ist nicht zu unterschätzen. So steht einer Crowdfunding Kampagne neben einer möglichen alternativen Form der Finanzierung auch ein umfassendes Set an Marketing und Validierungspotenzial von Projekten und Produkten bei.

Und wie sehen die rechtlichen Rahmenbedingungen aus?

Die rechtliche Abfederung und Struktur ist durch eine europäische Leitlinie vorgeformt, wird allerdings in der Praxis in jedem Land der Europäischen Union unterschiedlich ausgelegt. Dadurch bestehen aktuell höchst variable regulative Rahmenbedingungen für CrowdFunding. So ist Equity CrowdFunding in Deutschland so gut wie nicht existent, wobei Lending und Reqard basiertes CrowdFunding über mehr als 80 aktive Plattformen angeboten wird.

Vielen Dank für das Gespräch!   


Dr. Michael Gebert im Interview zu Crowdfunding.
Crowdfunding-Experte Michael Gebert.
Zur Person: Dr. Michael Gebert ist Deutschland‘s führender Experte für Crowdsourcing  (Arbeit 4.0), Crowdfunding (alternative Finanzierung für den Mittelstand ) und  Crowdinnovation (Offene Innovationsprozesse). Mit seinem Beratungsunternehmen  Crowd Mentor Network hilft er Unternehmen die strategischen und operativen  Chancen durch Crowd-Sourcing-Fundung und Innovation zu identifizieren und  umzusetzen. Dr. Gebert ist zudem Vorstandsvorsitzender Deutscher Crowdsourcing Verband e.V.


Von Mag. Herbert Motter

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