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Business (not) as usual

Die Corona-Krise setzt auch der amerikanischen Wirtschaft zu und ein neuer US-Präsident wurde gewählt. Was bedeuten die Veränderungen in den USA für Europa und Vorarlberg? Eine Annäherung.

Die Präsidentschaftswahl in den USA fand am 3. November statt, erst am 7. November 2020 erklärten Medien auf Basis vorläufiger Daten, dass der demokratische Kandidat, Joe Biden, die Wahl gewonnen habe. Das Endergebnis lässt auf sich warten.
© istock Die Präsidentschaftswahl in den USA fand am 3. November statt, erst am 7. November 2020 erklärten Medien auf Basis vorläufiger Daten, dass der demokratische Kandidat, Joe Biden, die Wahl gewonnen habe. Das Endergebnis lässt auf sich warten.

Die USA sind der viertwichtigste Handelspartner Vorarlbergs weltweit und der wichtigste nicht europäische Markt für Vorarlberger Produkte. Von 2018 auf 2019 erhöhte sich das Exportvolumen von rund 543 Millionen auf rund 551 Millionen Euro. Vorarlberger Unternehmen verfügen über etwa 80 Niederlassungen in den USA – der Markt mit den anspruchsvollsten Kunden und der härtesten Konkurrenz der Welt. Obwohl die Vorarlberger Firmen gut vorbereitet sind und in ihren Nischen auch Marktführer und vertrauenswürdige Partner sind, wird aufgrund der Corona-Krise für das Jahr 2020 aber ein Rückgang der Exporte vermutet.

Wahl in den USA 

Die richtungsweisende US-Wahl ist geschlagen: Der Demokrat Joe Biden hat gewonnen und wird nach dem Republikaner Donald Trump der 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Das offizielle Endergebnis ist allerdings weiterhin ausständig; Michael Friedl, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in New York, schätzt, dass „die nächsten Tage und Wochen zeigen werden, wie gut die Demokratie und das Vertrauen in die Behörden in den USA funktionieren.“
Nach vier Jahren der Amtszeit Donald Trumps, Protektionismus und „America First“ stellt sich nun also die Frage, welche neuen wirtschaftspolitischen Impulse von der neuen Führung gesetzt werden.


Dazu eine erste Analyse der wirtschaftspolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Österreich:
•    Biden will die USA mit hohen Staatsausgaben und Steuererhöhungen aus der aktuellen Krise führen.
•    Biden setzt auf Impulse für die Wirtschaft. Davon kann auch Österreich profitieren.
•    Umwelt- und Gesellschaftspolitik spielen bei Biden eine große Rolle. Der Green Deal soll der USA zu einer ökologischen Wirtschaft und zu einer gerechten Gesellschaft verhelfen.
•    Große gesetzliche Weichenstellungen sind aufgrund des voraussichtlich republikanischen Senats unwahrscheinlich. Nichtsdestotrotz gewinnt Europa mit den USA unter Joe Biden einen wichtigen Vertreter der multilateralen Weltordnung. 

Wirtschaftslage in den USA  

Im zweiten Quartal 2020 erfährt die US-Wirtschaft den schwersten Einbruch seit Beginn der Aufzeichnungen. Trotzdem ist der Rückgang der Wirtschaft in diesem Zeitraum weniger stark ausgefallen, wie zunächst prognostiziert. Für das Gesamtjahr 2020 gehen aktuelle Szenarien von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 3,7 Prozent - 5,3 Prozent aus. Vorbehaltlich einem günstigen Verlauf der Entwicklungen, rechnen Experten für 2021 mit einem erneuten Wirtschaftswachstum. Das könnte laut dem Wirtschaftsdelegierten in New York, Michael Friedl, durchaus erfreulich ausfallen, wie er im Interview mit „Die Wirtschaft“ (siehe rechte Seite) erklärt: „Wenn Biden seinen Plan umsetzen kann, könnte das BIP der USA bis zum Ende seiner Amtszeit kumuliert um fünf Prozent zulegen. Unter Trumps Plan wäre lediglich ein Wirtschaftswachstum von kumuliert 1,5 Prozent prognostiziert worden.“

Corona-Pandemie in den USA

Die Wiedereröffnung der US-Wirtschaft ist in den vergangenen  Wochen kontinuierlich vorangeschritten. Das hat zu einer ersten Erholung der Konsumausgaben sowie der Arbeitslosenrate geführt. Nach einer Rekordarbeitslosigkeit von 14,7 Prozent im April ist die Beschäftigungszahl seit Mai kontinuierlich gestiegen, hat das Vor-COVID-19 Niveau aber noch lange nicht erreicht. Zudem werden die Bemühungen, die Wirtschaft zum Laufen zu bringen, von einer neuen Ausbreitungswelle überschattet.

„Bei den Gewinnern ist die Stimmung natürlich sehr gut“

Michael Friedl, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in New York beschreibt in „Die Wirtschaft“ die aktuelle Stimmung in den USA und analysiert die wirtschaftspolitische Agenda des neu gewählten US-Präsidenten Joe Biden sowie die Auswirkungen für die Vorarlberger Exportwirtschaft. 

Welche Bedeutung hat der Sieg Bidens für die USA und wie erleben Sie aktuell die Stimmung im Land?

Die Stimmung ist bei den Gewinnern natürlich sehr gut. Manche sagen, 2008 bei der Wahl von Obama wurde gefeiert, jetzt 2020 ist man erleichtert. Trump und seine Anhänger haben aber noch nicht aufgegeben, Gerichtsverfahren warten, noch haben wenige Republikaner Biden zum Sieg gratuliert und eine schmutzige Schlammschlacht mit keiner geordneten Übergabe wird erwartet. Die großen Unruhen und gewaltsamen Demonstrationen sind aber (bislang zumindest) ausgeblieben. Besondere Freude herrscht auch darüber, dass mit Kamala Harris die erste Frau mit afrikanischen und südasiatischen Wurzeln in so ein wichtiges Amt gewählt wurde. Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, wie gut die Demokratie und das Vertrauen in die Behörden in den USA funktionieren.

Was haben Biden und Harris wirtschaftspolitisch auf der Agenda?

Mit dem Motto „Build Back Better“,  in Reaktion auf die aktuelle Covid19-Krise, geht es in Bidens Wirtschaftsprogramm vor allem darum, die US-Wirtschaft zu reanimieren und gleichzeitig die Chancengleichheit zu verbessern. Dies soll durch zwei Hauptmaßnahmen – höhere Steuern für Besserverdiener und gesteigerte Staatsausgaben – erreicht werden. Biden hat eine andere Steuerpolitik als Präsident Trump angekündigt und will einige Maßnahmen seiner Reform von 2017 wieder abändern (z.B. eine Erhöhung der Körperschaftsteuer). Wenn Biden seinen Plan umsetzen kann, könnte das BIP der USA bis zum Ende seiner Amtszeit kumuliert um fünf Prozent zulegen. Unter Trumps Plan wäre lediglich ein Wirtschaftswachstum von kumuliert 1,5 Prozent   prognostiziert worden. Auch Biden setzt auf Re-Industrialisierung in den USA, auf erhöhte Investitionen im Infrastrukturbereich, im Gesundheitswesen und bei Green-Tech, da er fossile Brennstoffe in den nächsten Jahrzehnten durch erneuerbare Energien, v.a. im Wind- und Solarbereich, ersetzen möchte. All diese Industriezweige sind auch Stärkefelder von österreichischen Unternehmen und könnten positive Impulse für den bilateralen Handel bedeuten.

Was bedeutet das für die Vorarlberger Exportwirtschaft?

Vorarlberger Unternehmen sind schon jetzt sehr prominent und erfolgreich in den USA vertreten, seien es Möbelbeschlägehersteller, Beleuchtungsfirmen oder Industriezulieferungen. Auch eine Biden-Administration wird auf Förderung von Direktinvestitionen und Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA setzen, wie es ja Firmen aus Vorarlberg schon gezeigt haben. Die Bereiche Umwelttechnik, Erneuerbare Energien und Infrastruktur generell sind auch für Vorarlberg extrem interessant (sei es Rhomberg beim Bahnausbau oder Doppelmayr bei Personenbeförderung). Vorarlberger Betriebe setzen auch jetzt schon erfolgreiche Projekte im Bereich duale Ausbildung und Lehrlingsförderung um, das wird sich eventuell unter Biden noch verstärken. 

Danke für das Gespräch! 

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