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Bitcoin: Finanzspielerei oder Währung der Zukunft?

Ist das noch gesunde Euphorie oder längst verrückte Hysterie? Die Digitalwährung Bitcoin reißt einen Rekord nach dem anderen. Eine Annäherung.

die Stimmung reicht also von Euphorie bis Hysterie.
© Thinkstock Die Stimmung reicht von Euphorie bis Hysterie: Bitcoin-Freunde träumen von der Währung der Zukunft, Kritiker warnen vor einer gigantischen Finanzblase.

Bitcoin-Freunde träumen von der Währung der Zukunft und von weiteren Wertsteigerungen. Kritiker warnen vor einer gigantischen Finanzblase - die Stimmung reicht also von Euphorie bis Hysterie. Vergangene Woche stieg der Wert der Digitalwährung erstmals über 11.000 US-Dollar (9.283 Euro). Allein seit Jahresbeginn hat er sich mehr als verzehnfacht.

Auch offizielle Regulierer und Notenbanker äußern sich zum Bitcoin - der Grundtenor: Besser die Finger davon lassen! Die deutsche Finanzaufsicht warnt gar vor einem Totalverlust. Im Internet kursiert seit einiger Zeit folgende Rechnung: 2010 hatte ein Programmierer zwei Pizzen für 10.000 Bitcoins gekauft. Heute wäre dieser Betrag rund 100 Millionen Dollar wert. Besonders seit Anfang des Jahres steigt der Wert der Digitalwährung immer rasanter.

KommR Betriebsökonom Wilfried Hopfner,  Obmann der Sparte Bank und Versicherung in der WKV, betont in diesem Zusammenhang, dass Währungen wichtige Funktionen als Zahlungsmittel erfüllen: „Dieser Bedeutung entsprechend haben staatliche Zentralbanken eine wichtige Funktion und gleichzeitig hohe Verantwortung. Eine Währung braucht in hohem Ausmaß vor allem Vertrauen. Kryptowährungen – also auch Bitcoin – sind digitale Zahlungsmittel. Sie werden im Gegensatz zu Zentralbank-Geld bis heute ausschließlich durch Private geschöpft. Kryptowährungen benötigen keine Notenbanken und unterstehen insoferne keiner Behörde oder sonstigen Organisation. Sie werden technisch – zugegebenermaßen auf höchstem Niveau – produziert. Die Funktionalität ist hier in höchstem Maße vom Vertrauen in das System geprägt. Aus meiner Sicht sind Bitcoins daher mehr Spekulationsobjekt als Zahlungsmittel.“

1.000 Digitalwährungen

Der Bitcoin ist die bekannteste von inzwischen über 1.000 Digitalwährungen, die auch Krypto-währungen genannt werden. Eine Figur namens Satoshi Nakamoto, deren Identität bis heute nicht eindeutig geklärt ist, soll sie 2009 in Umlauf gebracht haben. Anders als herkömmliche Währungen wird der Bitcoin nicht von Zentralbanken und Regierungen kontrolliert. Es gibt auch keine Scheine oder Münzen in den Händen, sondern nur Bits und Bytes auf Computern. Bitcoins werden durch gigantische Rechenprozesse erzeugt. Dieses sogenannte Mining wird immer komplizierter, der Stromverbrauch dafür immer größer. Bitcoin-Fans schwärmen von Anonymität und dezentraler Autonomie. Kritiker warnen vor Missbrauch und Kriminalität. „Es tummeln sich auch Spekulanten und windige Geschäftemacher am Markt“, warnt Elisabeth Roegele, Chefin der Wertpapieraufsicht bei der deutschen Finanzbehörde Bafin.

„Keine sichere Geldanlage“

Kryptowährungen seien zudem alles andere als eine sichere Geld-anlage, sagt Roegele. Im Zweifelsfall drohe Anlegern sogar ein kompletter Wertverlust. Selbst während der aktuellen Rekordjagd geht es zwischenzeitlich immer wieder rasant bergab, binnen weniger Stunden locker mal um 20 Prozent. „Ich fürchte, früher oder später wird der Preis für die exzessiven Spekulationen zu zahlen sein“, sagt Notenbanker Yves Mersch von der Europäischen Zentralbank (EZB).
Auch die Deutsche Bundesbank ist wachsam geworden. „Die Frage, die uns beschäftigt, ist, ob diese Trends stark über Kredite finanziert werden und ob damit spekuliert wird“, sagt Bundesbank-Vizechefin Claudia Buch. Derzeit fehle es dazu noch an verlässlichen Informationen.

Bei Kaufaufforderungen Vorsicht walten lassen

Vorsicht ist für all jene geboten, die jetzt noch auf den Bitcoin-Zug aufspringen wollen: Ein eventueller Totalverlust sollte einkalkuliert werden. Experten sind sich einig, dass der aktuelle Höhenflug ein baldiges Ende finden wird und muss.

Arnold Tollinger, Obmann der Fachgruppe Finanzdienstleister in Vorarlberg: „Und zwar dann, wenn die Masse Kasse machen will. Wann das sein wird, kann niemand voraussagen. Aber wenn es soweit ist, bleibt außer heißer Luft in 90 Prozent der Fälle nicht viel für die Investoren übrig“, so Tollinger. Die zahlreichen Bitcoin-Kaufaufforderungen, die viele Vorarlberger aufgrund des Booms derzeit per Mail erreichen, seien größtenteils als unseriös zu werten. „Von solchen Angeboten sollte Abstand genommen und zur Sicherheit ein regionaler Finanzexperte angefragt werden“, betont der stv. Fachgruppenobmann der Finanzdienstleister.

Interesse steigt

Ungeachtet aller Warnungen steigt das Interesse am Cyber-Geld und damit dessen Wert immer weiter. In Japan wurde die Digitalwährung schon als offizielles Zahlungsmittel neben dem Yen anerkannt. In China weichen Anleger wegen Kapitalverkehrskontrollen auf den Bitcoin aus, während die politische Führung mit Regulierungen gegenzusteuern versucht. In krisengeschüttelten Ländern wie Venezuela wird der Bitcoin als Alternativwährung genutzt. Sogenannte digitale Börsengänge (ICOs), mit denen etwa Start-ups im Internet einfach Geld sammeln können, treiben die Nachfrage zusätzlich. Die US-Terminbörse CME sowie Insidern zufolge auch ihr Konkurrent Nasdaq planen die Einführung eines speziellen Finanzprodukts (Bitcoin-Future.)

Aber kann bei einem Finanzprodukt mit derart starken Kursschwankungen wie beim Bitcoin wirklich von einer Währung die Rede sein? Nein, sagt EZB-Vizepräsident Vitor Constancio. Es handle sich um einen Vermögenswert, deren Fans an Wertsteigerungen glauben. Immerhin kann man in einigen Geschäften, Online-Shops, Restaurants und sogar Schulen mit Bitcoins bezahlen. Aufgrund der enormen Kursschwankungen werden aber die Preise nur selten in Bitcoins angegeben.

Technologie der Zukunft

Einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren von Kryptowährungen: Der sichere, kostengünstige und grenzenlose Transfer. Möglich macht dies die revolutionäre Blockchain-Technologie. „Bei Blockchain handelt es sich im Wesentlichen um eine Datenbank, die verschiedenen Nutzern gemeinsam zur Verfügung steht. Während Daten bisher zentral verwaltet wurden, etwa bei Banken, sorgt das neue System dafür, dass Daten dezentral kontrolliert und protokolliert werden. Das bedeutet: Der Nutzer wird Teil der Datenkontrolle“, erklärt Tollinger. Der Einsatzbereich für diese Technologie ist daher nicht nur auf Kryptowährungen oder Finanztransaktionen beschränkt. „Wenig überraschend also, dass Start-ups wie Pilze aus dem Boden schießen, um diese Technologie für neue Geschäftsmodelle zu entdecken“, weiß der stv. Obmann der Fachgruppe der Finanzdienst-
leister.    

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