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Bauen: Ökologisch und leistbar

Der Bereich Bauen ist ein zentrales Zukunftsthema. Dennoch ergibt sich vor allem in Sachen Wohnbau ein immer größeres Dilemma: Die Frage ist, wie wir den Spagat zwischen klimagerechtem und sozial verträglichem Bauen schaffen – und dadurch einseitige „wohnbaupolitische“ Eingriffe obsolet werden.

Bauen muss ökologisch und leistbar sein. Gleichzeitig gilt es, die Stärken und Reize der heimischen Baukultur nicht preiszugeben: nämlich Schnelligkeit, Flexibilität, Verfahrenseffizienz und die ansprechende Architektur.
© iStock Bauen muss ökologisch und leistbar sein. Gleichzeitig gilt es, die Stärken und Reize der heimischen Baukultur nicht preiszugeben: nämlich Schnelligkeit, Flexibilität, Verfahrenseffizienz und die ansprechende Architektur.

Dass sich in Sachen Bautechnik und Bauausführung bereits sehr viel getan hat, bildet sich insbesondere in den zahlreichen Verordnungen und Rechtsgrundlagen ab. Gerade die thermischen Vorgaben an Gebäudehülle und Haustechnik sowie deren Entwicklung in den vergangenen Jahren waren sehr ambitioniert, es konnten maßgebliche Verbesserungen in der gesamten heimischen Gebäudelandschaft erzielt werden. Allerdings sind die Potenziale im Neubau aus wirtschaftlicher Perspektive weitestgehend ausgeschöpft, während die Anforderungen an die Gebäudehülle immer schärfer werden – quasi nach dem Motto: „Ein Quäntchen Ambition muss schon noch gehen, aber ist halt auch teurer!“

Stabilität und Planungssicherheit

Diese Tendenz scheint sich jedenfalls im aktuellen Entwurf zur neuen Bautechnikverordnung niederzuschlagen. Die Wirtschaftskammer Vorarlberg hat zu diesem bereits Stellung genommen, und zwar mit folgendem Input: Weitere Verschärfungen sind künftig kaum mehr sinnvoll, da zusätzliche Effizienzsteigerungen unter Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeit und Leistbarkeit faktisch nicht mehr realisierbar sind. „Bei aller Berechtigung und selbstverständlicher Sinnhaftigkeit in Fragen der Energieeffizienz und des Klimaschutzes dürfen wir nicht vergessen, für wen Wohnbaupolitik betrieben wird“, sagt Lukas Fleisch aus der Wirtschaftspolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Es ist zu hoffen, dass nach dieser langen Phase der sich dauernd verschärfenden Dynamik nun eine gewisse Stabilität und Planungssicherheit eintritt. Würde sich diese Phase nicht ergeben, würden wir viele der ursprünglichen Stärken und Reize der heimischen Baukultur preisgeben - nämlich Schnelligkeit, Flexibilität, Verfahrenseffizienz oder die ansprechende und überregional bekannte Architektur.

"Bei aller Berechtigung und selbstverständlicher Sinnhaftigkeit in Fragen der Energieeffizienz und des Klimaschutzes dürfen wir nicht vergessen, für wen Wohnbaupolitik betrieben wird."
Lukas Fleisch, WKV-Wirtschaftspolitik

Ansprüche und Erwartungen

Hochkomplexe Bauprozesse, scharfe energetische Anforderungswerte, Einschränkungen bei Haustechnik und technisch möglicher Systeme werden sich nicht nur preislich niederschlagen – der Markt wird kostenseitig darauf reagieren – sondern auch das Aussehen unserer Gebäude wesentlich bestimmen. „Ob dies mit den Erfordernissen unserer Region, also den Kundenbedürfnissen, den Grundflächen-Gegebenheiten, dem Landschaftsbild und generell dem Anspruch des kostengünstigen Bauens langfristig entspricht und Akzeptanz findet, bleibt abzuwarten“, sagt Fleisch.

Ökologische Materialwahl

Auch das Thema „Materialität“ zeichnet sich bereits länger als nächster Schritt am bautechnischen Horizont ab. Nicht nur Gebäude, sondern auch ihre Bestandteile – die Baustoffe – haben einen ökologischen Rucksack. Wie viel Energie braucht ihre Herstellung? Wie weit werden sie transportiert? Bestehen sie aus nachwachsenden Rohstoffen? Wie steht es um die Wiederverwertung? Das sind alles Fragen, die in den nächsten Jahren immer intensiver zu diskutieren sein werden. Ökologisches Bauen macht Sinn, keine Frage. Doch wird dabei oft ausgeblendet, dass wir auch hier bereits sehr weit sind. Bei mineralischen Rohstoffen beispielsweise liegt die Wiederverwertungsquote bei weit über 90 Prozent, im Holzbau Vorarlberg sind wir seit jeher Vorreiter. Das zeigt, dass die Betriebe ihre Hausaufgaben auch ohne gesetzlichen Zwang und vielmehr auch auf einem freiwilligen Weg machen. Darauf gilt es aufzubauen, dafür müssen beste Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Am Ende zählt vor allem Leistbarkeit

Es wird also entscheidend sein, diese Diskussion offen und umfassend und vor allem ohne ideologische Scheuklappen zu führen. Einseitige und extreme Forderungen und Eingriffe, die die Kostendimension und Praktikabilität völlig ausblenden, sind dabei zu vermeiden. Denn am Ende müssen sich die Leute das auch leisten können. Dies gilt insbesondere in einer derart angespannten Marktsituation, wie wir sie derzeit erleben.

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